Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226453--22364-3259632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
28« Jahrgang. Allgemeine 34. Zeitung -cs Iudcnthums. Ein . unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 16. August 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in ll/z -iS 2 Dogen. Preis des Jahrgangs 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22 '/r Ngr. Inserate werden mit 1 '/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Dogen 4 Thlr., für ^2 Vogen 3 Thlr., für 7* Dogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt« Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zcitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische Gottesdienst. — Die Bibel und die ägyptischen Denkmäler. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Eßlingen, Gunzenhausen. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Venedig, Wien, Fünfkirchen. Frankreich: Paris. Italien: Rom. Donaufürstenthümer: Bukarest. Tunis. China. Leitende Artikel. Bonn, 8. August. Der jüdische Gottesdienst. Es ist jetzt bereits ein halbes Jahrhundert, daß das Bedürfniß nach einem geregelten und verbesserten Gottesdienste ausgesprochen, ja an dessen Befriedigung Hand angelegt wurde: wieweit sind wir nun in diesem langen Zeiträume damit gekommen? Man kann nicht sagen, daß der Gegenstand etwa nur dann und wann, hier und da, von diesem und jenem zur Sprache gebracht worden, oder daß nur schüchterne Versuche mit zögernder Hand gemacht wurden, oder daß es einer langen Zeit bedurfte, um den ersten Schritt zu thun, so daß es nicht Wunder nehmen dürfte, wenn erst sehr spat weitere geschahen. Vielmehr ward gleich anfangs ein kräftiges Werk mit sicherer Hand aufgerichtet; man riß nicht etwa ein, um der Folgezeit das Aufbauen zu überlassen, man baute gleich anfangs auf. Ebenso ist es bekannt, daß eine Zeit lang die Reform des Gottesdienstes die Tagesfrage innerhalb des Judenthurns war, daß sie in großen und kleinen Gemeinden mit Heftigkeit debattirt wurde, daß sie das Leben der Gemeinden hoch aufregte, Spaltung und bitteren Parteikampf überall hervorrief, allerdings meist Sturm in einem Glase Wasser, aber doch immer Sturm. Man weiß, daß diese Reform an einigen wenigen Orten bis zum Extrem getrieben ward., so daß sie also alle möglichen Phasen durchgemacht. War es doch, daß eine längere Zeit hindurch die Kritikaster den Inden den Vorwurf machten, sie wollten weiter nichts als das Judenthum aufputzen und übertünchen, d. h. es wäre nur darauf abgesehen, einen hübschen, glänzenden Gottesdienst herzustellen, inwendig aber alles beim Alten zu lassen. Nun, es hat sich gezeigt, daß es anders sei. Die Schul-, sociale und industrielle Bildung der Juden ist mächtig vorgeschritten, die historische und wissenschaftliche Durchbildung des Judenthums ist eine ununterbrochene Arbeit — und was ist unterdessen aus der Reform des Gottesdienstes geworden? Dabei läßt es sich doch nicht verkennen, daß die Verbesserung und Umgestaltung des Gottesdienstes auch vor dem gewissenhaftesten und ängstlichsten Geiste ihre Berechtigung erweisen konnte. Unser Cultus ist nicht biblisch. Die geschichtliche Forschung zeigt, wie er langsam aus kleinen Keimen geworden und herangewachsen, wie wenig davon in der mischnischen Zeit schon