Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1864)
- Date
- 1864-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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88. Jahrgang. Allgemeine 84> Zeitung -es Zudcnthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 7. Juni 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 11/a bis 2 Logen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^/2 Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegcbühren betragen für l Bogen 4 Thlr., für */a Bogen 3 Thlr., für '/» Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt» Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs'Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Was wir uns nicht nehmen lassen! — Der Entwurf zur Errichtung einer Rabbinerschule in Ungarn. — Literarischer Wochenbericht. — Nekrologe. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig, Großherz. Baden. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiser st aat: Wien, Wien, Krakau. — Nach trag: Paris. LeLterrde Artikel. Bonn, 29. Mai. was wir uns nicht nehmen lassen! Wir wollen den Frieden. Wir wollen ihn, weil durch Spaltung die kleinen Häuflein unserer Glaubensgenossen noch mehr zersplittert, noch kraftloser und ohnmächtiger würden. Wir wollen ihn, weil jede Spaltung HaH und Leidenschaftlichkeit hervorruft und sich gegenüberstehende, schroff gespaltene Parteien einer und derselben Religion viel glühender befeinden als die Anhänger verschiedener Religionen. Wir wollen ihn, weil der Friede mit jeder wahrhaften Religiosität identisch ist und Streitsucht und Verketzerung, Ausschließlichkeit und Verachtung jeder andern aufrichtigen Ueberzeugung die untrüglichen Zeichen einer falsch aufgefaßten Religion sind. Wir wollen den Frieden, weil überhaupt aus ihm allein das Gedeihen, das Aufblühen in dauerhaften und segensreichen Institutionen für das Judenthum hervorgehen kann. Dieser Friede steht höher als alle Theologastereien, als alle theologische Streitigkeiten, steht höher als einige Cultusreformen, die ihre wahre Bedeutung doch nur in der Weihe und der religiösen Erhebung, nicht aber in Rechthaberei und Streitlust finden können. Wir wollen aber nicht den Frieden erkaufen durch die Hingabe dessen, was wir jetzt schon als das Erbgut unserer Väter betrachten können, weil bereits drei Generationen danach gerungen, dafür gearbeitet, darum gekämpft haben, um die Hingabe der Bildung, der Gesittung, der Theilnahme am Culturleben der Menschheit. Wir wollen ihn nicht erkaufen durch die Hingabe eines geklärten, geläuterten, durchgeistigten Judenthums. Wir wollen nicht zurückfallen in ein mittelalterliches, mit Aberglauben durchtränktes, einen unbegrenzten Mißbrauch mit der Form treibendes, der geistigen Entwickelung fremdes Judenthum. Wir wollen nicht, nachdem die Thore der Ghettis sich geöffnet und ihre Mauern niedergerissen worden, freiwillig uns selbst wieder dahin zurückziehen und selbstthälig die Mauern wieder ausrichten. Und wenn eine kleine zelotische Partei alles dies wieder erzwingen will, so geben wir ihr nicht nach, halten sie mit aller Kraft fern von uns, und wenn sie sich mit ihrem Häuflein Parteigänger von uns abschließen wollen, so mögen sie es thun. Was war und ist der Kern in den Bestrebungen aller wahrhafter und echt religiöser Bildung zustrebenden