Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1864)
- Date
- 1864-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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42. Allgemeine Zeitang des Zudcnthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 11. Oktober 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a bis 2 Bvgen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Rgr. Inserate werden mit 11/2 W r. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für l/% Bogen 3 Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. ' Leitende Artikel r Rom. — Zerstreute Bemerkungen. — Zeitungsnachrichtenr Deutsch land: Leipzig. Preußen: Vom Rhein, Forst, Gollub, Berlin, Thorn, Von der Oder. Oester reichischer Kaiser st aat: Brody, Wien, Teplitz. Schweiz: Aargau. Belgien: Brüssel. Leitende Artikel. Bonn, 2. October. U o m. Rom hat keinen guten Klang in der Geschichte der Juden. Aber es wird eine Zeit kommen, wo die Weltgeschichte in größerer Unparteilichkeit und weniger verblendet von kriegerischen Thaten und politischen Erfolgen über Rom und Römer in ihrer zweimaligen Weltherrschaft ein strenges Urtheil fällen wird. Wie dem aber auch sei, Rom hat an den Völkern des Alterthums das Werk des Henkers vollbracht. Nachdem die Griechen die Zersetzung und Entnationalisirung der Kleinasiaten, Perser und Aegypter bewerkstelligt hatten, war es Rom, welches den Griechen selbst, den genannten Völkern, aber auch den nordasrikanischen, den spanischen und gallischen den Todesstoß des politischen, des intellectuellen, sittlichen und Volkslebens versetzte. Selbst der Sitz tiefster sittlicher Entartung, verbreitete es dieses Gift unter civilisirten und rohen Nationen in gleicher Weise. Auch Judäa unterlag seinen Waffen, Jerusalem und der Tempel fielen vor seinen Standarten, die Juden wanderten durch die Welt nach seinem Gebote. Man hat gesagt, daß als Entschädigung hierfür einige Jahrhunderte später die jüdischen Ideen vermittelst des Christenthums in Rom siegreich wurden und ihrer Herrschaft das römische Reich unterwarfen. Dies ist aber nur eine schönklingende Phrase ohne historische Wahrheit. Vielmehr vermochte das Christenthum nicht, die sittliche Fäulniß Roms und aller von ihm abhängigen Völker zu überwinden und sank vielmehr unter dessen Einfluß schnell von seiner ursprünglichen Höhe. Wir geben dies nicht blos als unsere Ansicht an; christliche Geistliche selbst sprechen sich also aus. Führen wir nur die treffliche Schrift des gallischen Presbhters Salvianus de gubernalione dei*) an. „Fast die ganze Christenheit, sagt er, wie unähnlich dem, was sie einst gewesen, ist ein Pfuhl von Lastern *) Salvianus VI, I. u. a. St. Er war Presbyter in Marseille 427 und soll 485 gestorben sein. Es existiren von ihm noch eine gedankenreiche Schrift gegen den Geiz und Predigten. Um ganz unparteiisch zu erscheinen, bemerken wir, daß zu gleichem Zwecke die Worte des Salvianus von dem streng katholischen Professor Dr, E. v. Lasaux in seiner Schrift „Der Untergang des Hellenismus. München, 1864" citirt werden.