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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-11-13 · Heft 46 (13.11.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Majorität! — Dagegen häli Mahren die Fahne des Fortschrittes hoch; die mährischen Wähler haben überall freisinnig gestimmt, desgleichen fiel die Wahl eines Olmützer Bürgermeisters und Vizebürgermeisters auf zwei fortschrittlich gesinnte Männer, die in ihrer Antrittsrede betonten : Olmütz werde deutsch und fortschrittlich bleiben. — In Prag konstituirte sich in Anwesenheit der Vertreter von dreißig israelitischen Kultusgemeinden Böhmens der Gemeindebund der israelitischen Kultusgemeinden Böhmens und eröffnete den Konstituirungsakt mit der Absendung eines Huldigungs-Telegramms an den Kaiser. Dr. Bendiener erörterte die Ziele des Bundes, dessen nächste Aufgabe eine würdige Begehung des Kaiser-Jubiläums und die Abwehr von Uebergriffen sowie die Sicherung der Stellung der Beamten der israelitischen Kultusgemeinde sein werde. Der Redner wies darauf hin, daß die Judengemeinden stets autonom waren und daß bei ihnen eine Kirchen- Oberbehörde nicht bestehe, sondern daß nur in bewegten Zeiten freisinnige Vereinigungen gebildet wurden zur Wahrung gemeinsamer Interessen. Solche Zeiten bestehen gegenwärtig. Die vermessenen Aeußerungen des modernen Haman in Wien, die Juden zu vernichten, werden am besten durch die, einstimmig erfolgte Wahl eines Juden zum Lord Mayor von London, wie durch den Sieg des Liberalismus in Ungarn widerlegt. — Auf Antrag des Dr. Wilner-Teplitz wurde beschlossen, ein Rechtsschutz- Büreau zur unentgeltlichen Vertretung gegen antisemitische Uebergriffe ins Leben zu rufen. Weitere Anträge wurden den zu wählenden Ausschüssen überwiesen. — Oberbaurath Kareis wurde vom Kaiser zum Hofrathe ernannt. — Dem Kandidaten der Medizin Dr. Emanuel Adler wurde die Promotion sub auspiciis imperatoris gestattet. — Baron Albert R othschild hat der israelitischen Kultusgemeinde in Amstetten den Betrag von 500 fl. zur Errichtung eines Betlokales und Reichstags-Abgeordneter Graf Theodor Andrassy der israelitischen Gemeinde in Galszecs (Zempliner Komitat) 20 000 fl. zur Erbauung einer Synagoge gewidmet. «. Schweiz» o. Zürich, 31. Oktober. Heute hat sich an der hiesigen Universität ein junger Historiker Dr. Georg Caro habilitirt, der sich schon durch, größere Arbeiten über die Geschichte Genuas ,im Mittelalter und durch, mehrere Aufsätze in gelehrten Zeitschriften einen Namen gemacht hat?' Seine Rede zur Habilitation hatte als Thema: die italienischen Städte-r Verfassungen im Mittelalter; er liest ein Colleg über die Geschichte. Italiens. Dr. Caro stammt aus Glogau in Schlesien und ist ein Enkel des bekannten Philologen Dr. Eduard Munck. Amerika» 6. EL New - Uork, 31. Oktober. Als einen Beweis, wie weit die., Bibelkritik sich auf der amerikanischen Kanzel vorwagen darf, zitire ich folgende Stelle aus der Kol Nidre-Predigt des Rabbiners I. Leonard Levy von der Keneseth Israel-Gemeinde in Philadelphia: „Er (der-' Versöhnungstag) ist der heiligste Tag des Jahres. Er ist das Gelübde^ der Treue an unsere Vergangenheit. Er ist der Ausdruck der Hoffnung - auf eine noch größere Zukunft. Und doch, Moses kannte ihn nicht, David, Salomo und der erste Jesaiah haben nie etwas von ihm gehört. * Er wurde erst 1500 Jahre, nachdem Abraham Ur im Chaldäerlande verlassen hatte, eingeführt." — Herr Moritz Eisenberg, der im. Rabbiner-und Schriftstellerberuf scheiterte, geht daran, in Peoria (Jll.),- wo er seine letzte Stellung bekleidete, eine Gemeinde der ethischen^ Kulturgesellschaft zu gründen. — Dem Schwimmlehrer Rudolf Confield (Kohnfeld), welcher in Manhattan Beach, unweit von New-Aork, in den 1 letzten zwei Jahren neun Menschen vom Ertrinkungstode gerettet hatte, wurde von dem New - Iorker Mayor Strong eine goldene Medaillef: überreicht, welche die freiwillige Lebensrettungsgesellschaft ihm zu Ehren hatte prägen lassen. — Dr. Abram S. Jsaacs wurde zum Rabbiner/, von Patterson, New-Jersey, gewählt. — Ein gewisser Butord Overton. wurde in Harlan, Kentucky, hingerichtet. Er hatte einen alten jüdischen Haustrer, Namens Gustav Loeb, und dessen Ehefrau meuchlerisch ermordet. Man erwartete, was in dieser wilden Gegend nicht allzu überraschend gewesen wäre, daß die Mitglieder der