Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1864)
- Date
- 1864-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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28. Jahrgang Jf 3. Allgemeine Zeitung des Zudcnthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp so n in Bonn. Leipzig, den 12. Januar 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstegs, in l!/a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/2Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bcilagegebnhrcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/2 Bogen 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr.?llle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Hallpt-Zcitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Ein eigenthümlicher Prozeß. — Einige Worte über diesen Prozeß. — Vorlesung Bluntschli's über Gewissenszwang. (Schluß.) — Zeitungsnachrichten: Preußen: Magdeburg. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Pesth, Lundenburg, Krakau. Italien: Aus Oberitalien. Amerika: Chicago. Leitende Artikel. Bonn, 1. Januar. Ein eigenlhiimlicher Prozeß. In dem diesjährigen von Wertheimer und Kompert herausgegebenen Jahrbuch für Israeliten steht an der Spitze der Aufsätze ein Artikel von Dr. Grätz: „Die Verjüngung des jüdischen Stammes". Es wird in demselben ausgeführt, daß es „sterbliche und unsterbliche Völker gäbe", und zwar seien letztere solche, welche die Fähigkeit und Kraft der Verjüngung an sich trügen. Dem jüdischen Volke sei diese letztere besonders eigen und von ihm in verschiedenen Perioden bethätigt. So namentlich im babylonischen Exil. Die Verhältnisse und verschiedenen Richtungen der Juden in Babylon werden darauf in ihren Hauptzügen skizzirt und zugleich wird dargethan, wie sich mitten im bedrohlichsten Verfalle ein Kern ansetzte, der den Prozeß der Verjüngung begann, aus welchem der zweite Bestand des jüdischen Volkes hervorging. In diesem Häuflein war es der Prophet, den man jetzt gewöhnlich Jesaias II. (Kap. 40—66) nennt, welcher die Erweckung bewirkte und bis zur Begeisterung erhob. Der Verfasser zeichnet nun die Hauptgedanken in den Reden dieses Propheten und bleibt besonders bei dem 53. Kapitel stehen, das er (mit so vielen Erklärern) auf das Volk Israel als „das Messias-Volk" deutet; „auf eine Einzelpersönlichkeit übertragen werde es Caricatur und führe zu romantischer Schwärmerei. — Dieser Aufsatz nun und insbesondere der letztere Ausdruck haben soeben in Wien Veranlassung zu einem sehr eigentümlichen Prozesse gegeben, wie er in seiner Art wohl noch nie vorgekommen und auch nur aus den Verhältnissen, wie sie in der Kaiserstadt vorwalten, erklärt und verstanden werden kann. Im Juni war das Buch erschienen, das Pflichtexemplar an die Preßbehörde abgeliefert und keinerlei Beanstandung eingetreten. Vor kurzem aber enthielt die wiener Zeitung eine belobende Kritik des Jahrbuchs und diese veranlaßt die bekannte „Wiener Kirchenzeitung von Sebastian Brunner" gegen dasselbe aufzutreten und den Aufsatz des Dr. Grätz zu denunciren. Die Staatsanwaltschaft erhob die Anklage und die W. K.-Z. rühmte sich, dies erwirkt zu haben. Verfolgen wir nun den Gang des Proceffes. Die Anklageschrift lautet (nach der „Constit. Oesterr. Zeitung") folgendermaßen: „Im Jahrbuch der Israeliten von 5624 (1863—64)