Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1864)
- Date
- 1864-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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«A? 20. 88, Jahrgang. All g k M ti » t Zeitung -es Zu-cnthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzigs den 10. Mai 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in lx/i bis 2 Bogen. Preis des Zahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 2272 Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/2 Logen 3 Thlr.. für 7* Dogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Unterschied zwischen der jüdischen und christlichen Messiaslehre. — Unsere Gesinnung. — Das ungarische Rabbinerseminar. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. ZeitungsnachrichtenrDeutschland: Aschaffenburg, Ulm, Sobernheim. Preußen: Berlin, Frankfurta/O., Bochum, Breslau, Königsberg. Oesterreichischer Kaiserffaat: Niederösterreich. Frankreich: Paris. Schweiz: St.- Galten. Rußland:Petersburg. Nordamerika: New- York. Leitende Artikel. Bon«, 29. April. Der Unterschied Wischen der jüdischen und christlichen Messiaslehre. Wir haben in No. 17 und 18 gezeigt, was die h. Schrift über die Messiasidee lehrt. Jndeß erscheint es uns nothwendig, den Gegenstand noch von einer andern Seite zu betrachten. Die Ultramontanen und die Missionäre jubeln noch immer über den Protest einer Anzahl Rabbinen gegen die Aussagen der Herren Mannheimer und Horwitz im Kompert'schen Prozeffe; die Ultramontanen und Missionäre, weil sie sich einreden, daß dadurch ein völliger Riß im Judenthume entstehen würde; die Missionäre und protestantischen Pietisten, weil sie in dem Glauben an einen persönlichen Messias die Brücke zum Christenthume sehen. Beide irren sich, denn der Messiasglaube ist in der That wohl das letzte Moment, welches eine Spaltung im Judenthume bewirken könnte, da er auf das wirkliche Leben gar keinen Einstuß hat und die Juden niemals geneigt waren, um die Gestalt, welche ein Glaubenssatz annehmen sollte, in Parteien oder Secten zu zerfallen. Die anderen irren, weil zwischen der Messtasidee, auch in einem persönlichen Messias gedacht, wie sie im Judenthume lebt, und der Messiasidee, wie sie der Eckstein des Christenthums ist, ein sehr großer Unterschied stattfindet; und diesen wollen wir hier in nähere Betrachtung ziehen. Man sagt gewöhnlich, der Unterschied sei: das Ehristenthum sagt, „der Messias sei gekommen", das Judenthum, „der Messias werde kommen." So oberflächlich dies erscheint, so setzt es doch nicht blos eine Verschiedenheit über die Zeit, sondern auch im eigentlichsten Inhalte voraus. Denn jene Aussprüche bedeuten doch: das Christenthum sieht die Verwirklichung der Messiasidee bereits als eingetreten, das Judenthum erst als in der Zukunft eintretend an. Wenn nun das Judenthum nach den Wirkungen der erfüllten Mefsiasidee fragt, wenn es aus der Geschichte ersieht, daß die achtzehn Jahrhunderte nach dem vorausgesetzten Eintritt durchaus keinen besseren Anblick bieten als die achtzehn vorhergegangenen, wenn sich in jenen ebenso viel Krieg, Gewaltthat, Unrecht, Haß und Herrschaft aller bösen Leidenschaft zeigen wie in diesen, wenn noch heute die Erde das Blut ihrer Kinder trinkt wie früher, das Christenthum aber dennoch