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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-12 · Heft 29 (12.7.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 29 (12.7.1864)
Date
1864-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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28. Jahrgang. Zeitung des Zu-cuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 12. Juli 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in llfa bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/^ Ngr. Inserate werden mit 1^/rNgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Tblr., für */2 Bogen 3 Thlr., für lj\ Dogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt» Expedition für beide Letztere hat sich das Köuigl. Sachs. Hanpt-Zeitungs-Burean hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Phantasie in der Religion. H. — Die jüdischen Grabsteine in der Krim. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Hamburg, Hamburg, Aus Kurheffen. Preußen: Berlin. Oesterreich isch er Kaiserftaat: Wien, Hermannstadt, Mährisch- Weißkirchen, Miskolz, Aus Ungarn, Aus Oberungarn. Frankreich: Paris. Italien: Aus Oberitalien. Schweiz: Endingen. Rußland: Petersburg. Marokko: Paris. Leitende Artikel. Bon», 3. Juli. Die Phantasie in der Religion. ii. Der Monotheismus ist überhaupt die Religion des Verstandes, noch dazu, wo jener so scharf, so unerbittlich streng im Begriffe aufgefaßt wird, daß jede Modification als ein Abfall, jede sinnliche Auffassung und bildliche Darstellung als ein Verbrechen betrachtet wird. Er wird aber Religion des Herzens, sobald das Verhaltniß dieses Gottes zur Welt und zum Menschen aufgeht und die unendliche Liebe dieses Schöpfers aller Wesen und des Vaters aller Menschen zu Bewußtsein und Gefühl kommt und hieraus wieder die Liebe und das Recht zu den Mitmenschen und zu allen Wesen als das Gesetz des Lebens für den Menschen erfließt. Alles dieses tritt uns in der heiligen Schrift bestimmt und charakteristisch entgegen. Der Begriff von Gott wird scharf desinirt, jede Antastung dieses Begriffes vermieden und verpönt, seine Anbetung auf den Geist beschränkt und in jedem Bilde verworfen, seine Güte und Gnade gegen alle Wesen unaufhörlich gefeiert, seine Vaterhuld gegen die Menschen gepriesen, die Liebe zu Gott und zu den Menschen als höchstes Gebot aufgestellt, das Recht als die Quelle des Lebens bezeichnet, die Menschlichkeit gegen alle Wesen als Mitgeschöpfe desselben Schöpfers in vielen Vorschriften ausgeprägt — so daß die Religion Israels sich als eine wahrhafte Religion des Verstandes und des Herzens unzweideutig manifestirt. Dahingegen ist der Monotheismus in seinem Wesen und seiner Integrität durchaus ungeeignet, eine Religion der Phantasie zu sein, und sobald er sich dazu hinneigt, geht er ans seinen Grenzen heraus und verliert seinen Charakter. Von der einen Seite hört der Monotheismus auf, wahrhafter Monotheismus zu sein, sobald der Begriff des einzigen Gottes, wie der Verstand ihn faßt, modificirt wird durch Vorstellungen und Gebilde, die außerhalb des Verstandes liegen. Von der anderen Seite wird er zur Ausschreitung gebracht, sobald die Attribute und Eigenschaften Gottes phantastischer Ausbildung überlassen werden. Die heilige Schrift zeigt uns Gott als Vorsehung und Richter durch Lehre und Geschichte, aber erst bei Späteren wird diese Vorsehung zum phantastischen Fatalismus und das Richten Gottes zu einem Weltgericht in der Erscheinung am Ende der Tage; in der heiligen Schrift wird die Unsterblichkeit der Seele mannigfach an-

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