Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1864)
- Date
- 1864-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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38. Jahrgang. Allgemeine 45 Zcitimg des Zudrnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Wr. Ludwig PhiliPPsvN in Bonn. Leipzig, den 1. November 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1*/s bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15, Ngr. vierteljährig 22^ Ngr. Inserate werden mit l'/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für J/2 Bogen 3 Thlr., für J/4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs»Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel! Die Kampfe im Christenthum. — Nom. HI. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten r Deutschland: Frankfurt a/M., Karlsruhe, Hannover. Preußen: Königsberg. Frankreich: Paris. I t a l i e n: Turin. Belgien: Brüssel. Großbritannien: Aus Nordengland, Manchester. D o n a u fü r st e n t h ü m e r: Bukarest, Bukarest. Leitende Artikel. Bonn, 21. Oktober. Die Kampfe im Lhristenthmn. Bei den unaufhörlichen Berührungen, in welchen Christeuthum und Zudenthum in unserer Zeit stehen, bei der Wechselwirkung, die beide Religionen gegenwärtig aufeinander üben, und dem Zusammenhänge aller geistigen Erscheinungen ist es natürlich, daß auch unser Blick auf die Zustände, die sich im Christenthume entwickeln, gelenkt wird, um deren Ursachen, Verlauf und Wirkungen möglichst zu erkennen. Da gewahren wir denn in der Gegenwart Kämpfe und Wirren vom bedeutendsten Umfange, von großer Mannigfaltigkeit und Tragweite. Es drängt sich uns jedoch hierbei schnell auf, daß der Boden dieser Kämpft ein ganz anderer ist als in früherer Zeit. Daß es sich jetzt nicht mehr, wie bei der Gründung der christlichen Kirchen und Seelen, um eine verschiedenartige Auslegung der Schriftstellen und Dogmen handelt, erkennt man leicht. Aber während im vorigen Jahrhundert es eine philosophische und rationelle Geistesentwickelung war, welche gegen die ganze Dogmatik des Christenthums zu Felde zog und theils einen rationellen Deismus theils einen Atheismus ihr gegenüber stellte, ist es jetzt die historische und wissenschaftliche Kritik, welche die Schriften des Neuen Testamentes in Angriff genommen und von hier aus die ganze christliche Dogmatik zersetzt und bestreitet. Es ist einleuchtend, daß dies ein viel härterer und gefährlicherer Kampf ist. Philosophie und Rationalismus leiden immer an den Mängeln ihrer eigenen Beweisführung; sie sind genöthigt, dem Gegner, den sie verdrängen wollen, ein eigenes positives Bauwerk gegenüber zu stellen; dadurch geben sie selbst Blößen und Schwächen zum Angriff in Menge dar, so daß die Kirche sich nicht auf die Defensive zu beschränken braucht und selbst zur Offensive übergehen kann; sie sind in letzter Instanz genöthigt, sich auf denselben Boden zu stützen wie die Kirche, nämlich auf den Glauben im Fond des menschlichen Geistes, und diesen Boden occupirt auch die Kirche, nur daß sie ihn in ungleich größerem Umfange beansprucht. Jemehr daher Philosophie und Rationalismus der Zeitströmung angehören, desto leichter wird eS.der Kirche, die Products jener zu überdauern und aus dem Wechsel jener Strömung neue Kraft und Nahrung für sich zu ziehen, wenn