Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1864)
- Date
- 1864-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang 51. Allgemeine Zeitung -es Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 13. December 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l1/* bi- 2 Bogen. Preis des Jahrgangs S Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^/2 Ngr. Inserate werden mit 1^/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für l/i Bogen 3 Thlr.. für 1j\ Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Mkit Nr. 53 läuft das Abonnement auf diese Zeitung ab. Um in der Zusendung keinen Aufenthalt zu erfahren, werden die resp. Abonnenten ersucht, rechtzeitig das Abonnement zu erneuern. Die Verlagsbuchhandlung. Inhalt. Leitende ArtKel r Das Bedürfniß. — Der Talmudstreit in Wien. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten r Deutschland: München, Aus Baiern. Preußen: Berlin, Pasewalk, Bielefeld, Elbing, Berlin. Oefterreichischer Kaiserstaat: AusUngarn, Pesth, Aus dem Tokayergebirge. Frankreich: Paris, Paris. Großbritannien: Bradford, London. Türkei: Konstantinopel. Donaufürstenthümer: Macravliovca. Syrien: Aleppo. Leitende Artikel. Bonn, 4. December. Das Bedürfniß. Wir haben in einer der letzten Nummern d. Blattes (47) über die der Religion feindlichen Elemente in Leben und Wissenschaft gesprochen und wie mit denselben um die Existenz der Religion zu kämpfen sei; wir sahen, wie das Judenthum hierbei einerseits mehr, andererseits weniger gefährdet sei, wie wir aber uns davor zu hüten haben, das Judenthum in schroffe Opposition mit Leben und Wissenschaft zu stellen, sondern wie es echt religiös sei und zu sicheren Zielen führe, an der Ausgleichung und Versöhnung zu arbeiten, wozu gerade das Judenthum aus inneren und äußeren Momenten die besten Handhaben besitze. Aber um so näher liegt die Frage: worin die eigentliche Stärke, die sichere Bürgschaft für den Bestand der Religion liege? Denn dies wird uns zugleich Wegweiser sein, der uns die Straße zeigt, welche wir ganz besonders einzuschlagen haben. Diese Frage ist leicht zu beantworten. Es ist daS ewige, unabweisbare, von dem Wesen des Menschen untrennbare Bedürfniß nach Religion. Mitten in den zerstreuenden und zersetzenden Einwirkungen des Lebens und mitten in den Kämpfen der Wissenschaft, wenn diese eine scheinbar oder wirklich feindselige Stellung eingenommen, tritt dieses Bedürfniß um so stärker hervor, drängt sich durch alle Hindernisse der Sophistik, der Gleichgiltigkeit, des Dranges nach dem Materiellen hindurch und schlägt seinen Wohnsitz siegreich in den innersten Kammern des Menschengeistes auf. — Die Religion ist gleichberechtigt mit dem Leben und der Wissenschaft in ihrer allgemeinen Nothwendigkeit für den Menschen. So wenig der Mensch des bürgerlichen Wesens, der industriellen Arbeit, des Eigenthums und des Genusses,