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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-26 · Heft 31 (26.7.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 31 (26.7.1864)
Date
1864-07-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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,M 31. 28. Jahrgang. A l l g t M e i » k Zeitung -es Zudenthums. Ei« unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Mir, Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 26. Juli 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienst agS, in l1/» bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Viertcliährig 22^ Ngr. Inserate werden mit 1'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/2 Bogen 3 Thlr.. für */* Bogen 2 Thlr. Alle Behandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hcmpt- Expcdition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt-Zeitungs-Brrreau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die Phantasie in der Religion. (Fortsetzung.) — Zur Judenfrage. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Diez, Hannover, Harburg. Preußen: Berlin, Hechrngen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Hotzenplotz. Donaufürstenthümer: Bukarest. Rußland: Aus Polen. Leitende Artikel. Bonn. 16. Juli. Die Phantasie in der Religion. (Fortsetzung.) Der Gebetcyclus trat an die Stelle des Opfercultus. Wer die Grundstücke unseres Gebetbuches prüft, findet in denselben nur den einfachen Ausdruck dessen, was zu ihrer EntftehungSzeit religiöse Anschauung und nationaler Wunsch war. Was Phantastisches darin vorhanden, war nicht neue Arbeit des Geistes, sondern Wiedergabe aus dem Material des Denkens und Fühlens der Nation. Selten Aufschwung der Sprache, oftmalige Wiederholung desselben Gedankens. Es war alles Bekenntnis das gemeinsam in allen lebte. Gerade darum erhielt es den Charakter des Normativen, wurde allgemein angenommen und so zum Pflichtgebot. Später wurden ausgewählte Psalmen hinzugefügt, wodurch dem Bedürfnisse nach höherem geistigen Aufschwung, nach tieferer Erregung genügt wurde, doch sind auch hierbei nur solche Psalmen ausgewählt worden, welche weniger die Bewegungen des Individuums zum Ausdruck bringen als allgemeine und nationale Gedanken und Gefühle. Die Psalmen, welche so recht die Lagen, Kämpfe und Wünsche der Person ausdrücken, blieben zurück. Erst in der Mitte des Mittelalters bemächtigte sich ein buntes Leben der Phantasie auch des jüdischen Gebetes. Es sind die Piutim, die nach verschiedenen Richtungen hin eine Fülle poetischer Erzeugnisse in den jüdischen Gebetcyclus hineindrängten. Hier aber war es die Ungunst der Zeit, welche ein schädliches Spiel trieb. Armuth an Gedanken und Armuth an Geschmack sind die Mängel aller mittelalterlichen Poesien und daran leiden auch die Piutim ganz und gar, wenn wir die synagogalen Gedichte einiger spanischen Sänger ausnehmen. Der Kreis der Gedanken ist bei den Peitanim sehr beschränkt und weder sprachlich noch in der Knnstform kennen sie die Anforderungen eines correcten Geschmackes. Dafür entschädigte sich die Phantasie durch das regellose Umherstreifen im Grotesken, im Reiche des Wunderlichen und Wundersamen, in Häufung und mannigfaltigster Wiederholung. Man holte auch das Symbolische wieder hervor, so daß man sich z. B. für die Persönlichkeiten der h. Geschichte einer bunten Menge symbolischer Namen bediente; man suchte nach mystischer Verhüllung und verbarg darunter nüch-

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