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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-18 · Heft 43 (18.10.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 43 (18.10.1864)
Date
1864-10-18
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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die Bescheidenheit einen Augenblick zurücktreten, denn wo das Licht der Wahrheit sich entfaltet, da werden alle Sonnen überstrahlt. So haben wir denn diese Stelle mit dem Bilde des Mannes geschmückt, dessen hochverdientes, segensreiches Wirken für unsere Gemeinde sich schon auf Decennien erstreckt und das ihr, das walte Gott, ungeschwächt noch lange erhallen bleiben möge. Wir haben diesem Orte dadurch für immer eine Weihe verliehen, denn der Geist echten Gemeinsinnes, der Geist unerschütterlicher Beharrlichkeit im Guten, aber auch der Geist des einträchtigen Zusammenwirkens wird durch dieses Bild immerfort sich veranschaulichen und dieser Geist für unsere Gemeinde, so Gott will, und zur Ehre des Judenthums fortbestehen. So, meine Herren, wird dieses Bild denn zugleich ein Ehren-Denkmal sein für uns selbst. Und unsere Nachkommen werden aus diesen Zügen lesen, was echter Biedersinn, was die rechte Liebe für das Wahre und Gute im Bunde mit Ausdauer Segensreiches zu schaffen vermag, sie werden darin lesen, was wahres Judenthum ist. Herr Levy dankte tiefbewegt und gerührt hierauf in ungefähr folgenden Worten. Aus dem Gedächtniß niedcrgeschrieben. Meine Herren! Erwarten sie von mir nicht viele Worte, denn die hohe Ehre, welche Sie mir erweisen, macht einen zu tiefen Eindruck auf mein Gemüth, als daß ich im Stande wäre, Ihnen in einer durchdachten Rede zu danken. — Wohl bin ich mir bewußt, daß ich die große Auszeichnung nicht verdiene, welcher Sie mich zu würdigen die Güte haben. Denn es ist wahrlich keine Kunst, etwas zu Stande zu bringen in einer Gemeinde, welche so opferwillig ist wie die hiesige, und welche so viel Sinn für alles Gute und Schöne hat, wo man dazu noch von wackeren Collegen unterstützt und von einsichtsvollen Repräsentanten umgeben ist, welche mit so großer Bereitwilligkeit alles dasjenige zugestehen, was zu einer gedeihlichen Entwickelung aller Gemeinde-Institute erforderlich ist; in einer Gemeinde endlich, auf welcher so sichtbar Gottes Segen ruht. Wenn ich mir daher nicht verhehlen kann, daß Sie mich weit über mein Verdienst beehren und belohnen, so bin ich Ihnen zu um so größerm Danke verpflichtet, den ich Ihnen hiermit vom Grunde meines Herzens und aus tiefster Seele ausspreche. Für eines jedoch bin ich Ihnen, meine Herren, ganz besonders dankbar, nämlich dafür, daß Sie mir durch dieses Bild Gelegenheit geben, nach meinem Tode noch der Gemeinde nützlich zu werden. Ich glaube und hoffe nämlich, daß noch nach vielen Jahren die kommende Generation beim Anblicke dieses Bildes sich gehoben und ermuntert fühlen werde, ihre Kräfte dem Gemeindewesen zu widmen, indem dasselbe sie daran erinnern wird, in welch edler Weise ihre Väter eS einst verstanden, den guten Willen zu würdigen und anzuerkennen. Möge der Allgütige, der unserer herrlich aufblühenden Gemeinde bisher so gnädig beigestanden, ihr auch ferner seinen besten Segen schenken und Friede, Eintracht und Gemeinsinn immermebr in derselben befestigen. Und somit nochmals meinen innigsten Dank, meine Herren. Seien Sie versichert, daß die Erinnerung an den heutigen Abend niemals aus meinem Gedächtnisse schwinden wird. — Alsdann erhob sich unser Rabbiner Hr. vr. Wolfsohn und sprach ungefähr Folgendes: „Auch ich nehme als Zeuge dieses erhebenden Momentes das Wort, um den Gefühlen Ausdruck zu geben, die mich, den Führer und Lehrer der Gemeinde, bei solchem Acte bewegen. Für den Lehrer in Israel kann es nichts Wohlthuenderes geben als das Bewußtsein, seine Wirksamkeit in eine Gemeinde gesetzt zu sehen, in welcher von dem Vorstande und den Repräsentanten das Wort Anwendung findet: runa 28 Tib2 -nrr Gehen wohl zwei zusammen, wenn sie nicht übereinstimmen?! Diese so schöne Harmonie zwischen dem Vorstande und den Repräsentanten ist der Schmuck, die Zierde unserer Gemeinde, sie ist das beste Zeugniß des thatkräftigen Strebens derselben; solche Harmonie bildet einen funkelnden Stein an dem glänzenden Diadem des Judenthums, das als Devise Einheit und Frieden auf seiner Fahne führt. Das Repräsentanten-Collegium wie die Gemeinde hat nun dem Präses des Vorstandes für seine unverdroffene, unermüdliche Thätigkeit, für seine während fast drei Decennien währende umsichtige Amtsführung ihren Dank aussprechen wollen und, wie wir sehen, in sinniger Weise die Bildersprache dazu gewählt. Die Gemeinde ehret durch solchen Act sich selber. Aber, meine Herren, die am höchsten vollendete Harmonie besteht erst dann, wenn auch der dritte Träger des Gemeindelebens, der Führer und Lehrer, in Übereinstimmung mit den beiden anderen Körperschaften wirkt, im wahren Frieden mit beiden ein Ziel verfolgt; dann bilden alle drei pnr!-nr-r732 8b wbiwn^ 2in ein dreifach verknüpftes Band, das nicht sobald zu zerreißen ist." Hierauf trennte sich die Versammlung, durch diese kräftig gesprochenen Worte sichtbar freudig erregt, mit einem dreifachen Hoch auf den gefeierten Präses des Vorstandes. Druck von I. B. Hirsch selb in Leipzig.

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