Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1864)
- Date
- 1864-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang Jäf 52. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ Kr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 20. December 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l1/* ViS 2 Bogen. Preis de- Jahrgangs 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 1ü Ngr. Vierteljährig 22^2 Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für */2 Bogen 3 Thlr., für */* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bmeau hier unterzogen. Mit Nr. 53 läuft das Abonnement auf diese Zeitung ab. Um in der Zusendung keinen Aufenthalt zu erfahren, werden die resp. Abonnenten ersucht, rechtzeitig das Abonnement zu erneuern. viv VerlagLduvbltLllälallg. Inhalt. Leitende Artikel r Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutsch land: Darmstadt. Preußen: Aus Oberschlesien, Berlin, Breslau, Königsberg, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Bonn, Wien, Wien. Frankreich: Paris. Dänemark: Kopenhagen. Ostindien: Bombay. — Korrespondenz r Jüdische Briefe von Albert Cohn. HI—V. Leitende Artikel. Bonn, 11. December. Zerstreute Bemerkungen. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß in den jüngsten Tagen über keine Dichtung der deutschen classischen Literatur so viel wieder verhandelt worden wie über Lessirrg's Nathan. Es erschienen dicke Bände von Kuno Fischer, Löbell, Rönnefahrt; eine ausführliche Abhandlung gibt Berthold Auerbach in der Gesammtausgabe seiner Werke und soeben treffen wir auf eine solche im Novemberheft der „Nordischen Revue" von vr. Otto Seemann: „Zum Streite über Lessirrg's Nathan." Aus der letztem erfahren wir, daß der Baron v. Barante, Pair von Frankreich und Mitglied der französischen Akademie, eine Schrift über Nathan abgefaßt (M61anges historiques et litt£raires Tome III); sowie David Strauß einen Vortrag über Nathan hat drucken laffen, Wilhelm Wolfsohn eine Vorlesung über diesen Gegenstand veröffentlicht hat und endlich Willibald Betzschlag, Professor der Theologie zu Halle, ein Buch: „Lessing's Nathan der Weise und das positive Christenthum" hat er erscheinen lassen. Sachkundige Leser werden hieraus mit Sicherheit einen Schluß ziehen: nämlich daß jetzt die Auffassung und das Verstandniß des großen, Epoche machenden Dramas um vieles unklarer und verworrener geworden, als sie es vorher waren. Man braucht auch nur das Resultat jedes dieser Kritiker zu lesen, um zu sehen, wie einer dem andern geradezu widerspricht. Dem Herrn v. Barante ist der Nathan aus einem der großen und schuldvollen Jrrthümer, aus einer der Frivolitäten der Philosophie des 18. Jahrhunderts hervorgegangen; als Kunstwerk kann es die Schaubühne nicht vertragen, die Sprache ist geziert, alles ist in ihm Anachronismus, die Charaktere sind verfehlt. Das ganz entgegengesetzte Urtheil fällt Strauß.