Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- Seite 534 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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534 cietale de Cultura Israelita, deren Präsident genannter Herr Jacob Löbel ist, gemacht und im Principe vom Minister-Präsidenten angenommen. — D . . . r. China. Der Courier de Saigon, das officielle Journal des französischen Kochinchina, enthält in seiner Nummer vom 10. April folgende interessante Correspondenz über die Existenz einer jüdischen Gemeinde im chinesischen Reiche: Herr Redacteur! Ich las im Courier de Saigon, daß ein englischer Schiffslientenant, Jude von Geburt, eine jüdische Gemeinde in China entdeckt habe. Er sagt nicht, an welchem Orte und an welchem Flusse; aber die Existenz dieser Juden war lange Zeit vor ihm bekannt und ich will Ihnen heute einige genauere Angaben liefern. Nach der chinesischen Ueberlieferung sind die Juden (Can-maü-doe^ d. h. „Blaumützen" genannt) zur Zeit der Dynastie Han (206 vor Ehr. bis 221 nach Chr.) nach China gekommen; nach anderen unter der Dynastie Chan. Sie bewohnten damals Peking und A-hiehhia und konnten zu allen Würden gelangen. Später zogen sie sich nach der Stadt Kai-fung, annamitisch Khai-phong, in der Provinz Ho-Nam, zurück und von dieser Stadt, glaube ich, will der englische Lieutenant sprechen. Er schätzt die Zahl ihrer Einwohner auf 1 Million, aber ich halte diese Zahl für übertrieben. Er redet auch von den glänzenden Synagogen, aber läßt eine aus, welche ihm die ganze Geschichte der Juden in China gelehrt haben würde. Die erste, die sie erbauten, ging in einem Brande zur Zeit des Kaisers Hoang-ty unter. Die zweite und der größte Theil der Stadt wurde durch eine Ueberschwemmung des Hoangho zerstört, im siebenten Jahre der Regierung des Kaisers Tien-chun (1458). Die Synagoge, von der ich spreche, ward durch einen Juden, nameos Thao, erbaut. Auf dem Frontispiz befindet sich ein Täfelchen des Kaisers mit einer hebräischen Inschrift in goldenen Buchstaben: „Israel, höre wohl: Jehova, unser Gott, ist Einer; sein Name sei gepriesen, die Herrlichkeit seines Reiches ist ewig." Ein wenig weiter befindet sich der Aron hakodesch, den sie chinesisch T'ien-t'ang nennen, welcher folgende Inschrift in hebräischer Sprache trägt; „Wisset, daß Jehova ist der Gott der Götter, der Herr, der große, starke und ehrfurchtbare Gott." Dieser Schrank enthälk die hebräisch geschriebenen Gesetzesbücher; man nennt sie chinesisch Ta-king. Im Hintergründe befinden sich zwei Tafeln, es sind dies die Gesetzestafeln, auf denen die zehn Gebote eingeschrieben sind. Auf der östlichen Seite sagen vier chinesische Inschriften Folgendes: „Abraham ist der Urheber des Gesetzes; Moses hat die Ueberlieferung fortgepfianzt, welche er von Gott auf dem Berge Sinai empfangen hat, und seine Lehre ist von der des King nicht sehr verschieden." Hierauf wird geredet von der Ueberschwemmung des Hoang-ho im siebenten Jahre des Tien-thun, von dem Untergange der Synagoge und der heiligen Bücher, welche letzteren ersetzt seien durch diejenigen, welche die Juden von Lim-po und A-Hing-Hia schenkten. Die zweite Inschrift wurde in der Synagoge durch den Tong-dok der Provinz Hu'ch'neng im zehnten Jahre des Kaisers Chin-te (1506) angebracht. Der Sinn ist folgender: „Gesetz Israels: Achan (Adam) war der erste Mensch Tien-chu's im Westen; die Juden besitzen das Gesetz und die Ueberlieferungen. Das Gesetz ist in 5 Büchern und in 53 Capiteln enthüllen." Hierauf gibt der Tong-Dok dem jüdischen Gesetze große Lobsprüche und fügt hinzu: „Abraham, der Urheber dieses Gesetzes, ist der Vater der Juden; Moses veröffentlichte das Gesetz, er ist ihr Gesetzgeber. Unter der Dynastie Han wanderten die Juden hier ein, und im ersten Jahre der Herrschaft Hiao-Kung's (1488) boten sie dem Kaiser indische Stoffe an. Der Kaiser nahm sie mit Wohlwollen auf und gab ihnen die Erlaubniß, in der Stadt Kai-fung zu wohnen, die damals Re-leang hieß. Sie waren damals 70 jüdische Familien, die eine gemeinsame Synagoge erbauten und hier ihre heiligen Bücher (Huum-King) niederlegten." Er fügt noch hinzu, daß diese Bücher nicht allein für die Juden geschrieben seien, sondern daß alle Menschen, Fürsten und Unterthanen, Väter und Kinder, Greise und junge Leute, in ihnen eine sichere Anleitung zur Tugend fänden. Die dritte Inschrift wurde im zweiten Jahre der Regierung des Khan-hi (1662) angebracht. Sie erwähnt Adam, Noah, Abraham und Moses als Gesetzgeber. Sie fügt die merkwürdige Angabe hinzu, daß früher der Sabbathtag inChina beobachtet sei, wie ihn jetzt die Juden beobachteten. Dieselbe Inschrift spricht von der Ueberschwemmung des Hoang-ho und von der Zer-