Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1864)
- Date
- 1864-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang ,M 19. Allgemeine Zeitung des Zndenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 3. Mai 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 ■/* bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgang- 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22*/rNgr. Inserate werden mit 1*/rNgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Bogen S Thlr., für */a Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Das ungarische Rabbinerseminar. — Zustände in Mitau. (Schluß.) — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimonides. (Schluß von VI.) — Spenden-Liste für die Rießer - Stiftung. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Frankfurt am M. Preußen: Berlin, Thorn, Berlin. Oefterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Lemberg, Aus Oberungarn, Aus Galizien. Nordamerika: Philadelphia. Leitende Artikel. Bonn, 25. April. Das ungarische Labbinerseminar. Wir haben bis jetzt über diesen Gegenstand nur unsere Correspondentm sprechen lassen. Unsere ungarischen Glaubensgenossen sind ein sehr empfindliches Völkchen, das jede Einsprache in seine Angelegenheiten von außen her mit großer Aufregung zurückweist und ihr sofort mit der Erwiderung antwortet, daß der Ausländer seine Verhältnisse, Wünsche und Bedürfnisse nicht kenne. Wir haben dies nach der Veröffentlichung unserer früheren „Sendschreiben an die Israeliten Ungarns", wir haben dies insonders, als der Kampf um die Nationalitätsfrage lebhaft geführt wurde, sattsam empfunden. Und doch haben wir schließlich Recht behalten. So schwierig es ist und kaum das Werk von Jahrhunderten, eine Nationalität zu beseitigen, ebenso schwierig ist es, eine solche aufzudrängen und kann dies nur durch fortgesetztes Streben während eines langen Zeitraums gelingen. Wenn die Magyaren durch eine viele Jahrhunderte andauernde Ausschließung, Hintansetzung und Beschränkung die ungarischen Juden zwangen, ihr ursprünglich deutsches Element sich zu bewahren, so sind nicht die Juden der schuldige Theil, wenn sie nicht mit einem Male, wie eS verlangt wurde, mitten in das Magyarenthum hineinspringen konnten. Dies ist es, was wir zur Rechtfertigung unserer Glaubensgenossen stets betonten, und dies war es, was uns von einem gewissen Theile der ungarischen Juden so viele Angriffe, Schmähungen, Drohbriefe rc. eintrug. Da verliert man die Lust, sich in die Händel anderer Leute zu mischen. Offen gesagt, wir vermögen nicht einmal das für einen richtigen Grundsatz anzuerkennen, daß ein Auswärtiger niemals über Verhältnisse und Zustände ein richtiges Urtheil fällen könne. In der Heimath ist man in der Regel viel zu befangen, von der Strömung des Tages und der persönlichen Theilnahme viel zu sehr beherrscht, um unparteiisch und nach allen Seiten gerecht urtheilen zu können, während der Auswärtige, wenn er nur sonst mit der Sachlage bekannt und vom Streben nach Recht und Billigkeit geleitet ist, gerade durch seinen Standpunkt außerhalb der unmittelbaren Interessen befähigt wird, sich in redlicher und räthlicher Weise zu äußern. Soweit die Mittheilungen irgend reichen, kann man