Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1864)
- Date
- 1864-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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88. Jahrgang Allgemeine JW 39. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 20. September 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 ’/a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^/2 Ngr. Inserate werden mit l'/rNgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebnhren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/2 Bogen 3 Thlr., für 1/4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt! Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die Arbeiterfrage vom Freiherrn v. Ketteler, Bischof von Mainz. IN. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Baiern, Hannover. Preußen: Köln, Berlin, Aus Westfalen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Gran, Papa. Frankreich: Niederbronn. Italien: Padua, Rom. Donaufürste nthümer: Jassy. Leitende Artikel. Bonn, 11. September. Wie Arbeiterfrage vom Freiherrn v. Eretteler^ Bischof von Main;. III. Wir sind nicht gewillt, hier in eine ausführlichere Discussion über die sociale Theorie des Herrn Bischofs einzugehen. Dieses Blatt ist nicht ein eigentlicher Kampfplatz für diesen Gegenstand, der schon so viele populäre und wissenschaftliche Bearbeitung gefunden. Wir wollen seine Ansicht nur charakterisiren. Die Arbeit, meint er, ist in unserer Zeit eine Waare geworden, deren Preis sich nach der Nachfrage und dem Angebot regulirt. Sie ist dies durch die freie Concurrenz geworden. Der wahre Maßstab der Arbeit ist die Lebensnothdurft des Arbeiters. Durch die Concurrenz aber wird ihr Preis unter diese Nothdurft herabgedrückt und unsicher gemacht, da der Arbeiter stets durch andere verdrängt werden kann. Dies sind die beiden Grundschäden des Arbeiterstandes: der durch die Concurrenz unter die Nothdurft herabgedrückte Arbeitslohn und die Unsicherheit der Arbeit für den Arbeiter. Die Concurrenz entsteht aus der Gewerbefreiheit, Handelsfreiheit und Freizügigkeit. Herr v. Ketteler läßt sich nun auf die Kritik dieser liberalen Principien ein. Nichts ist leichter als eine Kritik. Denn da es keine menschliche Institution gibt, die neben vielen Lichtseiten nicht auch einige Schattenseiten hätte, so braucht man nur diese letzteren ins Auge zu fassen und sie so recht dunkel auszumalen, um ein Verdammungsurtheil bei der Hand zu haben. Alle diese Freiheiten reißen nach der Meinung des Herrn Bischofs alle Schutzgrenzen der Production nieder, vermehren die Zahl der Producenten ins Unendliche und nehmen diesen so das Brot, indem dadurch zugleich der Preis der Production zur niedrigsten Stufe herabgedrückt wird. Freilich ist unser Verfasser auch billig genug, im Zuuftzwange manches Böse zu finden, und er verlangt eine Vermittelung zwischen beiden Extremen. Aber wo diese zu finden, weiß er nicht anzugeben und schiebt es den „Staatslenkern" auf die Schultern. Es ist nicht schwer, den Herrn Bischof zu widerlegen. Er vergißt, daß die Menschen nicht blos Producenten sondern auch Consumenten sind, daß also, wenn der Producent sein Product theuer bezahlt erhält, er auch alle die Waaren, die er nicht producirt,