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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-05 · Heft 15 (5.4.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 15 (5.4.1864)
Date
1864-04-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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28. Jahrgang. allgemeine 15. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 5. April 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22^/2 Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Veilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für l/r Bogen 3 Thlr., für 1/4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; jder Haupts Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Strauß und Stahl. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimorndes. VI. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig. Preußen: Berlin, Berlin, Bielefeld. Oesterreichisch er Kaiserstaat: Aus Oberungarn, Miskolz. Frankreich: Paris, Paris. Schweiz: Bern. Italien: Aus Oberitalren. Donaufürstenthümer: Bukarest, Bukarest. Rußland: Warschau, Mitau. Portugal. Amerika: Curaxao. Leitende Artikel. Bonn, 27. März. Strauß und Stahl. Es ist bereits eine banale Phrase geworden, daß unsere Zeit eine Periode der Krise sei. Aber sie ist wahr und darum können wir ihrer nicht entbehren. Sie ist deshalb wahr, weil zwei Extreme mit gleicher Energie in ihr auftreten, selbständig ihre Prozesse führen und kampsend aufeinander stoßen. Darin liegt der Charakter der Krise. Wenn, wie im vorigen Jahrhundert, auf dem Boden eines veralteten, zum kraftlosen Schlendrian gewordenen Lebens sich eine neue Anschauung, eine frische, lebensvolle Tendenz entwickelt, mit junger Siegeskraft das verlebte System zerschlägt, das kaum Widerstand zu leisten vermag, so ist dies keine "Zeit der Krise, sondern der Entwickelung, die, langvorbereitet, unter günstigen Umständen in die Erscheinung tritt und ihre Erzeugnisse rasch zeitigt. Wenn aber, wie es jetzt der Fall ist, das alte Regime die noch in ihm vorhandenen Kräfte sammelt, sich, soweit es dies vermag, noch einmal sowohl geistig ausfrischt, als auch die ihm noch zu Gebote stehende materielle Macht concentrirt, so auf der Weltbühne erscheint und ihren Gegensatz bekämpft, dann steht das Jahrhundert mitten in der Krise, von den beiden Gegensätzen ist keiner Sieger und keiner besiegt, der eine treibt zum Vorwärts, der andere zum Rückwärts, jeder sammelt seine Anhänger hinter sich und findet deren eine größere oder geringere Anzahl, und bei aller Wucht der Mehrheit versteht es der Gegner durch Entschiedenheit und Rührigkeit jene bei ihrer natürlichen Unbeweglichkeit und Indolenz im Schach zu halten. Ein jeder wird in diesen Zügen das Antlitz unserer Zeit erkennen und sich nun auch nicht mehr wundern, wenn überall auf politischem und religiösem, auf staatlichem und kirchlichem Gebiete, im Christenthume wie im Judenthume, in Philosophie und Kunst, in Wissenschaft und Industrie die äußersten Gegensätze nebeneinander wie gegeneinander zum Vorschein kommen. So kann es uns denn auch nicht in Erstaunen setzen, daß in demselben Zeitpunkte eine neue, „für das deutsche Volk" bestimmte Bearbeitung des „Leben Jesu" von David Strauß und die Vorlesungen über „Die gegenwärtigen Parteien in Staat und Kirche" vom verstorbenen Julius Stahl erschienen sind, beide Werke eine große Aufmerksamkeit auf sich zie-

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