Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-26 · Heft 31 (26.7.1864) · p. Seite 485

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 31 (26.7.1864)
Date
1864-07-26
Page
Seite 485 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226450--22321-3259586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

485 Wiener Medicinische Wochenschrift folgendes Schreiben: Herr Redacteur! Beiliegendes Schreiben erhielt ich von Herrn vr. Pellischek, dem durchgefallenen Candidaten für die Gastprüfersstelle; es ist nothwendig, daß solche Schriftstücke nicht der Vergessenheit anheimfallen, denn wer steht uns gut dafür, daß Herr l)r. Pellischek sich nicht auch nächstens als Candidat für das Decanat meldet. Dr.-Das Schreiben lautet: „Geehrter Herr Collega! Ich ersuche Sie freundschaftlich, bei der heute 7 Uhr stattfindenden Wahl des Gastprüfers erscheinen und mir Ihre Stimme gütigst zuwenden zu wollen, sonst wird ein Jude gewählt. Zu Gegendiensten stets bereit achtungsvoll ergebenster Pellischek." — Die Bemerkung eines Ihrer österreichischen Correspondenten, daß die einstweilige Beseitigung der Gründung eines jüdisch-theologischen Seminars bei weitem weniger durch den Protest der Orthodoxen als durch das Gezänk der fortschrittlichen Männer bewirkt worden sei, können wir nachdrücklich bestätigen. Ueberhaupt wirkt das Bild der Zwietracht und Gehässigkeit, welches die der modernen Richtung sich zuneigenden Rabbiner und Literaten im österreichischen Kaiserstaate darbieten, höchst nachtheilig. Was man auch über das Berfahren der orthodoxen Partei, über die Wege, die sie einschlägt, urtheile, ihre Führer treten doch wie ein Mann auf, und wo in ihrem Schoße eine Spaltung vorhanden, wie dies sicher zwischen den Alt- und Neuorthodoxen der Fall ist, so tritt diese doch nicht nach außen hervor. Auf der anderen Seite sieht mau aber nicht zwei oder drei Männer, die sich miteinander vertragen, die Hand in Hand gehen; ein jeder stellt sich auf sein eigenes Piedestal und nimmt alle Verehrung für sich allein in Anspruch. Die Leistungen des einen werden vom andern herabgesetzt, und wo er dies nicht vermag, gibt er zu verstehen, daß er es unter gleichen Umständen viel besser gemacht hätte. Solch ein Zustand thut der guten Sache großen Schaden. Denn einerseits würden die vereinten Kräfte Großes und Bedeutendes schaffen; andererseits macht dieses Gezänk, dieser kleinliche Geist auf das Publicum einen niederschlagenden und selbst widerwärtigen Eindruck. Man klagt so oft über den Jndifferentismus der Masse, aber daß man diesen durch sein eigenes Benehmen nur vermehrt, sieht man nicht ein. — —. Der „Presse" schreibt man von Lemberg: „Die Gesellen des hiesigen Schneidermeisters P. pflegten sich in ihren Mußestunden damit zu belustigen, daß sie hausirende Juden in ihre Werkstätte lockten und ihnen alsdann daselbst allerhand Schmach und Schimpf anthaten. Das Schamgefühl hielt die Betroffenen lange ab, bei der Policei die Anzeige zu machen. Endlich aber, nach Ablauf eines vollen Jahres, kam die Sache doch zur Kenntniß der Behörde und es haben sich bereits gegen 40 Personen gefunden, welche gegen jene mehr als muthwilligen Burschen klagend auftreten. Die Sache ist bei dem Strafgerichte anhängig. Hotzenplotz (Mähren), 10. Juli. (Privatmitth.) Hiesige Stadt hat von ihrem jüdischen Bürger Herrn Benedict Kar plus zwei Häuser zu einer Bürgerversorgungs- und Krankenanstalt zum Geschenk erhalten, wobei jener nur die Bedingung stellte, daß in das Krankenhaus die Kranken ohne Unterschied der Religion ausgenommen und nach Möglichkeit in demselben auf ihre religiösen Satzungen Rücksicht genommen werden und daß Herr Benedict Karplus berechtigt sein soll, während der Dauer seines Lebens über die gerechte und billige Ausführung der gleichen Berücksichtigung und gleichen Behandlung aller Glaubensbekenntnisse zu wachen. Für seinen Todesfall aber soll er sich einen Nachfolger und dieser wieder einen weitern mit dem gleichen Erneuerungsrechte bestimmen. Hätte aber Hr. Benedict Karplus oder einer seiner Nachfolger für seinen Todesfall die eben bezeichnte Fürsorge zu treffen unterlassen, so soll jene Berechtigung auf den zeitweiligen Vorsteher der jüdischen Cultusgemeinde zu Hotzenplotz übergehen. Hierbei habe ich jedoch die Bemerkung unterlassen, daß bei der Einweihung dieser Localitäten durch die katholische Geistlichkeit und der Uebergabe an die katholischen „grauen Schwestern" als Krankenpflegerinnen alles mehr verspürt ward als Toleranz, und lediglich von christlicher Liebe, nicht im entferntesten von jüdischer Hochherzigkeit die Rede war. Donaufürstenthümer. Bukarest, 30. Juni. (Privatmitth.) Es ist in d. Bl. bereits gemeldet worden, daß man mit dem Gedanken umgeht, zum Zwecke eines concentrirten Gottesdienstes einen großartigen Tempel zu bauen. Es fand deshalb eine Versammlung der hervorragendsten Vertreter der hiesigen Gemeinde statt und wurde darüber Beschluß gefaßt. Der Grundstock zum Capitale ist bereits vorhanden, und daß die zum Baue erforderlichen 31**

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.