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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-23 · Heft 35 (23.8.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 35 (23.8.1864)
Date
1864-08-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JW 35. 88. Jchrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 23. August 1864.- Liefe Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l1/» M« 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/^ Ngr. Inserate werden mit 1'/r Ngr. für die Pelilzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebührcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 7a Logen S Thlr.. für 7^ Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum und die Schriftkntik. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Speier. Preußen: Berlin, Aus Mittelschlesien. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau, Aus Mähren, Pesth. Italien: Rom. - Leitende Artikel. Bonn, 12. August. Was Iudenthum und die Schriftkritik. Unsere alles ver-, durch- und zerarbeitende, zersetzende und secirende Zeit hat, wie es sich voraussetzen läßt, ihre Hand auch an die h. Schrift gelegt und die mannigfaltigsten Operationen der Kritik an ihr geübt. Ganz besonders richtete sie ihre Thaigkeit auf die Thora und es gibt schon keine Modifikation der Ansichten über Ursprung, Abfasser und Abfassungszeit derselben, die nicht bereits vorgetragen worden wäre. Mau zerreißt sie in vielerlei Stücke, findet sehr verschiedenartige Dokumente, aus denen sie zusammengesetzt sei, sucht äußere und innere Widersprüche und Gegensätze in ihr auf, gibt bald dieses für Legende bald jenes für Allegorie, das eine für Glossem, das andere für Interpolation aus und so fort. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Kritiker selbst untereinander in Widerspruch und Gegensatz verfielen, daß jeder Forscher ein anderes Resultat zu Markte bringt, das er zwar für seine Person als unumstößlich erwiesen ansieht, während alle anderen zu ganz anderen Zielen gelangten. Bei dem innigen Verhältniß, welches wir zwischen uns und unseren Lesern voraussetzen und das sich uns durch die lange Reihe der Jahre, welche unsere Verbindung bereits währt, nur befestigt hat, versetzen wir uns solchen Erscheinungen gegenüber gern in die Seele des beobachtenden Freundes und stellen uns die Fragen, wie sie eben in dem aufrichtigen Denker sich erzeugen müssen. Wie? fragen wir uns, welchen Einfluß müssen diese Kritiker und ihre verschiedenartigen Ergebnisse auf das Judenthum haben? Ist es wahr, was die Kritiker selbst behaupten und oft genug mit lautem Geschrei verkünden, daß dadurch dem Judenthume der Boden unter den Füßen weggenommen oder die Axt an seine Wurzel gelegt oder tief in sein Fleisch eingeschnitten werde, oder dergleichen mehr? Beantworten wir uns diese Frage in ruhiger und besonnener Weise. Vorläufig erst die Bemerkung, daß allerdings Vergleichungen viel zu schnellerem Verständniß und leichterer Auffassung beitragen, daß sie aber ebenso oft der wahren Erkenntniß und der richtigen Einsicht Hindernisse schaffen, weshalb schon das alte Sprichtwort sagt: jedes Gteichniß hinkt. Das Judenthum ist weder ein Pflanzennoch ein Thier-Organismus, so daß man ihm die

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