Bande, welcher der - Mörder angehört hatte, einen Versuch machen würden, ihn vom GalgenH zu befreien, doch ging alles ruhig vorüber. Es war übrigens nicht die Auflehnung gegen die Hinrichtung des Mörders eines Juden, sondern die Sympathie mit einem Räuber, wie sie in wilden Gegenden vorkommt, welche die Behörden befürchteten. — Herr Julius Fryer, Rabbiner in San Francisco, hat plötzlich seine sofortige Demission gegeben und die Stadt verlassen. Gründe werden nicht veröffentlicht, doch flüstert man etwas von dem bekannten Sprichwort« der französischen Kriminalisten. Herr Fryer ist ein junger Mann und hat seine Stelle erst vor einem.Jahre angetreten. — „Um einem dringenden Bedürfnisse abzuhelfen", hat sich ein Anonymus entschlossen, eine neue jüdische Monatsschrift herauszugeben. Sie heißt H. U. C. Journal und bezeichnet sich als Organ der gegenwärtigen, sowie der ehemaligen Studenten des Uebrsw Union Coltege. Non Nah und Fern. — Dr. Hochfeld von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums ist 'als Rabbiner nach Frankfurt a. d. D: berufen worden. — Der Lehrer und Prediger Goldberg in Steele tritt nach 47 jähriger ersprießlicher Thätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. — Dem Oberbürgermeister Schüller von Koblenz ging eine Mittheilung zu, daß ein Herr S alomon in Hamburg 600 000 Mark ausgesetzt und bestimmt habe, daß die Zinsen dieses Kapitals den Städten Hamburg, Wien und Koblenz ausgezahlt werden. Das Geld soll zu Armenunterstützungen und anderen Wohlthätigkeitszwecken verwandt werden. — In Bonn ist in diesem Semester zwei jüdischen Studirenden, Kand. med. Siegfried Goldschmidt aus Hamm i. W. und Kand jur. Arthur Oppenheimer aus M.-Gladbach die Ehrengabe des Hohenzollernpreises für hervorragende Leistungen zutheil geworden. — In'Ems soll demnächst ein „Mädchen'waisenhaus für Deutschland" geschaffen werden. Beabsichtigt ist, auch für arme Kinder zu sorgen, deren Eltern außer Stande ünd, den Kindern eine gute Erziehung zu geben. Uebrigens sind nichtdeutsche Kinder nicht ausgeschlossen. Das Komitee, dem Mitglieder aus ganz Deutschland, Herr Hirsch in Nottingham und Großrabbiner Zadoc Kahn in Paris angehören, bittet um Unterstützung. Für Frankfurt a. M. nehmen Rabbiner Dr. Horowitz und Stadtverordneter H. Sonnenberg Gaben entgegen. — Auf Veranlassung des Bürgermeisters von Dörnigheim, Lapp, sollte in der Kirche seines Ortes eine Tafel aufgehängt werden, welche die Namen Derer verzeichnete, die um letzten französischen Kriege theilgenommen hatten. Unter den sich anmeldenden Kriegern befanden sich auch die Herren Wolf Steigerwald und Löser Steigerwald, beide jetzt in Frankfurt wohnhaft. Der Geistliche verbot aber die Anbringung der beiden israelitischen Namen. Die Herren beruhigten sich nicht bei diesem Bescheide. Nun ging dem Dörnigheimer Pfarrer seitens des Landrathsamtes in Hanau die Aufforderung zu, beide Herren zu benachrichtigen, daß die Gedenktafel mit ihren Namen in der Kirche aufgestellt wird, was auch bereits geschehen ist. — Frau Baronin von Hirsch in Plan egg hat, wie die „M. N. Nachr." hören, als Beitrag für die erste Volksheilstätte bei Mariaeich, deren Grundsteinlegung neulich seitens des Vereins für die Errichtung von Volksheilstätten in Gegenwart des Prinzen Ludwig von Baiern statlfand, 100 000 Mark gespendet. — Die Bertheilung der im Testamente des Barons Hirsch für wohlthätige Zwecke in Mähren bestimmte Million Gulden findet am 9. Dezember, dem Geburtstage des Verstorbenen, statt. Die eine Hälfte ist für jüdische humanitäre Anstalten, die andere Hälfte für den gleichen Zweck ohne Unterschied der Konfession bestimmt. — Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien hat gleichfalls die Millenniumsschrift des Professors Dr. S. Naschör: „Auswahl von Gedichten nach dem ungarischen Texte des Dichters Reviczky" mittelst auszeichnenden Dankschreibens angenommen und der Bibliothek der Akademie einverleibt. — Herr Alfred Chotzner, Sohn des Rev. Dr. Chotzyer in Belfast, dessen bisherige Universitätskarriere eine glänzende war, hat jüngst sein letztes Examen für den indischen Staatsdienst recht gut bestanden. Derselbe wird infolgedessen seinen hohen Posten in Indien sofort antreten. , Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. °

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