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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-15 · Heft 12 (15.3.1864) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 12 (15.3.1864)
Date
1864-03-15
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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174 neinende Gesicht atu sichtbarsten ist. Gestatten Sie mir daher, in einem folgenden Briefe, aus diesen Negationen auf den positiven Inhalt unserer Zeit Schlüsse zu ziehen. Sind Sie mit den obigen Auseinandersetzungen in Übereinstimmung, so werden Sie die Bemerkung rechtfertigen, daß die Zeit nahe ist, wo die Reactionäre das Jahr 1848 als Glücksjahr und die Radikalen als die unheilvollste Zeit der neueren Geschichte ansehen werden. Diejenigen aber, welche den Entwickelungsgang der Menschheit mit ernstem Eifer studiren, werden die Bedeutsamkeit dieses Jahres nach beiden Seiten hin zu würdigen wissen. Sir Moses Montefiore in Marokko. Wir entnehmen dem Gibraltar Chronicle vom 19., indem wir da anknüpfen, wo wir in unserer letzten Mittheilung stehen geblieben, Folgendes. Sir Moses Montefiore und seine Begleitung verbrachten also sechs Tage in ihrem Garten, ehe sie mit der ersten Audienz beim Sultan beehrt wurden. Der Sultan gibt seine Audienzen wie ein echter Ritter zu Pferde, und zwar deutet die Farbe seines Rosses auf die augenblickliche Stimmung seines fürstlichen Geistes an. Wenn diese gut und heiter ist, so sitzt der Sultan aus einem weißen Roß; leichte Schatten, die seine Heiterkeit umwölken, werden durch grau dargestellt, während ein schwarzes Pferd anzeigt, daß Trauer und Unzufriedenheit auf dem königlichen Geiste lagern. Sir Moses Montefiore und seine Begleiter waren in einem geräumigen Hofe versammelt, der mit einigen Tausenden von des Sultans Truppen umstellt war, welche gespannt auf den Eingang blickten, aus welchem der weiße, graue oder schwarze Geist hervorkommen sollte, und wurden bald durch das Erscheinen des Sultans auf einem prächtigen Rosse von untadelhaftem Weiß erfreut. Er ritt vorwärts, um seine Gäste zu bewillkommen, in wenigen höflichen Phrasen drückte er sein Glück aus, sie in seinem Reiche zu sehen, und richtete einige Worte an jeden einzelnen über seinen Charakter und seine Eigenschaften. Er sagte, daß die Reisen des Sir Moses Montefiore zum Heile seines Volkes in die verschiedenen Welttheile ihm nicht unbekannt seien, daß er. die umfassende Wohlthätigkeit dieses Gentleman kenne, welche sich au keine Secte oder Glaubensgenossenschaft beschränke, sondern alle Claffen umfaßte, und sprach seine Befriedigung aus, ihn in Marokko zu sehen. Ebenso drückte er sein Vergnügen aus, Mr. Reade, dem britischen Consul, zu begegnen, der ihm schon lange bekannt sei. Nachdem Mr. Reade die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft dem Sultan vorgestellt hatte, schloß letzterer, indem er sich an Capitain Armhtage und an die Seeofficiere, welche ihn begleiteten, wendete, mit einigen Sätzen, die seine Würdigung der Freundschaft mit England aussprachen, und sagte er, daß kein Anblick ihm größeres Vergnügen bereite, als der einer englischen Uniform. Vor dem Schluffe der Audienz übergab Sir Moses Montefiore dem Sultan eine Petition, in der er um Aufhebung der Bedrängnisse, unter welchen die Juden litten, bat. Der Sultan empfing die Petition gnädig und übergab sie dem Kammerherrn, indem er versprach, daß ihr Inhalt seine beste Erwägung erfahren sollte. Vier Tage darauf, am fünften Februar, wurde folgender Firman oder Ediet an Sir Moses Montefiore gesandt, als des Sultans förmliche Gewährung der Bitte für vollständige und unparteiische Gerechtigkeit gegen den jüdischen Theil seiner Unterthanen: — „Im Namen Gottes, des Barmherzigen und Gnädigen. Es gibt keine Macht als in Gott, dem Hohen und Mächtigen." (£. S.) Durch diesesunser königliches Edict sei bekannt gemacht — möge Gott seinen Jnhald erhören und segnen und es zu den hohen Himmeln erheben wie die Sonne und den Mond — daß es unser Befehl ist, daß alle Juden, die in unserm Reiche wohnen, möge der Stand, in welchen der allmächtige Gott sie versetzt hat, sein welcher er wolle, von unseren Statthaltern, Beamten und allen anderen Unterthanen nach der genau abgewogenen Wagschale der Gerechtigkeit behandelt werden, und daß sie (die Juden) vor den Gerichtshöfen vollkommen gleiche Behandlung wie jeder andere erfahren sollen, so daß selbst nicht der geringste Theil von Ungerechtigkeit irgend einen von ihnen treffen kann, noch sie irgend einer bedrückenden Maßregel unterworfen sind. Auch sollen sie (die Behörden) oder irgend jemand ihnen (den Juden) kein Unrecht thun, weder an ihrer Person noch an ihrem Eigenthume. Noch soll irgend ein Handelsmann unter ihnen oder Handwerker gezwungen sein, gegen seinen Willen zu arbeiten. Die Arbeit eines jeden soll gehörig belohnt werden, denn Ungerechtigkeit hier ist Ungerechtigkeit im Himmel und wir dürfen sie in keiner Angelegenheit dulden, die entweder ihre (der Juden) Rechte oder die Rechte anderer

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