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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-31 · Heft 23 (31.5.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 23 (31.5.1864)
Date
1864-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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28, SafrgiMij). Allgemeine Zcitu«g -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 31. Mai 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^ Ngr. Inserate werden mit 1*/rNgr. für die Petitzeise oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1 ]2, Bogen 3 Thlr., für */% Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitnngs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sächs. Haupt-Zeitungs»Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die jüdischen Künstler. — Das ungarische Rabbinerserninar. (Schluß von III.) — Literarischer Wochenbericht. — Nekrologe. — Zeitungsnachrichtenr Preußen: Bonn, Frankfurt a/O., Könitz. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Krakau, Mako, Znaim. Frankreich: Paris. Tunis: Tunis. Leitende Artikel. Bonn, 20. Mai. Die jüdischen Künstler. Der Tod Meyerbeer's gibt uns die Veranlassung, uns einmal wieder offen über das Verhaltniß der aus unserer Glaubensgenossenschast hervorgegangenen Künstler und Meister zum Zudenthume vom Standpunkte des letzteren auszusprechen. Meyerbeer war wahrend seines ganzen Lebens von den Gaben des Glückes überhäuft, wie sie nur ein Erdensohn beanspruchen kann, wie sie einem Künstler in den selteflen Fällen für seine Pilgerschaft ertheilt werden. In einer Stadt geboren, wo Kunst nnd Wissenschaft die ausgedehnteste Anerkennung und die fördernste Entwickelung genießen, einer reichen und angesehenen Familie entsprossen, welche einen vielgesuchten Mittelpunkt für alle Capacitäten darbot, unter dem Einstusse einer freien Entfaltung, die damals in vielen jüdischen Familien Berlins bereits einen breiten Boden gewonnen, später mit einem coloffalen Vermögen begabt, welches ihm die vollständigste Unabhängigkeit sicherte und ihm alle Mittel bot, seiner Kunst zu leben und seine Erfolge, soweit es erforderlich war, anzubahnen, die Phasen seiner geistigen Entwickelung in günstiger Weise durchschreitend, war es ihm vergönnt, die größten Triumphe zu feiern, in allen Ländern und Kreisen eine hohe Anerkennung zu finden, seine Schöpfungen über alle Bühnen der Erde Hunderte Male schreiten zu sehen, noch in seinem hohen Alter ein neues Werk der gespannten Erwartung zu übergeben, im Schoße seiner Familie voll Glückes der Liebe zu eristiren und nach kurzem Krankenlager ohne jeden Todeskampf hinzuscheiden. Würden wurden ihm zutheil, eilf Orden schmückten ihn und sein Leichenbegängniß wurde in zwei Hauptstädten der civilisirten Welt auf eine so glänzende Weise gefeiert, wie einem Tooten zugleich kaum jemals geschehen ist. Gerade einem solchen Meister gegenüber haben wir das Recht, unbedingt unser Uriheil auszusprechen. Wir haben hier keine Rücksicht auf etwaige äußere und innere Kämpfe zu nehmen, denen der Künstler so oft unterworfen ist, aus Schranken, zwischen die er hineingebannt, auf Momente, die ihn in seiner Bahn beengten und zu Dingen zwangen, zu denen er sonst nicht gekommen wäre. Wir können hier ohne Scheu einer Ungerechtigkeit, welche

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