Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1864)
- Date
- 1864-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang. Allgemeine 27. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 28. Juni 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */» bis 2 Bogen. Preis des Jahrgang- 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für l Bogen 4 Thlr.. mr J/a Bogen 3 Thlr.. für \k Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungs, Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zwei dringende Bedürfnisse. — Das Duett. — Aus dem Oriente. — Spenden - Liste für die Rießer-Stiftung. — Correspondenz: Die jüdische Gemeinde-Knabenschule zu Berlin. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Vom Neckar, Hannover. Preußen: Berlin, Berlin, Berlin. Oefterreichischer Kaiserftaat: Aus Böhmen, Aus Südungarn, Pesth, Neu-Werbaß. Frankreich: Mühlhausen, Paris, Paris. Rußland: Petersburg. M e r i k o: Wien. Leitende Artikel. Bonn, 19. Juni. Zwei dringende Bedürfnisse. Mit Recht hat man die Kehrseite in den modernen Zuständen des Judenthums in dem Mangel einer gründlichen Kenntniß der Religion gefunden. Der Umschwung, den die Juden hierin erlebten, ist nichts anderes als der plötzliche Uebergang von einem Extrem zum anderen. Jahrhunderte lang war die Erziehung eine blos religiöse, der Unterricht der Jugend lediglich auf religiöse Dinge beschränkt, das Wissen und Studium der Erwachsenen allein ein theologisches. Sobald man nun den Blick auf die profane Bildung und Wissenschaft gerichtet, wandte man sich dieser allein zu, vernachlässigte die religiöse ganz und gar, ja mißachtete sie. Es gingen hieraus Generationen der religiösen Unwissenheit, des religiösen Jndisferentismus, der Religionslosigkeit hervor. Vielfache Erscheinungen unserer Zeit haben lediglich hierin ihren Grund und ihre Erklärung. Es lag in der Natur der Sache, daß es hierbei nicht verbleiben konnte. Man fühlte die Nothwendigkeit des Religionsunterrichtes, man begann vor dreißig Jahren Religionsschulen zu gründen, und endlich erhebt sich auch die jüdische Volksschule aus ihrer Vernachlässigung. Ebenso natürlich ist es, daß auch der Religionsunterricht und die Religionsschule verschiedene Wandelungen durchzumachen hatten und haben. Wenn der ehemalige Unterricht lediglich in den hebräischen Religionsurkunden, in mechanischer Weise bestand, so warf man sich zunächst auf die Katechetik und glaubte mit der bloßen abstracten Religionstheorie in schulgemäßer Form den größten Erfolg zu erreichen. Dieser konnte nur ein theilweis günstiger sein, ein günstiger, weil er in zahllosen Individuen einen hohen Begriff von den Principien unserer Religion schuf, aber nur theilweise günstig, weil ihm eine concrete Gestalt, eine lebendige Festigkeit fehlte. Die Nothwendigkeit, jenem abstracten Unterrichte eine feste Basis zu geben, führte zur Ueberzeugung, daß ein jüdischer Religionsunterricht, um einen positiven Gehalt zu erlangen, vorzugsweise die Bibel, und zwar im hebräischen Urtext, zur Grundlage nehmen muß und dies zwar aus theoretischen wie praktischen Gründen, da ohne Kenntniß des Hebräischen der Jude dem öffentlichen Cultus gänzlich entfremdet. Diejenigen nun, welche nicht wieder in Einseitigkeit verfallen wollen, erkennen, daß das richtige Ziel des jüdischen