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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-06-28 · Heft 27 (28.6.1864) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 27 (28.6.1864)
Date
1864-06-28
Page
Seite 413 (sequence 3)
Language
German
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413 Der große Gedankeninhalt der Golteslehre nach Lehre und Gesetz hin, die geistige und prinzipielle Auffassung im ganzen und im einzelnen und die Geschichte deS Judenthums und der Juden sind in den Vordergrund getreten, und es wurden für diese Momente ebenso ein großer Schatz von Materialien herangeschafft, wie auch die wissenschaftliche Bearbeitung mit großem Erfolge begonnen. Fügt man hierzu die Exegese der Bücher der i). Schrift, angemessene Vorführung aus der talmudischen, rabbinischen und der gesammten jüdischen Literatur, und man wird zugeben, daß es an dem interessantesten Stoffe auch für das größere Publicum behufs solcher Lehrvorträge niemals fehlen kann. Jndeß vermeinen wir hier nicht sowohl jene jetzt so beliebten einzelnen Borträge über irgend einen herausgegriffenen Gegenstand, als vielmehr fortlaufende systematisch geordnete, die ein größeres Thema umfassen. Wir halten uns überzeugt, daß sich im jüdischen Publicum immer noch Geist und Liebe für religiöse Gegenstände genug vorfindet, um dauernd einen Th eil desselben zu fesseln, wenn diese Vorträge inhaltsreich und mit Geschick angelegt sind. Wir halten es daher nicht blos für eine Pflicht der Rabbinen und Lehrer, in Zukunft solche Vorträge zu halten, sondern glauben, daß die Gemeindevorstände die Verpflichtung zu solchen Vorträgen in die Gemeindestatuten oder in die Contracte mit den Rabbinen und Lehrern aufnehmen sollten. Wenn es in kleineren Gemeinden eine zu hochgestellte Forderung an die Lehrer wäre, solche Vorträge zu Hallen, so können diese sich auf das Vorlesen und Erklären aus gedruckten Schriften sehr wohl beschränken, und der letzteren gibt es, namentlich durch die Werke des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur, in reicher Fülle. Das Duell. Die öffentlichen Blätter berichten vieles über 3 preußische Officiere katholischen Glaubens, welche, weil das Duell von ihrer Kirche verdammt wird, erklärt hatten, ein solches niemals einzugehen und deshalb entlassen worden sind. Viele katholische Genossenschaften richten nun Huldigungsadresfen an jene Officiere. Ganz recht. Es freut uns sehr, daß hier einmal die Kirche zum ganzen Bewußtsein ihrer Einwirkung gebracht wird. Schade, daß dies nicht zu der Zeit geschah, wo das Duell entstand und wo doch die Kirche allmächtig war. Dieses Uebel brauchte dann jetzt nicht mehr bekämpft zu werden. Wenn aber in jenen Adressen und Expectorationen dies als ein besonderes Verdienst der katholischen Kirche hervorgehoben wird, so ist dies einfach nicht wahr. Die prctcstantische Kirche erklärt fich nicht minder lebhaft gegen das Duell und z. B. Hengstenberg hat schon öfter in der eoangel. Kirchenzeitung dagegen gedonnert. Wie die Katholiken das Duell nach „katholischen", so verurtheilt es Hengstenberg nach „christlichen" Grundsätzen. Allein gemach! Das Judenthum ist noch etwas älter und sein „Du sollst nicht tobten!" datirt fich noch von einigen Jahrtausenden früher her. Nicht heute sondern vor langer Zeit hat man .'sich vom Standpunkte des Judenlhums entschieden gegen das Duell erklärt, so z. B. diese Zeitung in No. 28 des 20. Jahrg. lvom 7. Juli 1856). Schärfer als dort kann über das Duell nicht gesprochen werden. Aus dem Oriente. Die Nachrichten aus Nordafrika lauten betrübend. Aus Korfu vom 7. Juni wird berichtet: Vor einigen Tagen sind mehr als lausend Israeliten von Tunis und Tripolis hier angekommen, welche sich der dort ausgebrochenen Revolution halber nach Malta flüchteten. Aus Marokko wird aus verschiedenen Stävten über arge Mißhandlungen geklagt, welche von den Behörden an Israeliten verübt worden, obschon diese auf den Ferman des Kaisers sich beriefen. Das II. 1. und Jew. Chr. führen mehrere solcher Falle auf. — Die „G. C.“ berichtet: Im südlichen Theile Mesopotamiens in Jrak-Arabi und zwar in der uralten Stadt Sennar (in der Gegend, wo einst Babylon stand) besteht eine Colonie von etwa 70 Israeliten beiderlei Geschlechtes, unter denen sich auch ein Nachkomme des Judenkönigs Joachim befindet. Die übrigen stammen von den Leviten ab. Die Bevölkerung des Landes hat diese schon öfters zum Abfall von ihrem Glauben zwingen wollen, doch vergebens. Um nun ferneren Verfolgungen zu entgehen, sandten sie zwei Abgeordnete zu dem in Jerusalem weilenden Alterthumsforscher Abraham Firkowicz, um von ihren Glaubensgenossen, den Karaiten, eine Unterstützung von 30,000 Piaster zum Zwecke der Uebersiedelung nach Jerusalem zu erlangen. Später brauchen 27 *

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