Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1864)
- Date
- 1864-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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88. Jahrgang. Allgemeine' 5. Zeitung -cs Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 26. Januar 1864. Diese Zeitung ^scheint wöchentlich einmal. Dienstags, in l'/r bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig ,22Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/2 Bogen 3 Thlr.. für */* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs- Expeditionen nebmcn Bestellungen an,- der Haupts Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zcitungs>Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Sollen Wohlthatigkeits - Institute Fonds sammeln oder nicht? — Spenden-Liste für die Rießer- Stiftung. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimonides. II. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Würtemberg, Leipzig. Preußen: Düsseldorf, Aus der Altmark. Oester - reichischer Kaiserstaat: Wien, Pesth, Lundenburg, Preßburg. Rußland: Petersburg. Marokko: Tanger. Leitende Artikel. Bonn, 15. Januar. Sollen WohlthatiZkeits-Institute Fonds sammeln oder nicht? Sehr häufig drängt sich uns die Beobachtung auf, daß unsere Väter in sehr geringem Maße für die Fundirung der Gemeinde- und Wohlthätigkeitsanstalten Sorge getragen, daß, außer etwaigen Legaten, durch Ansammlung von Ueberschüssen HU Fonds fast nirgends eine Spur ist, daß sie vielmehr die laufenden Mittel für die laufenden Ausgaben verwandten. Gerade das Gegentheil findet in unserer Zeit statt und man beschränkt bei allen Vereinen und Institutionen die Ausgaben möglichst, um nur recht große Fonds zu gewinnen. Es fällt dies um so mehr auf, als man gewohnt ist, der „guten alten Zeit" eine vorherrschende Neigung zur Sparsamkeit, der jetzigen zum Luxus und zur Verschwendung zuzuschreiben. Empfindlich ist dieser Mangel an allen bereitliegenden Mitteln für das jetzige Geschlecht sehr oft und um so mehr, als das Bedürfniß der Gegenwart nach geschmackvoller Form und verhältnißmäßigem Comfort gleich von vornherein bedeutendere Ansprüche erhebt. Wenn man allein bedenkt, welche enorme Summen in den zahllosen Gemeinden auf Shnagogenbauten verwendet werden, so ergibt sich die außergewöhnliche Höhe der Lasten, welche die gegenwärtigen Juden für ihren Cultus und ihre Wohlthätigkeitsanstalten zu tragen haben, ohne daß sie hierzu von ihren Vätern meist etwas anderes als — Schulden geerbt haben. Hat es nun an Wohlthätigkeitssinn unseren Vätern gewiß nicht gefehlt, an Opferwilligkeit für gute Werke nicht gemangelt, so muß diese Beobachtung ihren Erklärungsgrund in der, wenn auch nicht klar ausgesprochenen Anschauung gehabt haben, daß eine jede Generation für ihre guten Zwecke selbst zu sorgen habe, und in der Zuversicht, daß im Hause Judas der Sinn und die Bereitwilligkeit niemals schwinden werden. Für uns entsteht aber daraus die Frage: Thun wir recht, wenn wir anders verfahren? Wäre es nicht besser, alle die uns zu Gebote stehenden Mittel für die Roth der Gegenwart zu verwenden, und brauchen wir eine schwächere Hoffnung auf die Vorliebe unserer Enkel für barmherzige und gemeinnützige Zwecke zu hegen? Bei der Beantwortung solcher Fragen kann man zwar nicht gerade auf großen Erfolg rechnen, denn eine entschiedene Ten-