Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-28 · Heft 27 (28.6.1864) · p. Seite 416

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 27 (28.6.1864)
Date
1864-06-28
Page
Seite 416 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226446--22246-3259507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

416 Aus letzterer aber sei mit dem Beginne des Iah. 1826 die „Berliner Gemeindeschule für Knaben" geworden. An dieser habe von ihrer Eröffnung an bis Ende 1829 Leopold Zunz und von da ab bis Ende 1851 (der jüngst verstorbene) Baruch Auerbach als Dirigent fungirt. Am 18. Januar 1852 endlich habe der gegenwärtige Dirigent (Rector A. Horwitz) die Leitung der Anstalt übernommen. Mit dem jedesmaligen Personenwechsel aber sei auch zugleich ein Systemwechsel eingetreten, — was um so unausbleiblicher, um so unerläßlicher war, als ja die „Wechselbeziehungen zwischen Schule und Leben" nie aufgehört hatten, nie aufhören durften. — „Es ist ein sehr einfacher Satz, — bemerkt Redner ganz richtig, — daß die Schule nicht außerhalb der allgemeinen Zeitverhältnisse steht; sie ist zunächst Resultat und dann erst Factor des sie umgebenden Lebens." — Bei dem Uebergange der Schule in die Hände ihres gegenwärtigen Dirigenten habe dieselbe aus nur 4 Classen mit zusammen 116 Schülern bestanden. — Von der Darlegung des Systems, auf das es damals von Verwaltung und Leitung abgesehen war, glaubt Redner — aus Gründen — abstehen zu dürfen und will „als Lebenspunkt der Schule" eines nur hervorgehoben wissen, welches mit seinen eigenen Worten wiederzugeben wir uns durchaus nicht entschlagen können. Er sagt: „Die Schule hat sich niemals isolirt gedacht noch denken können. Wie sie sich einerseits als allgemeine Lehranstalt vom Gesichtspunkte des Staats, so sah sie sich andererseits als jüdische Lehranstalt vom Gesichtspunkte der Glaubensgemeinde an, und in diesem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und Wechselwirkung mit den größten Umgebungen des Lebens lag ihre ganze organische Kraft und Stärke." — In kurzen aber kräftigen Zügen zeichnet Redner hierauf die Momente, welche bei der raschen Entwickelung der Anstalt unter seiner Leitung — namentlich aber bei der so außerordentlichen Zunahme der Frequenz — besonders mitwirkend gewesen, und stellt — gewiß nicht mit Unrecht — an die Spitze jener Momente das „belehrende, erweckende Wort, das seit einer Reihe von Jahren der Synagoge war genommen worden." — Endlich gedenkt Redner noch des Mitinsassen im neuen Schulhause, nämlich des Seminars, das am 6. November 1859 (unter der Oberaufsicht des seligen l)r. Sachs) mit 13 Hörern eröffnet worden und seitdem in 2 Prüfungen — Michaeli 1862 und Michaeli 1863 — zwölf junge Leute mit dem Zeugniß der Reife fürs praktische Lehramt entlassen habe. — Was Redner schließlich noch von der Gemeinde Berlins hervorhebt, können wir unsererseits auch nicht unangeführt lassen. Er sagt nämlich: „Die jüdische Gemeinde zu Berlin ist ihrer ganzen Natur nach kein blos localer Synagogen-Verband, sie ist und soll sein der intellectuelle, belebende und anregende Mittelpunkt aller Schwestergemeinden des Vaterlandes zunächst, bisweilen aber auch darüber hinaus." Aus den die H. Abtheilung der Horwitz'schen Schrift ausfüllenden „Schulnachrichten" genüge es, hier wiederzugeben, daß die in Rede stehende Anstalt aus 12 Classen — nämlich 8 Stufen und 4 Cöten — besteht, daß an ihr 15 Lehrer thätig, und daß sie am Ende des abgelaufenen Schuljahres (Ende Marz d. I.) von 605 Schülern ist frequentirt gewesen, und daß gemäß ihrer Pensa in Latein, Französisch, Geometrie rc. ihre Zöglinge zumeist bis zur Ober-Tertia der Gymnasien und Realschulen vorbereitet. L. Weyl. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Vom Neckar, 9. Juni. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute über eine abermalige Versammlung würtembergischer Israeliten zu berichten, gestehe aber, daß, da ich nicht selbst gegenwärtig war, nur einen Bericht der „Neckar-Zeitung" No. 134 zum Grunde lege. Hiernach „tagte am 9. Juni zu Hohenbuch, Station Waldenburg, eine sehr zahlreich aus den meisten Gemeinden des Neckar- und Jaxtkreises erschienene Versammlung", die eine Reihe von Beschlüssen theils einhellig theils mit überwiegender Majorität gefaßt hat, um sie der Staatsregierung und der Ständckammer als Petition zu überreichen. Schade ist es, daß der Bericht nicht bemerkt, ob die Versammlung aus wirklichen Deputirte» der Gemeinden oder nur auS freiwillig Erschienenen bestand. Die Beschlüsse enthalten einiges Nützliche und Wahre, dann aber wieder so viel Schiefes, ja Gefährliches, daß wir sie nicht ohne Bemerkungen mittheilen können. Noch mehr ist dies der Fall mit einer Reihe von „Wünschen, die während der Verhandlung von einzelnen Rednern ausgesprochen, aus Rücksicht auf die Zeit aber nicht mehr berathen wer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.