Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1864)
- Date
- 1864-01-12
- Page
- Seite 41 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hoffen aber, daß sie dieser ersten Gabe bald eine zweite und bedeutendere folgen lasten und dabei sich bekannt machen wird. Daß sie aber bedeutenderer Arbeiten fähig sei, zeigt sich hinreichend bei der gegenwärtigen, welche in jeder Beziehung eine gelungene genannt werden darf, da sie den Geist des Verfassers sehr kunstreich und ungekünstelt in die fremde Hülle einzuhauchen wußte. Im Vorworte versucht sie den Zielpunkt der phantastischen Erzählung, den verlornen Schatten, mit dem verlornen Schutze des Vaterlandes zu erklären, und zwar weil Chamisso, als er das Werkchen schrieb, vaterlandslos war. Wir glauben jedoch, diese Erklärung habe eher im subjektiven Standpunkte der Verfasserin, als Deutsche und als Jüdin, ihren Grund, als in der objektiven Auffassung des Werkchens. Dies aber benimmt der Arbeit durchaus nichts von ihrem Werthe, und indem wir der genialen angehenden Schriftstellerin unser Lob aussprechen, wünschen wir, daß sie unseren Religionsgenossen in Italien recht bald Einiges aus der deutsch-jüdischen Belletristik bekannt machen wolle, namentlich aus dem herrlichen Saron des Herrn RedacteurS dieser Blätter. I. A. R . . . r. Amerika. Chicago, 8. December. (Privatmitth.) Wenn Sie eine Charakteristik der hiesigen Juden wünschen, so lassen Sie mich, um nicht mit Differenzen anzufangen, zuvörderst über ein Werk der Einigkeit und des Friedens berichten. Mit derselben Post überschicke ich Ihnen auch den vierten Jahresbericht der Beamten der „Vereinigten jüdischen Unterstützungsgesellschaft von Chicago" (United Hebrew Relief Association of Chicago). Der etwas bombastisch gehaltene Bericht der vorjährigen Präsidenten gibt. Ihnen eine Idee von der Nothwendigkeit dieser Anstalt. Vor nahezu fünf Jahren fanden die Präliminarien und endlich Vereinigung aller damals hier bestehenden jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaften zu diesem einzigen gemeinschaftlichen Zwecke durch die Delegaten der dabei betheiligten Associationen unter dem Vorsitze des Schreibers dieser Zeilen statt. Die vorberathenden Sitzungen währten vorher Monate lang und manchmal begann das beabsichtigte gute Werk an der Engherzigkeit dieses oder jenes Delegaten zu scheitern; allein endlich nach vieler Mühe kamen die Vorarbeiten zum Abschluß, und zum Segen für alle Israeliten Chicago's besteht die Wohlthätigkeitsanstalt schon vier Jahre und es ist kaum der Zweifel zu erheben, wenn immer auch nur Halbweg tüchtige Beamte an der Spitze stehen, daß der Verein bestehen wird, solange es Jehudim in Chicago gibt, mögen sie sich orthodox oder reformirt, deutsch oder polnisch oder sonst irgend etwas nennen. Hier ist ein Boden, auf dem sie alle sich brüderlich vereinigen können, und hier bewahrheitet sich: „Chol Jisrael Achim.“ Noch vor acht Jahren war eine derartige Vereinigung unnöthig. Unsere Glaubensgenossen waren noch nicht so häufig hier und keine wirklich Unterstützungsbedürftigen darunter. Allein von Jahr zu Jahr gestalteten sich die Verhältnisse anders und jede einzelne Gesellschaft hatte auch ihrem Budget eine Rubrik „zur Unterstützung von Nichtmitgliedern" einzuverleiben. Dadurch kamen unzählige Mißbräuche vor. Die verschmitzten „Schnorrer" kamen zu allen Präsidenten und erhielten Geldunterstützungen und die wirklich bedürftigen, verschämten Armen litten oft Noth. Das ist nun alles anders geworden und nicht mehr viel Gelegenheit in hiesiger Stadt für die, welche Plaisirreisen auf allgemeine Kosten einer ehrlichen Erwerbsarbeit vorziehen. Der Verwaltungsrath der Vereinigten Wohlthätigkeitsgesellschaft mit seinen so geheim und rasch arbeitenden Comitöen findet die Müßiggänger meistens prompt heraus, sucht aber auch die wahrhaft Bedürftigen und — was besser ist — findet und unterstützt sie. Und diese Gesellschaft ist wie folgt zusammengesetzt: Jede isr. Association, die sich am gemeinschaftlichen Wohlthätigkeitswerke betheiligen will, zahlt ein Minimum von nicht unter */* Dollar pr. Jahr für jedes Mitglied und so viel darüber, als sie will, und schickt dafür für je 10 Mitglieder einen Delegaten in das Directorencollegium der United Ilebrew Relief Association (U. II. R. A.). Alle Delegaten wählen aus ihrer Mitte das Beamtencollegium; letztere sind die eigentlichen, für ein Jahr gewählten Verwalter und Vertreter der II. II. R. A. und werden durch die Versammlungen aller Delegaten und deren Beschlüsse controlirt. Die durch alle Gesellschaften eingezahlten Gelder werden vertheilt wie folgt: Alle Minimalbeiträge gehen in die Unterstützungskaste für Arme; was darüber beigetragen wird, geht zur einen Hälfte abermals in die Unterstützungskaffe (Relief 8necl) und zur andern Hälfte in den Reserve Sned, eine besondere Kasse, die