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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-01 · Heft 1 (1.1.1867) · p. Seite 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-Seilage }n tlr. 1. Leipzig, den 1. Januar 1867. Vergangenheit. Laß mich an Deinem Herzen ruh'n, Vergangenheit, Reich' mir die Hand — ich fürchte nicht Dein Nebelkleid, Nicht Deines Odems kalten Schauer, Des starren Blickes Trauer. In meinen Adern rollt Dem Blut, Es stammt von Deinem mein Gebein, Und was in meiner Seele ruht, Du legtest leis' es mir hinein; Du ebnest mir des Lebens Pfad, Und wo ich wanke, kommt Dein Rath. Das Wort, das Du einst laut gesprochen, Sein heller Klang ist ungebrochen, Er hallet fort und fort, Und all' die mächtigen Gestalten, Die Deinem Ruf' auf Erden walten, Sie zieh'n von Ort zu Ort. Ich schau' auf Deine weite Flur — Da ist kein Grab, Was Dir entstieg, hält über uns Den Herrscherstab. Ich schau' auf Deinen Hinnnel hin — Da ist nicht Nacht; Das Licht, das uns emporgestrahlt, Du hast's gebracht. Der Morgen kommt, der Abend zieht, Das Traumgebilde rasch entflieht In eines Tages Zeit, Worin des Lebens Kraft sich regt, Was Mark der Schöpfung in sich trägt, Das wird Vergangenheit. Verschenkt! — Verkauft! Novelle. 1. Ein Thal zwischen hohen Gebirgszügen war mit einem finsteren Walde bedeckt. Wilde Bäche stürzten von den Höhen herab und durchfurchten das Thal. Unter dem Schatten des dichten Laubes sammelte sich das Wasser und bildete Sümpfe und Moräste. Der Wald zog sich über einen weiten Landstrich hin, denn er stieg auch die Berge hinan und-herab und bedeckte die Ebenen jenseits der Berge. Das Land war dünn bevölkert und der regsamen Hände, welche den Forst ausroden und zu fruchtbarem Ackerboden verwandeln konnten, war nur eine geringe Anzahl vorhanden. Durch den Wald im Thale zog sich an der Seite eines schnell fließenden Baches mitten durch den Wald ein Weg, wie ihn die Natureben bereitet und die Füße der Saumthiere und Menschen ihn zugerichtet hatten. Auf diesem bald schmutzigen, bald sandigen Wege schleppte sich mühsam eine Gruppe Fußgänger hin, die aus einem Manne, einem Weibe und drei Kindern bestand. Sie waren sämmtlich schlecht bekleidet, von verfallenem Aussehen, von der Tageshitze und den Beschwerden der Wanderschaft ermüdet. Sie trugen alle auf Schultern und Rücken größere und kleinere Bündel, der Mann aber außerdem in seinen! rechten Arme einen glanzend polirten Kasten, mit bunten Arabesken bemalt. Die Sonne begann von der Mittagshöhe sich zu entfernen, als die Wanderer zu einer kleinen Lichtung gelangten, der Mann still stand, sich umschauete und zu seinen Begleitern sprach: „Hier wollen wir ein wenig rasten. Wahrhaftig, ich erkenne die Gegend, obschon ich seit dreißig Jahren nicht hier gewesen. Sie hat sich nicht verändert. Der Wald ist Wald geblieben, der Bach fließt noch wie ehedem, dort stehen die alten Berge, und seht ihr dort, auf dem hohen Felsen links die ragende Beste? Es ist die Burg Geroldstein, wehe über das Geschlecht, das sie bewohnt!..." Das Weib und die Kinder blickten theiluehmend und neugierig auf den Mann, der einen Augenblick in Sinnen versank, und auf die Gegenstände, von denen er sprach.

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