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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-01 · Heft 10 (1.3.1864) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 10 (1.3.1864)
Date
1864-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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28. Jahrgang. Allgemeine 10 Zeitung -es Zudenthums. - Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 1. März 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a dis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Tblr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Bicrtcljährig 22'/-2 Ngr. Inserate werden mit 11/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagcgebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für */2 Bogen 3 Thlr.. für Bogen 2 Thlr. Sille Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs»Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Hanpt-Zcitnngs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Berlin und die Provinz. Ein Ausruf an die Israeliten Berlins. — Dr. ^td)ae^ Sachs. — Sperrden-Liste für die Nießer-Stiftung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: D ent sch land: Freudenthal, München. Preußen: Berlin, Danzig, Aus der Altmark. Oe st erreicht sch er Kaiserstaat: Wien, Pesth, Aus Oberungarn, Pesth. Niederlande: Haag. Rußland: Mi tau. Leitende Artikel. Bonn, 21. Februar. Berlin und die Provinz. Ein Aufruf an die Israeliten Berlins. Es war eine Zeit, wo Berlin für die Juden nicht allein Preußens, nicht allein Deutschlands, sondern der ganzen Welt die Metropole der Bildung und der religiösen Entwickelung war — die Zeit Mendelssohns. Nicht sowohl als ob Mendelssohn selbst diese Periode in Berlin hervorgerufen; der Boden war vor ihm schon geebnet und befruchtet, so daß ein Mendelssohn daraus ersprießen konnte; aber er und seine Genossen Wessely, Gumperz, Herz, Bloch und so viele andere waren die Werkzeuge eines großen Culturganges und Mendelssohn vermittelte das ausstrahlenve Licht über alle Länder innerhalb der jüdischen Kreise und weit über diese hinaus. Aber diese Zeit dauerte nicht lange. Wie in Mendelssohn zwei nur scheinbar vermittelte Gegensätze vorhanden waren, die Philosophie und die stabile Orthodoxie, so kamen diese nach ihm zu den schärfsten Widersprüchen; und wenn von der einen Seite diese Stabilität ihren unangetasteten Platz behielt, so machte sich in den gebildeten Juden Berlins bald Religionslosigkeit und kalte Bernünftelei vorherrschend. Schon der Schüler Mendelssohns machte den Versuch, eine „freie Gemeinde" zu stiften und der Abfall vom Judenthume ward eine tägliche Erscheinung. Wie Berlin aber für die Provinzen das Licht angezündet, so mußte auch sein Stillstand und Rückgang wie eine schwere Last auf den Provinzen ruhen und nur mühsam und sehr allmählich konnten diese sich fortarbeiten, weil das Beispiel Berlins sie immerfort zurückhielt. Was in Preußen in den verflvffenen Jahrzehnden geschehen ist, ging alles von den Provinzen auS. Magdeburg und Königsberg, dann Breslau und andere Gemeinden hatten längst regelmäßige Predigt, als Berlin noch keine Kanzel aufgerichtet hatte; überall suchte man den Gottesdienst trotz allen Hindernissen wenigstens in mäßiger Weise zu regeln, als Berlins Haupt-Synagoge noch in wüstem Chaos lag, aus welchem sie sich wesentlich noch heute nicht gelöst hat. Wie lächerlich wurde noch vor zehn Jahren in Berlin um einige Piutim bitterer Kampf geführt und wie noch heute um die Frage, ob das Judenthum mit einer Orgel bestehen könne? Ueberall, in Städten und Flecken, erstanden die schönsten

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