Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1864)
- Date
- 1864-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J\f 30. 88. Ichrgmg. fl n n t III C i il C Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 19. Juli 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l1/* bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22Ngr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. , Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/i Bogen 3 Thlr.. für 1/t Dogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs»Burean hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel : Siege auf blutigen Wegen. — Noch ein Bednrfniß. — Noch einmal Meyerbeer. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr D eutschland: Landau, Hamburg, Bückeburg, Hannover. Preußen: Neuß, Berlin. Berlin, Berlin. Frankreich: Paris. Dänemark: Randers. Amerika: B altimore. Korfu: Zante. Leitende Artikel. Bonn, 10. Juli. Siege auf blutigen Wegen. Der Grundsatz der bürgerlichen Gleichstellung der Juden hat selbst vor dem Principe, in das dieselbe aufgeht, dem Principe der Gewissensfreiheit, den großen Vorzug voraus, daß alle seine Siege unblutig errungen werden. Er hat noch keinen Krieg entzündet und wird dies niemals thun; er kommt durch keine Waffengewalt zur Geltung und keine Waffengewalt verbürgt seine Ausführung. Darum kann sich die Menschheit dieser Siege um so eher freuen, weil sie nur Triumphe des Geistes über Voruriheil, Haß, Ausschließungs- und Verfolgungssucht, Dummheit und Fanatismus sind. Dennoch wird mancher Erfolg auf diesem Gebiete, wenn auch nur mittelbar, durch vergoffenes Blut erreicht. Bom Standpunkte des Judenthums aus verabscheuen wir den Krieg, halten ihn für ein Ueberbleibset des Heidenthums, der Barbarei, der rohen Vergewaltigung. Da er aber einmal noch vorhanden ist, da die Völker noch immer nicht ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Sperre zu Winzermeffern umgeschmiedet haben, da sie noch immer den Krieg nicht allein erlernen, sondern sogar zn einer umfassenden Wissenschaft gemacht: so müssen wir es gern begrüßen, wenn auch die Söhne unseres Stammes unter all den Völkern, denen sie jetzt angehören, für je das Vaterland, dessen Söhne sie sind, aus allen ihren Schlachtfeldern mitkämpfen, mitbluten und sich durch Patriotismus und Tapferkeit auszeichnen. Es ist sicher, daß vor solchen Thatsachen auch unsere hartnäckigsten Gegner nach und nach zurückweichen und verstummen müssen, daß vor solchen, mit Blut geschriebenen Argumenten auch der dialektischeste Sophismus schweigen muß. Die königliche Hand, welche die Brust eines tapferen Juden mit einem Ehrenzeichen geschmückt, kann auf die Dauer nicht mehr die Unterschrift für ein Anstellungs- Patent eines Juden verweigern. So sind die Siege der vaterländischen Heere, da sie auch mit jüdischem Blute erfochten werden, sicherlich auch Siege für die völlige Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen. Wir verweisen unsere Leser auf unsere Eorrespondenz aus Hamburg in 'dieser Nummer über die Beerdigung eines tapferen Sergeanten unseres Glaubens, der auf Alsen den Heldentod gesunden. Heute erhalten wir auch