Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1864)
- Date
- 1864-08-02
- Page
- Seite 499 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Tue «, welcher JMudschrifte« herausgibt, wovon ein Theil deS Ertrages nach deS Verf. Bestimmung unserer Kasse zufließen soll. Es folgte nun der zweite Gegenstand der Tagesordnung: Anschluß unseres Vereins an den von Lehrer Klingensteill gegründeten Unterstützungs-Verein. Herr Klingenstein sprach begeisterte und begeisternde Worte, die auS der Tiefe seiner Seele kamen. Er wolle einen Unterstützungs-Verein für israel. Lehrer, deren Witwe«, und Waisen gründen, nicht von sondern für ganz Deutschland. Cm Thalür jährlicher Beitrag oder für 2 Thlr. von dem Verein herausgegebene literarische Werke verkaufen, sichert die Mitgliedschaft. Wenn unser Verein, meinte Herr Kl., beitrete, so würden alle Lehrer Deutschlands folgen; denn derselbe habe einen guten Klang, er sei der Bahnbrecher. Die Berathung hierüber ergab, daß unser Verein als solcher sich jenem nicht anfchließew könne, daß es dagegen von uns allen heilige Pflicht sei, demselben beizutreten, was denn auch durch Unterzeichnung von fast allen Erschienenen sofort zur That wurde. — Der dritte Gegenstand der Tagesordnung (die richtige Methode des schrifilichen Auflatzes in jüd. Schulen) wurde, da die Zeit bereits vorgerückt war, auf den Nachmittag verschoben. Herr Treu, als Referent des erwähnten Gegenstandes, trug, nachdem die Sitzung uni 2‘/j Uhr wieder begonnen, seine sehr durchdachte und umfassende Arbeit über dies Thema der Versammlung vor. Indessen war es unmöglich, diese Angelegenheit auf einmal zu bewältigen, und da der Correferent, Hr. Hermanns aus Köln, nicht erschienen war, so beschloß man, sie nochmals für die nächste Conferenz auf die Tagesordnung zu sitzen, für die Arbeit des Treu, welche im Drucke erscheinen und jedem Mitgliede eingehändigt werden soll, einen Berichterstatter zu ernennen, um so vollständige Klarheit in diesem Fache zu gewinnen. Und damit für künftighin jedes Mitglied der Conferenz mit dem vorzunehmenden Gegenstände sich gehörig vertraut mache, so wurde am zweiten Tage der Conferenz der Wunsch, man möge jedes Referat drei Monate vor der betreffenden Conferenz durch die „Zeitung des JudenthumS" oder den „Israel. Lehrer" veröffentlichen , zum Beschluß erhoben. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft. T (Schluß folgt.) Frankreich. Paris, im Juli. (Privatmitth.) Es gibt Dinge, die durch die Gewohnheit nicht blos erträglich werden, sondern auch ihr Ausfallendes verlieren. Es wird fast zum Zufall, daß man auf sie aufmerksam wird und Gelegenheit nimmt, seine Meinung darüber zu sagen. — In Frankreich tröstet mau sich, wenn man auf die Errungnisse so vieler Revolutionen und Krisen blickt, gewöhnlich damit, daß, wenn auch nicht die Freiheit, nicht einmal die gewöhnliche persönliche Freiheit, gewonnen worden ist — denn die Bastille ist nur durch Cayenne und die Lettres de Cachet durch das Sicherheitsgesetz ersetzt worden — man doch die Gleichheit gerettet habe. Man kann dies auch wohl zugestehen, da, abgesehen davon, daß einem jedem die Verwendung seiner Kräfte und Talente völlig freisteht und er durch sie alle möglichen Carrieren und Stufen erlangen kann, in keinem Lande der Verkehr zwischen den einzelnen Classen der Gesellschaft ein so leichter und civiler ist wie in Frankreich. Da ist es aber nun schade, daß sich die Ungleichheit mit ihren Ueberresten gerade dahin geflüchtet hat, wo sie ursprünglich gar nicht bestanden und wo sie principiell aus ältester Zeit nicht bestehen sollte. Wir meinen die Synagoge. Ich nehme den hübschen Kalender für das Jahr 5625 des Herrn L. Blum zur Hand und finde darin erstens einen Tarif für die Trauungen in der Synagoge in Paris, der nicht allein 6 verschiedene Classen von 750 Frcs. (200 Thlr.) bis 15 Frcs., sondern auch noch „borg classe“ für 1500 FrcS. (400 Thlr.) aufstellt. Wir würden hiergegen durchaus nichts einzuwenden haben, wenn dies nur eine Normirung von Abgaben wäre, welche bei dieser Gelegenheit der Reichthum nach seinen verschiedenen Graden zum besten des Cultus und der Wohlthätigkeit zu leisten hätte. Es ist aber nicht so, sondern es richtet sich nach diesen Zahlungen der Pomp, mit welchem die Trauung umgeben wird, wieweit der Tempel im Glanze der Gasbeleuchtung dabei erscheint, wieweit Orchester, ganzer, halber oder gar kein Chor dabei fungirt u. s. w. Es ist eiusichtlich, daß dadurch die Brautpaare zn übermäßigen Ausgaben veranlaßt werden, um den Schein einer höheren Classe zu gewinnen, so daß die Synagoge eine Quelle der Eitelkeit und des unverhältnißmäßigen Luxus wird. Man kann sich aber auch vorstellen, wie vielen es in das Herz schneidet, wenn 32