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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-05-03 · Heft 19 (3.5.1864) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 19 (3.5.1864)
Date
1864-05-03
Page
Seite 295 (sequence 13)
Language
German
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293 Fuß Tiefe, der mit Einschluß der inner» Ausstattung mindestens 70,000 Dollars kostet, indem infolge des Krieges das Baumaterial wie alle sonstigen Bedürfnisse fast mit jedem Tage im Preise steigen. Der Tempel verspricht zu den Zierden der Stadt gezählt zu werden und soll mit dem Beginne des nächsten Septembers eingeweiht werden. Der Bau ist schon ziemlich weit vorgeschritten. Die Grundsteinlegung wurde unter außerordentlichem Zudrange von Juden und Christen vorgenommen. Die Weihrede, welche Dr. Einhorn bei dieser Feier hielt, besprach, an das nvLvn rm anschließend, das Thema: wie in diesem Unternehmen der Gemeinde in Bezug auf ihr äußeres Heiligthum deren Bestrebungen nach Ausbau des innern Heiligthums sich abspiegeln. Nicht aus Prunksucht — äußerte der Redner — verlasse die Gemeinde ihr altes Gotteshaus, das sie vielmehr ehre und liebe wegen der reichen Andachtssegnungen, 'die eS seit Jahren gespendet, sondern deshalb, weil dasselbe an manchen Stellen Schäden und Risse erhalten und ferner für die zuströmende Schar der Andächtigen zu enge geworden. Und so wolle auch die Reform nicht schimmern und prunken, sondern die Schäden an unserem Religionsleben heilen und dem Judenthume, der ursprünglichen Heimath aller weltumfassenden Ideen, weitere Räume erschließen und die einengeude Fessel der Buchstäblichkeit zertrümmern; dieses Streben sei keineswegs erst von heute und gestern, sondern wiederholte sich in allen für Israels Geistesleben verhängnißvollen Perioden: nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exile, nach dem Makkabäerkampfe, bei der Entstehung der Septuaginta und nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Auch die Gegenwart bilde einen Standpunkt im jüdisch-religiösen Entwickelungsgang. Tausende von Israeliten hätten sich unseren Gotteshäusern seit Jahrzehnten entfremdet, weil die reichen Schätze unseres Cultus durch eine unverständliche Sprache verschlossen seien und unter den verblichenen Wünschen nach nationaler Wiederauferstehung wie Perlen im Sande vergraben lägen; Tausende von Israeliten hätten alles jüdische Bewußtsein verloren und kaum noch ein dunkles Gefühl ihres Zusammenhanges mit der Gemeinde, weil verrottete Gebräuche wie verwitterte Felsblöcke die ewige Idee, den Grund - und Eckstein des Jndenthums, ihnen verdecken, weil das, was die Welt gebildet und vorwärts getrieben, nur noch an morschen Krücken einherhinke und wie lahm und bildungsunfähig erschiene. Es sei nun die Aufgabe der Reform, das Jndenthum aus der nationalen Hülle hcrauszuheben und an die Stelle seiner erstarrten Formen lebendige und durchsichtige treten zu lassen, damit seine Herrlichkeit sich vor den Augen aller Welt offenbare. — Große Genugthuung gewährt der Reformgemeinde besonders der Umstand, daß in der neuesten Zeit auch mehrere solche Inden, die seit zehn bis zwanzig Jahren dem Judenthume ganz und gar entfremdet blieben, als eifrige Theilnehmer ihr sich anschlossen. Und nun znm Schlüsse noch ein Curiosum: Ein hierländisches jüdisches Blatt machte neulich den Vorschlag, die jüdischen Reverends sollten zu einem Strikes*) zusammentreten und nach dem Borbilde der andern Arbeiter Erhöhung des Lohnes fordern. Der Gedanke ist gewiß originell, aber das Ideal ist zu erhaben, sich verwirklichen zu lassen. Jüdische Gemeinden, welche ihre Predigerstelle mit 2500—3000 Doll, dotiren, gehören vorläufig noch nicht zu den Alltäglichkeiten, obgleich christliche Geistliche oft die doppelte Summe als jährliche Besoldung erhalten, ohne darum zu den Crösusen gezählt zu werden. Der Krieg hat auch unter unseren Glaubensgenossen einen fabelhaften Lupus erzeugt, und der jüdische Geistliche soll sich mit der früheren Besoldung begnügen, während der Werth des Papiergeldes weit unter die Hälfte herabgesunken und demgemäß die Preise sämmtlicher Lebensbedürfnisse in die Höhe gegangen! Hie und da erhält ein Reverend ein Geschenk, welches den hochhängenden Brotkorb um etwas niederziehen soll, und das muß dann mit den unvermeidlichen Resolutionen, ekelhaft genug, in öffentlichen Blättern ausposaunt werden. Brasilien. Rio de Janeiro, im Februar. (Le lihre Examen.) Die Depntirtenkammer von Brasilien war am 27. Januar mit dem Vorschlag zur allmählichen Abschaffung der Sklaverei beschäftigt. Der Vorschlag erstreckte sich hauptsächlich auf die Emancipirung derjenigen Sklaven, die katholischen religiösen Orden angehörcn, und von dieser Seite gerade wird der heftigste Widerstand entgegengesetzt, obgleich die Regierung den Klö- *) Strike ist eine gemeinsame Arbeitseinstellung. Die Redactio».

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