Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1864)
- Date
- 1864-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang. Allgemeine 16* Zeitung des Zudenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 12. April 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l!/a bis 2 Bvgen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^2 Ngr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagcgebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 72 Bogen 3 Thlr., für '/i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r David Friedrich Strauß. — Lesefrüchte: Die Kafferu jüdischen Ursprungs? — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Baireuth, München. Preußen: Berlin, Bonn. Oefterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Prag, Pesth, Krakau. Frankreich: Paris, Paris. Schweiz: Zürich, St.-Gatten. Italien: Ferrara. Rußland: Warschau. Nordamerika: New-Uork.. Leitende Artikel. Bonn, 3. April. David Friedrich Strautz. Es ist eine Erfahrung, welche sich bei genauerer Prüfung immer herausstellt, daß eine wahre und tiefeingehende Entwickelung nur allein aus dem eignen Innern jeder großen geschichtlichen Erscheinung, aus ihrem eigensten Wesen hervorgeht,, und daß, soviel Anstoß auch von außen zu einem rascheren Fortgang gegeben, ein so nützliches Correctivmitlel auch von außen her geboten werden kann, doch immer die wahre und lebensfähige Entfaltung von innen kommen und weitergeführt werden muß. So verhält es sich auch mit dem Judenthum und Christenthum zueinander. Beide sind seit einem Jahrhundert in so vielfache Berührung miteinander gekommen, sind auf literarischem, politischem und socialem Gebiete, in allen Lebensfphären so vielfach aufeinander gestoßen, daß dies für beide nicht ohne nachhaltige Wirkung bleiben konnte. Ich trenne in diesem Augenblicke das, was die allgemeinen Culturmomente ausmacht, die allgemeine Bildung, Politik, Industrie, Wissenschaft und Kunst, sowohl vom Christenthume als vom Judenthume, weil jene eben allgemeine menschengeschlechtliche Producte sind, und verstehe hier unter Judenthum und Christenthum eben nur die beiden großen religiösen Erscheinungen in ihrer Selbständigkeit und realen Existenz. Aus diesem Gesichtspunkte wird man während des letzten Jahrhunderts nicht minder eine Wirkung des Judenthums auf das Christenthum, als des letzteren auf das erstere durch die mannigfaltigen Berührungen, in die sie gekommen, anerkennen müssen, wie sich dies gewissermaßen typisch in den beiden Männern, von denen die neue Entwickelung in beiden Religionen herdatirt, und in ihrer Verbindung miteinander, Lessing und Mendelssohn, darstellt. Dennoch ist diese gegenseitige Einwirkung nur eine sehr äußerliche und die Entwickelung, welche beide Religionen im letzten Jahrhundert genommen, ist in ihrer Wesenheit doch nur aus ihrem eigenen Schoße hervorgegangen. So nahe es den Juden liegt, das Christenthum vom kritischen Standpunkte zu beleuchten und durchzuarbeiten, so ist dies doch von keinem einzigen Juden geschehen und der ultramontanste und «pietistischeste Christ kann von seinem Standpunkte aus keinem Juden vorwerfen, die jenem verhaßte Kritik gegen das Christenthum geübt oder