Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1864)
- Date
- 1864-04-12
- Page
- Seite 246 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226435--22065-3259315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
246 Sie nur mit Juden bekannt gemacht, welche den kaufmännischen Geschäften obliegen. So ehrenvoll diese an sich sind und so wenig es zur Schande gereichen kann, wenn sich jemand diesen in achtungswerther Weise widmet, so ist es doch ein großer Jrrthum, wenn man annimmt, daß die Juden andere Lebensberufe meiden. In unserer Stadt allein gibt es am Columbia Collegen und an der freien Akademie Professoren, die Israeliten sind, an der letzteren auch zwei Lehrer und acht Studirende. Was die Jurisprudenz betrifft, so haben wir eine große Anzahl von unserm Glauben; einer von ihnen ist Richter an dem Common Plcas, ein Gentleman und sehr eifriger Amerikaner. In der Medicin gibt es die eminentesten Praktiker. Die Armee, Flotte und das Marinecorps umfassen sehr viele Israeliten, von denen sich einige durch ihre Tapferkeit und ihren Patriotismus ausgezeichnet haben. Eines unserer Regimenter, das anfangs als Miliz diente, dann drei Jahre activ war, hierauf nach der Heimath zurückgekehrt war und auf dem Punkte steht, als Veteranen von neuem ins Feld zu rücken, besteht fast nur aus Juden. Unter den hiesigen Journalen werden Commercial, Expreß, Times und andere zum Theil von sehr fähigen Juden geleitet. Auf allen wissenschaftlichen Gebieten finden sie Männer meines Glaubens. Die jüdischen Theologen bieten sehr würdige Vorbilder dar. Wenn Sie erwähnen, daß zwei Juden in dem Cabinet der Rebellen fitzen, obgleich ich nur einen kenne, Herrn Benjamin, so vergessen Sie nicht, daß ein Major-General in der Armee des Davis ein Bischof war und daß Davis selbst bekennt, ein Geistlicher der christlichen Kirche gewesen zu sein. Unglücklicherweise gibt es einige Verräther unter den Juden wie unter den Christen. Ein guter Jude kann es aber ebensowenig sein wie ein wahrhafter Christ." Der General antwortete hierauf unter dem 13. Februar: „Mein Herr! Ich habe Ihre Zuschrift vom 9. Februar erhalten und bin sehr erfreut, meine Ansichten durch jemand berichtigt zu sehen, der anscheinend die Eigenschaften der Juden als eine Nation und ihres Glaubens als eine Religion so gut versteht. Ich gebe zu, daß meine Bekanntschaft mit Männern von jüdischem Glauben oder Nation keine glückliche war. Da ich vor dem Kriege in einer entlegenen Stadt in Massachusetts lebte, traf ich nur mit wenigen zusammen und seit dem Kriege waren diejenigen, welche ich kennen gelernt, meistentheils bei den Beschäftigungen betheiligt, die die Gefangennahme, welche diese Correspondenz hervorrief, bewirkten, und Sie werden selbst zugestehen, daß diese Art, Ihre Bekanntschaft zu machen, keine günstige war. Ich beziehe mich auf Herrn Memminger als das andere Mitglied des Conföderirten-Cabinets. Man hat mir gesagt, daß Herr Mallorh ebenfalls vom jüdischen Glauben oder Nation ist. — (General Butler befindet sich im Jrrthume. Weder Memminger noch Mallorh ist ein Jude. Letzterer ist wahrscheinlich mit dem Ex- Senator Julee verwechselt, der jetzt dabei beschäftigt ist, Florida der Union wieder zu gewinnen.) Ich bekenne das Zutreffen Ihres Winkes betreffs des Maj.-Gen. Polk und Davis. Beide sind sie Mitglieder der christlichen Kirche. Ich würde Ihnen für das Detail der Facten, welches Sie mir angeboten haben, sehr verbunden sein, denn wenn ich meine Ansicht über irgend einen Gegenstand unrichtig finde, so wünsche ich stets darüber aufgeklärt zu werden. Obgleich der Brief an Sie nicht zur Veröffentlichung geschrieben war, so habe ich nichts dagegen. Ich habe die Ehre rc. Benjamin F. Butler, Mast-Gen.-Com. Anzeigen. Ein Cultus-Beamter, unverheiratet, der die Function eines Lehrers, Schächters und Vorbeters versehen kann, wird zum sofortigen Antritt mit einem Gehall von 60 Thlr. nebst freier Station und Nebeneinkünften, zu engagiren gesucht. Restectanten wollen unter portofreier Einreichung ihrer Zeugnisse sich baldigst bei Unterzeichneten melden. Striegau, den 5. April 1864. Der Vorstand. A. Hellinge?. S. Darrrbitfch. Die Stelle eines Vorbeters (nicht Schächters) in unserer Synagoge, soll wie möglich sofort mit einem vorläufigen festen Gehalt von 350 Thlr. nebst freier Wohnung, besetzt werden. Hierzu Qualificirte müssen musikalisch gebildet sein, und die Befähigung sowie die Concession der königl. Regierung besitzen, den hebräischen und Religions-Unterricht ertheilen zu können. Hierauf Reflectirende wollen ihre Zeugnisse schleunigst franco an den Unterzeichneten Vorstand senden. Reisekosten behufs Probevorträge werden nicht erstattet. Schönlanke, den 22. März 1864. Der Corporations-Vorstand. Z. S. Salzburg.