Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1864)
- Date
- 1864-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang. Allgemeine . ' Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse, .Herausgegeben von 1 Rabbiner Nr. Lüdivig Philippfon in Bonn. Leipzig, dm 6. December 1884. -Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in 1^/s bi- 2 Bogen. Preis de- Jahrgangs' 3 Thlr. Halbjährig i Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^/2 Ngr. Inserate, werben mit 1'/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für Dogen 3 Thlr., für ^/4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich daS Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhal t. Leitende Artikel: Rom. VJII. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. Preußen: Berlin, Culmsee, Berlin. Köln, Thorn, Kozmrn. O est er reich i sch er Kaiser staat: Wien, Wien, Wien, Aus Sudungarn, Teplitz. Rußland: Odessa. Belgien: Brüssel. Leihende Ärtikel. . Bonn, 27. November. No m. VIII. Das einzige Land, in welchem gegenwärtig der Raub und die gewaltsame Taufe von Juden, besonders unmündigen Judenkindern durch die Landesgesetze nicht bestraft wird, sondern durch das Staatsoberhaupt selbst sanctionirt worden, ist der Kirchenstaat. Beschäftigen wir uns also mit ihm. Wenn die weltliche Herrschaft des Papstes gegenwärtig in Frage gestellt, ja aufs höchste bedroht ist, so unterscheiden sich die Verhältnisse-sehr wesentlich von denen aller früheren Zeiten. Es ist nicht das erste Mal, daß der Stuhl des Papstes in Rom wankte, und die Geschichte weiß sogar von einer langen Reihe von Fällen zu erzählen, in welchen die Päpste Rom verlassen mußten. Es geschah dies einige Mal durch die Empörung des römischen Volkes gegen das päpstliche Regiment, und zwar vor 16 Jahren zum letzten Male, öfter durch Angriffe äußerer Mächte, wie zum letzten Male durch Napoleon I. In der Gegenwart aber vereinigen sich beide Momente, und zwar aus bestimmten und nachdrucksvollsten Principien. Von der einen Seite will das römische Volk keine geistliche Staatsregierung mehr, sondern verlangt nach den Grundsätzen des modernen Staates regiert zu werden, von der anderen strebt das gesammte italienische Volk nach nationaler und staatlicher Einheit und bedarf hierzu Roms als Hauptstadt. Mit Personen und Machten läßt sich pacisiciren, mit Principien nichts sie drängen und drängen so lange, bis sie befriedigt werden; ihre Verwirklichung läßt sich aufhalten, aber niemals auf immer unterdrücken. Die Gefahr für die weltliche Herrschaft des Papstes ist also größer denn je, ja sie ist schon langst unterlegen, während sie sich stoch mühsam erhalt. Und warum ist dieser Kampf noch unentschieden? Nicht weil in Rom und Italien eine Partei, eine irgend wie kräftige Opposition jenen Principien gegenübersteht und ihnen den Sieg bestreitet, sondern durch den Willen einer äußeren Macht, die den Italienern überlegen ist. Der Schwerpunkt der römischen Frage liegt also jetzt in Frankreich; denn wenn sich auch andere Staaten fänden, welche ihre Bajonette für den Papst verwenden würden, so gestattet dies dasselbe Frastkreich