Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1864)
- Date
- 1864-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu No 42 d. Allst. M. d^Judenth. Gründung einer israelitischen Präparanden-Änsialt in Dortmund. Jeder, der den Berichten der jüdischen Organe, welche die Interessen der Schule und Synagoge vertreten, mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist, der wird sich der Wahrriehmung nicht entschlagen können, daß die Zahl der Gemeinden, welche ihrem Lehrer bei fester Anstellung und auskömmlichem Gehalte eine möglichst sorgenfreie Zukunft sichern, in erfreulichem Zuuehmen ist. Je freudiger wir nun diese Erscheinung begrüßen, welche uns den Beweis liefert, daß das Vorurtheil gegen feste Anstellung im Verschwinden ist, und dagegen die Ueberzeugung sich immer mehr Bahn bricht, daß nur durch eine gesicherte Stellung der Lehrer ein gedeihliches Wirken an Schule und Synagoge möglich ist, um so berechtigter halten wir die Anforderung der Gemeinde an ihren Lehrer, daß er neben allgemeiner Bildung auch und vorzugsweise in seiner Qualification als Religionslehrer und Cultusbeamter den gehegten Erwartungen entspreche und nicht durch seine Unfähigkeit auf diesem Gebiete Unzufriedenheit und Mißstimmung errege, sein Ansehen und seine Autorität in der Gemeinde untergraben und seine Anstellung, wenn nicht unmöglich, doch sehr erschwert wird. Beispiele sind unangenehm. Die Quelle aller dieser Uebelstände liegt unzweifelhaft in der mangelhaften Vorbildung der Schulamts-Aspiranten. Der israelitische Verein für Rheinland und Westfalen rc. sowie Herr O.-R. Kahn haben sich hierüber laut und entschieden ausgesprochen. Auch Herr L. R. Meyer in Hannover beklagt die große Unwissenheit vieler in das dortige Seminar eintretender Eleven. Dabei ist nicht zu übersehn, daß, während Versäumnisse auf andern Gebieten des Wissens fast überall nachgeholt werden können, dieses in den beregten Fächern nur in den seltensten Fällen möglich ist. An Belegen für diese Behauptung ist leider ebenfalls kein Mangel. Da nun die Entlassung aus der Schule in der Regel mit dem vierzehnten Jahre erfolgt, der Eintritt in ein Seminar erst mit dem sechzehnten oder, wie in Berlin mit dem siebzehnten Jahre erfolgen kann, so fragt es sich: Wo und wie soll der angehende Lehrer die erforderliche Vorbildung erlangen? Bei dem Lehrer seiner Orts- oder benachbarten Gemeinde? Dieser wird in den meisten Fällen nicht die erforderliche Muße haben, oder es werden andere Abhaltungsgründe obwalten. Demnach erscheint die Errichtung einer Präparanden- Anftalt ein unabweisliches Bedürfniß der Zeit, und der Unterzeichnete, welcher bereits früher eine Anzahl strebsamer Jünglinge für das Schulfach vorbereitet, hat sich auf Anregung vieler befreundeter Schulmänner entschlossen, im Verein mit seinem Gesinnungsgenossen, Herrn Levinger, Zögling des breslauer Lehrerseminars, in Dortmund eine Prävarandcn-Anflalt für Israeliten zu errichten und somit ein Project wieder aufzunehmen, welches bereits früher vom Herrn O.-R. Kahn ventilirt, jedoch nicht ausgeführt worden. Dortmund vereinigt viele Vorzüge, wodurch die Wahl dieses Ortes sich vorzugsweise empfiehlt: seine Lage im ungefähren Mittelpunkte