Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1864)
- Date
- 1864-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang Allgemeine JW 17. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner IBr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 19. April 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1V2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/2 Ngr. Inserate werden mit l'/üNgr. für die Pctitzcile oder deren Raum berechnet. Beilagegebührcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., inr ^ogen 3 Thlr.. für '/1 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Messiasidee. — Zur Geschichte des Bannes. — Nekrologe. — Zeitungsnachrichten r Deutschland: München, Hamburg. Preußen: Bonn, Bonn. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Pesth, Gr. -Becskerek. Frankreich: Paris, Paris. Nordamerika: Philadelphia. Leitende Artikel. Bonn, 10. April. Die Messiasidee. In der jüngsten Zeit ist die Frage: was das Judentum wirklich von der Messiasidee enthalte? wieder zu Tage gekommen. Nicht als ob die Beantwortung dieser Frage irgend eine praktische Bedeutung habe, da diese Idee sich nur auf die Zukunst bezieht und der Glaube oder der Unglaube daran den Israeliten weder von einer sittlichen noch ceremonialen Pflicht befreit. Aber jene kleine Partei unserer Tage, welche vor allem Streit haben will, weil sie vom Hader lebt, weil sie bei ihrem gänzlichen Mangel an Productivität vergessen zu werden fürchtet, sobald kein Zank da ist, hat jüngst den Messiasglauben zu einem Schiboleth unter den Juden gemacht. Wenn diese Nachfolger Korach's irgend ein Verdienst haben, so ist es das negative, doch immer wieder zu einer sorgfältigen Prüfung von Gegenständen anzuregen, welche zur Zeit sich selbst überlassen blieben. Es ist daher wohl an der Zeit, auch in Bezug auf die Messiasidee einmal genau nachzusehen, was eigentlich die heil. Schrift über dieselbe enthält. Man hat mit Recht behauptet, daß man im Judenthume nicht so geradezu von der Gegenwart auf die h. Schrift zurückgehen, jene an diese anknüpfen wollen könne, weil dies nichts anderes heiße, als eine zweitausendjährige Entwickelung, mit welcher doch die Gegenwart unmittelbar zusammenhängt, überspringen und gewaltsam ignoriren wollen. Aber es gibt doch viele Dinge, wo wir gar nicht anders verfahren können. Wenn z. B. jetzt niemand mehr etwas vom Banne wissen will und ihn einerseits verspottet, andererseits als ein Werkzeug des Obscurantismus und Fanatismus haßt, so gewährt es doch ein vollkommenes Genüge, wenn gezeigt wird, daß der Bann durchaus nicht biblisch sondern ein Erzeugniß späterer Zeiten ist. Hinsichtlich der Messiasidee aber hat das Zurückgehen auf die h. Schrift, besonders auf die Propheten, ein unumstößliches Gewicht. Die Messiasidee ist eine Verheißung auf die Zukunft, die also lediglich durch den prophetischen Geist gegeben werden kann, auf welchen auch nach der Lehre der strengsten Orthodoxie nach Maleachi niemand mehr Anspruch machen kann; sie ist keine Gesetzesüberlieferung und keine Gesetzesinterpretation und es hat daher kein nachbiblischer