Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1864)
- Date
- 1864-01-05
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
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Zertg." folgendes Nähere: Die Stabt Debreczin hatte bisher die Verzehrungssteuer in Pacht und verpachtete dieselbe in mehreren Abtheilungen wieder an verschiedene Gewerbetreibende, die einerseits hierbei ein gutes Geschäft machten, andererseits ihren weinproducirenden Mitbürgern, was deren eigenen Weinconsum betrifft, die Verzehrungssteuer erlassen konnten. Bei letzterer Gelegenheit jedoch erklärte die Commune Debreczin auf wiederholte Aufforderungen, die an sie von seiten der Finanzbehörde ergingen, die Verzehrungssteuer nicht mehr in Pacht nehmen zu können, und erst dann wurde eine Licitation veranstaltet, bei welcher drei pesther Israeliten als die Meistbietenden den Pacht erstanden. Den debrecziner Einwohnern, welche unter der früher» Pachtzeit die oben angedeuteten Vortheile hatten, gingen diese nunmehr verloren und der Aerger hierüber machte sich in wiederholt ausgestreuten Drohbriefen Luft, in welchen Preise auf die Köpfe der Juden ausgeschrieben und diesen eine Bartholomäusnacht angedroht wurde, die merkwürdiger Weise an demselben Abend stattfinden sollte, an welchem der Stadt Debreczin zum ersten Male das moderne Licht der Gasbeleuchtung aufging — am verflossenen Montage. Als die debrecziner Israeliten hierüber an competenter Stelle Beschwerde führten und um Schutz baten — war bereits aus Wien der Befehl eingetroffen, für die Sicherheit der Bedrohten alle nöthigen Vorkehrungen zu treffen, und dies ist der Anlaß der oben erwähnten Sicherheitsmaßregeln. <Für die Vorsicht muß man Dank wissen; Gott sei Dank! es waren nur Drohungen.) Pesth, im December. Die ungarische Wochenschrift „Magyar Jzraelita" bringt unter der Ueberschrift „Liberalismus" folgende Notiz: „Aus authentischer Quelle erfahren wir folgenden interessanten Vorfall. Ein Grundbesitzer von bekanntem Namen gebt sein ausgedehntes Gut auf zehn Jahre einem Israeliten in Pacht; indeß können die Vertrags - Documente an Ort und Stelle nicht angefertigt werden und der Grundbesitzer muß zu diesem Zweck nach Pesth reisen. Hier begegnet er dem ersten liberalen Mann unseres Vaterlandes und theilt ihm vertraulich mit, in welchen Geschäften er hier, sei. Herr D. schaudert und bittet den Grundbesitzer, indem er sich auf das Heil des Vaterlandes beruft, seine Absicht nicht zu verwirklichen, denn da» ganze Land komme in Judenhände, wie es bereits mit den Eszterhazh'schen und anderen Gütern der Fall sei. Herr D. ist, das wissen wir, in unserm Vaterlande unwiderstehlich. Der ungarische Grundbesitzer kann daher nichts thun, als sein Wort brechen und sein Gut mit 4000 fl. jährlichem Verlust einem christlichen Pächter übergeben. Nun ist das Vaterland freilich gerettet — aber auch der Liberalismus des Herrn D. . .?" (Das ist wieder einmal ein Specimen des ungarischen Liberalismus! Wenn wir nicht irren, bereutet das D. den H. Deal, den Führer der national-liberalen ungarischen Partei. Was ist nun vom dürren Holze zu erwarten! Es wird in der That den Juden sauer gemacht, Patrioten zu sein und sich hier für die judengehässigen Holsteiner, dort für die judenverfolgenden Ungarn begeistern zu sollen!) Pesth, im December. (Privatmitth.) Der hier seit 1860 bestehende „Verein israelitischer Geschäftsleute zur gegenseitigen Unterstützung durch unverzinsliche Vorschüsse" florirt unter der Direction des Herrn Anton Kurländer und gibt um so mehr Aufmunterung, für andere Plätze dieses Beispiel nachzuahmen. Man weiß, daß gerade derartige Vereine dem Vorurtheile begegnen, als ob die darauf verwendeten Summen einem sichern Verluste entgegengehen, und wir heben deshalb zur Bekämpfung dieser Meinung die folgende Stelle aus dem Berichte hervor. „Wenn die Administration einerseits bemüht sein mußte, durch Herbeiziehung so vieler Mitglieder, als in ihren Kräften gelegen, die Geldkräfte des Vereines zu stärken und so viele Mitglieder als nur möglich an den Wohlthaten des Vereines Theil nehmen zu lassen, so mußte sie andererseits wieder bemüht sein, für die Sicherheit der Darleihen zu sorgen, und vorzüglich darauf bedacht sein, sich über die Verhältnisse und über die Zahlungsfähigkeit der Darleiher genaue Kunde zu verschaffen, um diejenige Klippe zu vermeiden, an der unsrr Unternehmen bei nicht genügender Vorsicht etwa scheitern konnte; und ich glaube, Sie werden, wenn ich Ihnen mittheile, daß wir in diesen 3 Jahren an 779 Personen die Summe von fl. 12,741 ö. W. verliehen, daß wir außerdem fl. 770 ö. W. nutzbringend in die pesther Sparkasse hinterlegten, und daß wir endlich, wie Sie aus dem später Ihrer Genehmigung zu unterbreitenden Anträge ersehen werden, in der erfreulichen