Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1864)
- Date
- 1864-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4L 28. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Nr. Ludwig Philippsoir in Bonn. Leipzig, den 4. October 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1*/a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Lhlr. 15 Ngr. Bierteljährig 22'/2 Ngr. Inserate werden mit 1'/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Deilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für */a Bogen 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt« Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die hohen Feste. — Die Arbeiterfrage. V. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Preußen: Breslau. Heilsberg. O euer reich: sch er Kai ferst aat: Aus Ungarn, Wien, Wien. Schweiz: Endingen. Donaufürstenthümer: Bukarest. Großbritannien: London. Holland: Haag, Hclvoetsluis. Belgien: Brüssel. Palästina: Jerusalem. Jonien: Korfu. Leitende Artikel. Bonn, 25. September. Die hohen Feste. Der Zauber, der in den beiden erhabenen Festen liegt, welche jetzt wieder an uns vorübergehen, beruht vorzugsweise in den rein menschlichen Momenten, deren Träger und Ausdruck sie sind. Der Gedanke, wie im Wechsel der Zeilen unser Leben so flüchtig, so schnell sich abkreist und seinem Ende näher rollt) der Gedanke an das göttliche Gericht und Geschick, an unsere Abhängigkeit von einer höheren Macht, an die Unzuverlässigkeit alles Irdischen und die Unsicherheit aller unserer Güter; der Gedanke, daß wir allesammt in Jrrthum und Sünde sind, der Schwächen und Fehlern nicht ermangeln und doch aus ihnen heraus sollen und müssen; der Gedanke, daß wir unsere Nebenmenschen zu versöhnen, unseres Gottes und Vaters Verzeihung zu erlangen und unserer Sünden und Fehler Vergebung zu erringen haben, daß wir dies nur durch aufrichtiges Bekenntniß, wahrhaftige Buße und Umkehr, durch gebeugten Sinn und zerknirschtes Gemüth erreichen können — diese Fülle von weckenden, aufrichtenden, läuternden und heiligenden Gedanken liegt in den beiden Festen des Drommeten- (Neujahrs-) und Versöhnungstages, Gedanken, die jeden und den ganzen Menschen in seinen höchsten Aufgaben, seinen theucrsten Interessen, in seinem Wesen und Heile betreffen — hier nun noch getragen von dem Heiligenscheine der Jahrtausende, von der Sitte der Väter und Geschlechter! Welcher Mensch könnte dieser Gedanken ganz entbehren, sie ganz von sich weisen, kehrte nicht immer wieder zu ihnen zurück, würde nicht immer wieder zu ihnen hingeführt, ja auf sie hingestoßen? Wohl uns, daß unsere Religion uns die Pforte zu ihnen geöffnet, den Weg zu ihnen geleitet und ebnet! Hier ist kein geschichtliches Ereigniß, das vielen gleichgiltig, kein nationales Gedächtniß, dem viele entfremdet werden könnten, sondern es ist das reine Menschenthum in der Religion und durch die Religion, an welchem alle Theil haben und an dem keinen Theil zu haben zu großem Schaden gereicht. Soviel auch andere Religionen dem Judenthnme zu entnehmen gesucht, diese Institution desselben ist keiner anderen wieder gelungen, und in ihrer Reinheit und Ganzheit sie sich anzueignen vermochte keine, weil jene eben mit der innersten Lehre des Judenthums