Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1864)
- Date
- 1864-08-09
- Page
- Seite 518 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226452--22358-3259625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geschimpfe gegen die Israeliten mit wahrer Furie betreiben, und man muß erst den rumänischen oder besser gesagt walachischen Sprachschatz kennen, um zu wissen, was solch ein walachisches Geschimpfe bedeute. Deutsche Leser haben keinen rechten Begriff hiervon, und man müßte die Essenz sämmtlicher Jahrgänge der Kirchenzeitung, deS Volksfreundes u. a. nt. zusammennehmen, um die Ausfälle gegen die Israeliten in der heutigen Nummer des Buciumul allein zu erhalten, denn da ist jedes Wort — um mit Heine zu sprechen — „ein Nachttopf, und kein leerer." Infolge von Privat-Angelegenheiten eigenthümlicher Natur, aus die ich wohl noch zurückkommen werde, ist Hr. Cogolnitscheano seit jeher ein Judenfeind und hat dies oft genug, sobald sich nur Gelegenheit dazu darbot, an den Tag gelegt. Gegenwärtig ist aber das Moment hinzugekommen, daß sich eben das Ministerium Cogolnitscheano, weil es von den Bojaren, Geistlichen, Demokraten —■ kurz der gesummten Intelligenz refusirt wird, seine Anhänger unter der großen unwissenden Masse des Bauernvolkes suchen muß und demgemäß mit dem Schimpfen auf die Israeliten eigentlich nur auf den religiösen Fanatismus und die rohe Intoleranz dieser untersten und unwissendsten Volks -Classe speculirt. Unter solchen Umständen und unter dem Eindrücke dieser ministeriellen Judenhetze bleibt es immerhin fraglich, ob die Bemühungen der Israeliten, sich die rechtliche Möglichkeit des Grunderwerbes zu eröffnen, von Erfolg gekrönt sein werden. In dieser Beziehung entfalten die achtbarsten Männer der Israeliten, an der Spitze Hr. Halfon, der walachische Rothschild, der mehr aus Mitleid als Gewinnsucht die Reise des Fürsten Cusa nach Konstantinopel möglich gemacht hat, eine anerkennenswerthe Thätigkeit, und zwar direct beim Fürsten selbst, welcher, zu seiner Ehre sei es gesagt, die intoleranten Anschauungen des Ministeriums durchaus nicht theilt. Der Zeitpunkt ist ebenfalls insofern günstig gewählt, als die alte rechtliche Ordnung umgestürzt, die neue noch nicht definitiv ins Leben getreten und der Fürst sich für die Zwischenzeit das Recht zum Erlassen von Dekreten mit Gesetzeskraft durch das Suffrage universel hat bestätigen lassen. Aber die Tage des Ministeriums Cogolnitscheano sind gezählt; der Justiz- und der Cultus-Minister haben ihre Demission eingereicht und bleiben auf persönliche Bitten des Fürsten nur für einige Zeit noch im Amte. Man darf nicht übersehen, daß Cusa bei der Berufung des Herrn Cogolnitscheano die Anhängerschaft der liberalen Partei des Romanul im Auge hatte, die er sich hierdurch zu verschaffen hoffte. Das ist nicht geschehen — ein Ministerium Cogolnitscheano hat nun weiter keine Bedeutung und kann gehen. Das Definitivum wird sich aber Wohl erst bei Rückkunft des Obersten Demeter Cretzulesco aus Paris entscheiden." Rußland. Warschau, 20. Juli. Die öffentlichen Bl. melden: Die Juden müssen jetzt wieder in Warschau Ausnahmesteuern zahlen; auch wird ihnen, dem Vernehmen nach, das ehemalige Prädicat „alttestamentarisch", stsrorakoney, in allen gerichtlichen Verhandlungen und in amtlichen Zuschriften aufs neue beigelegt werden. Holland. Amsterdam, 12. Juli. Bei der Wahl der zweiten Kammer per General-Staaten am 28. v. M. wurde unser Glaubensgenosse Herr A. S. van Nierop, ein hervorragender Advocat unserer Stadt, zweimal, nämlich in Haarlem und in Hoorn, gewählt, was in unserem Lande ein seltenes Ereigniß ist; In beiden Wahlbezirken würde er von den Conservätiven aufs eifrigste bekämpft. Im ersteren erhielt er 866 Stimmen von 1514, im letzteren 855 von 1575. (I. C.) Spanien. Madrid, im Juli. An das neue spanische Preß- Gesetz, ein seltenes Stück mittelalterlicher Legislatur, reiht sich würdig die Strafgesetzgebung. Hiernach wird jeder Versuch einer Proselytenmacherei für eine andere als die katholische Religion, jede Provocation zur Ausübung eines anderen Cultus mit zuchtpoliceilichem Gefängnisse bestraft. Man sieht, daß die Traditionen der Inquisition in Spanien noch keineswegs verwischt sind. (Fr. I.) An zeigen. Zu der für die Samsonsfchule zu Wolfenbüttel in No. 21, 22, 23 d. Ztg. auf Michaelis d. Ä. ausgeschriebenen Stelle eines Lehrers (Gehalt 2—300 Thlr. bei ganz freier Station) werden noch Meldungen angenommen.