Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226583--24539-3260000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
13 Aber auch eine medicinische Zeitschrift, l’Union Meklicale, machte sich desselben Fehlers schuldig und ging so weit, sich bitter darüber zu äußern, daß alle höheren Stellungen jetzt von Juden eingenommen würden. Dies ist nun doch durchaus nicht der Fall. Denn außer dem Finanzminister und einem Präsidenten eines höheren Gerichtshofes ist kein höheres Amt von einem Juden besetzt. Daß zwei Juden im Institute und fünf bereits auf Lehrstühlen der Universität sitzen, kann doch nur aus ihren Verdiensten und Talenten hervorgchen. — Am 29. November fand die sechste öffentliche Jahressitzung der Alliance israelile universelle; statt. Leider hatte man nur einen kleinen Saal dafür finden können, welcher für die große Menge der Anwohnenden zu eng war. Es failden sich viele jüdische und christliche Autoritäten ein. Wir müssen den gedruckten Rechenschaftsbericht abwarten, um Thatsachen mitzutheilen. So viel ward uns aus dem mündlichen Verfahren klar, daß der Verein an Zahl der Mitglieder noch immer im Wachsen ist, daß der Vorstand der Alliance es an eifrigen Bemühungen nicht fehlen läßt, wenn auch die Erfolge nicht immer denselben entsprechen, da die Alliance einmal ihr Hauptbestrcben auf einen durchaus schwankenden Boden, den Orient, gerichtet hat. Auch die finanzielle Lage ist günstig. Den hauptsächlichsten Raum der Sitzung nahm die Rede des Präsidenten Cremieux ein, eine glänzende Improvisation, welche wiederholten, lebhaften Beifall hervorrief. Sie hier wiederzugeben, können wir uns nicht bestimmen, da sie größtentheils nur das wiederholte, was Cremieux vor einigen Monaten in Bukarest vor einer Versammlung von Abgeordneten gesprochen und das wir damals in diesen Blättern Wiedergaben. Das Hauptthema bildete die Kreuzigung Jesu und der hieraus gezogene Vorwurf für die Juden. Eigentümlicher Weise stellt sich hierbei Cremieux in advokatorischer Art ganz auf den Standpunkt eines gläubigen Christen, um von hier aus das alte Angriffsgeschrei zu widerlegen. Von der neuesten Kritik des ganzen Faktums nimmt er dabei keine weitere Notiz. — Nach den Statuten darf der abtretende Präsident für die nächsten drei Jahre nicht wieder gewählt werden. Man sieht daher mit großem Bedauern Cremieux aus dieser Stellung scheiden. — Wie wir schon früher mitgetheilt, war dies Mal bei der Wahl der Dclcgirten eine große Spaltung unter den französischen Israeliten hervorgetrcten; Proteste gegen die. Wahlen gingen bis an das Ministerium und liegen jetzt der Beurteilung des Staatsrathes vor. Italien. Bercelli, im Dezember. Der F.dnc. isr. theilt die Statistik der israelitischen Bevölkerung Italiens mit, allerdings insofern nicht genau, als die uwist runden Summen nicht auf einer wirklichen sorgfältigen Zählung beruhen können. Hiernach wohnen in Piemont und Ligurien in 20 Gemeinden 7260, in Lombardo- Venetien in fünfzehn Gemeinden 8210, in der Emilia in neunzehn Gem. 6600, in Toscana in fünf Gem. 8110, in der Romagna, Umbrien und Rom in fünf Gem. 6770, in Neapel in einer Gemeinde 350, in JUhrien in zwei Gem. 5200, also total in 67 Gem. 42,530. Sie besitzen 108 Gotteshäuser. Die bedeutendsten Gemeinden sind : Triest mit 5000, Rom mit 4560, Livorno mit 4410, Venedig mit 2500, Florenz mit 2300, Modena und Turin jede mit 2000, Mantua mit 1900, Ancona mit 1550, Ferrara mit 1500, Verona mit 1400. Es fungiren 41 Rabbinen, von denen 11 aus dem Paduaer Rabbiuercollegium hervorgegangen. Die meisten dieser Gemeinden habeil den italienischen Ritus, 18 den deutschen und 5 den spanischen. — Bei den Wahlen in Venedig ist ein Israelit, Herr Pesaro Manrogonato zum Deputirten gewählt worden. > Davon hat die Kölnische Zeit, freilich Nichts gemeldet, ivohl aber mit großem Behagen, daß zlvei jüdische Eandidaten durchgefatlcn.) Afrika. Abyssinien, im Herbst (Jew. Cliron.). Es ist bekannt, daß die alte abyssinische Dynastie den Anspruch erhoben, von dem Könige Salomon und der Königin von Saba abzustammen. Der gegenwärtige König Theodor macht auf denselben Ursprung Anspruch. Es ist merkwürdig zu sehen, wie dieser Anspruch dazu diente, von den Juden Abhssinien's, einer Viertelmillion au Zahl, ein großes Unheil abzmvenden. Missionär Stern beabsichtigte, sie zu bekehren. Er hatte für dieses Projekt sowohl den Abunah oder den Oberpriester als auch den König gewonnen; und so groß war die