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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-02 · Heft 32 (2.8.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 32 (2.8.1864)
Date
1864-08-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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88. Jahrgang. Allgemeine 32. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phtlippfon in Bonn. Leipzig, den 2. August 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l1/* bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/2 Ngr. Inserate werden mit l'/2Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Bogen 3 Thlr., für 7* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Wonach die Menschheit strebt? Was sie verlangt? — Rechnungs-Abschluß des Instituts zur Förderung der israel. Literatur. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deut sch land: Frankfurt, Frankfurt a/M. Preußen: Neuß, Rawicz, Vlotho. Frankreich: Paris. Schweiz: Endingen. Großbritannien: London/ Türkei: Tultscha. Donaufürstenthümer: Bukarest. Rußland: Aus Lirthauen. Leitende Artikel. Bonn, 24. Juli. Wonach die Menschheit strebt? Was sie verlangt? In unserer Zeit stößt die Religion keinen „Schmerzensschrei" mehr aus. Seitdem Politik und Religion völlig geschieden sind, die Religion keine Politik mehr treiben und die Politik der Religion keine Vorschriften mehr stellen darf, seitdem ferner das Individuum in jeder Religion seiner Ueberzeugung leben kann und in diesem seinem Rechte geschützt ist, lebt die Religion ein freies, selbständiges Leben, das von äußeren Mitteln unabhängig ist. Wer weiß es nicht, daß die politischen, nationalen und socialen Fragen, daß die künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen, nachdem sie sämmtlich aus den abgeschlossenen Kreisen von Fachmännern herausgetreten, einen breiten Raum in der Menschheit eingenommen und gewissermaßen in den Vordergrund getreten sind; den großen Mittelraum nehmen die materiellen und industriellen Arbeiten, die eine so unermeßliche Entwickelung gewonnen haben, ein. Aber ist darum die Religion mit allen ihren Fragen und Wirkungen, mit ihren Interessen und Einflüssen aus der Menschheit geschwunden? Nimmermehr. Die Religion ist zu sehr der Unterbau des ganzen menschlichen Wesens, sie bildet die innerste Kammer des menschlichen Geistes, sie ist das Nervengeflecht des Verstandes und des Herzens, so daß sie, auch unbewußt, auch krank und abgeschwächt, den Menschen beherrscht und in ihm lebt. Sie ankert in allen Verhältnissen des Menschen, in der Familie und in der Gesellschaft, in allen Fragen, die der Mensch an sich selbst richtet, in jedem Blicke, den er aufwärts und um sich wirft. Nur daß sie nicht mehr den Markt des Lebens beherrscht, daß sie nicht mehr kampfgerüstet auf die äußere Bahne des Lebens tritt und die Menschenwelt in den Krieg und auf die Schlachtfelder führt. Vielleicht arbeitet sie desto thätiger im Innern, vielleicht ist sie um so geschäftiger und geeigneter, ihre Fragen zu lösen und ihrem Ziele sich zu nähern. Da fragen wir um so nachdrücklicher: wonach strebt denn die Menschheit in der Religion? Was ist ihr Verlangen, ihre Sehnsucht? Nein! Ebensowenig gehört den Materialisten und Atheisten wie den Fanatikern und Zeloten die Zukunft

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