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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-09 · Heft 41 (9.10.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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wurden. Die Rückzahlung konnte aber nicht erfolgen, nachdem für eine* Deckung nicht gesorgt wurde. Es wurde um gerichtliche Sperre des'? Gemeindevermögens angesucht. — Der, Großindustrielle M ans re d.i Weiß, der auch in Berlin eine Patronenfabrik errichtete, wurde durch- Verleihung des ungarischen Adels mit dem Prädikate Csepel aus-! gezeichnet. — Rabbiner Dr, M. Rubinftein aus Mindszent wurde ins Oroshaza zum Rabbiner und Dr. Jakob Singer aus Rozsnyo zum- Prediger und Religionslehrer in Temesvar-Fabrik gewählt. Rußland. 0 Warschau, 6. Oktober. Am 30. vor. Mts. ist hier nach langen: Leiden der Redakteur des „Jzraelita", Samuel Peltin, gestorben/ Es ist dieser Tod ein schwerer Verlust für unser Land: Samuel Peltinwurde 1831 zu Mariampol (Gouvernement Suwalki) geboren und kam' 1865 nach unserer Stadt. Schon als junger Mann, Hatte er eine polnische Grammatik in hebräischer Sprache geschrieben; im Jahre 1865 begann er die Herausgabe der obengenannten Wochenschrift, die er mit heiligem Eifer, mit nicht gewöhnlicher Begabung und mit aufrichtiger Begeisterung für das Judenthum bis zu seinem Tode geleitet hat. Sein Blatt war die einzige in polnischer Sprache erscheinende jüdische Zeit-: schrift, er kämpfte in demselben mit großer Entschiedenheit für dies Reform des Judenthums und für Aufklärung unter den Juden in Polen.. Dadurch ist der „Jzraelita" ein wichtiger Faktor in unserem Gemeinde-! - leben geworden, der viel Gutes geleistet hat. P. selbst schrieb unermüd-! lich und fleißig in seinem Blatte und übersetzte außerdem viele Schriften! wissenschaftlichen und belletristischen Inhalts. In seinem Nachlaß hat man eine Geschichte der Juden in polnischer Sprache gesunden. Das Leichenbegängniß fand am 2. Oktober unter allgemeiner Betheiligung statt. (Mit Samuel Peltin ist ein wackerer Kämpfer, der jüdischen Journalistik dahingegangen, ein vortrefflicher Mann und ein tüchtiger Schriftsteller, dessen Verlust wir aufrichtig beklagen und dessen Andenken! wir in Ehren halten werden. Möge ihm die Erde leicht sein Die Red.)! , Afrika. 3> Tanger, 30. September. Ein furchtbares Unglück hat die! Juden in Fez getroffen. Das ganze Judenviertel ist dort niedergebrannt.! Verschiedene Bewohner desselben sind in den Flammen umgekommen,' viele sind schwer verletzt. Fünfhundert Menschen sind. Nur nothdürstig bekleidet, auf das freie Feld geflüchtet und wagten erst nach 24 Stunden zurückzukehren. Das „Mellach" von Fez. (das Ghetto), in dem etwa 4000 Juden wohnten, war eines der interessantesten, farbenprächtigsten und reichsten Judenquartiere des Orients. Man betrat es von Neu-Fez aus, von dem es eine hohe Mauer trennte, durch einen maurischen Thorweg, der den Ausblick auf eine lange, und schmale Straße bot, in. der sich das, eigenartige Treiben der marokkanischen Juden zusammendrängte. Im Gegensatz zu den kahlen Mauern der Araberwohnungen schmücken die Judenhäuser zahlreiche Fenster, die mit buntgestrichenen Ladenverschlägen verkleidet sind. Oben stoßen .die Giebel dicht zusammen/ wie in den Straßen unseres Mittelalters, so daß man sich , über die Gasse/ hinüber die Hand reichen kann. Während die marokkanischen Jüdinnen an .der Küste zum großen Theil schon europäische Kleidung, angelegt; haben, gefielen sich die mit.Recht wegen ihrer Schönheit berühmten' Frauen von Fez in der kleidsamen, alten, malerischen Tracht, dem kunstvollen Aufputz der schwarzen Haare mit der Haube darauf, dermpräch-'. Ligen, goldgestickten Mieder und dem kurzen bunten . Rock. Für den \ Maler war das Mellach von. Fez eine kostbare Fundgrube von Vor-? würfen, und stets war der Fremde, der es nicht wägen darf, ein Mauren- - haus ohne Einführung zu .betreten, den Juden ein willkommener Gast/" Mit dem Ghetto von Fez rst ein Stück Orient dahingeschwunden, das dem Besucher stets in unvergeßlicher. Erinnerung bleiben wird. . > Non Nah und Fern. ---- Der bisherige Hilfslehrer Dr. Rofenberg ist zum ordentlichen/ Lehrer am Kölnischen Gymnasium/ ernannt und von der Regierung", bestätigt worden. — In Hamburg ist das Testament des kürzlich ver-'' storbenen Kaufmanns I. W. Salomon publizirt worden. Dasselbe enthält außer einer Verfügung zu Gunsten der Wittwe Legate an sechzig - Personen im / Betrage von 2 000 000 Mark. Ferner sind .200 000 - Mark hiesigen und auswärtigen wohlthätigen Vereinen und 1000 000 Mark für eine Stiftung vermacht, wovon die Zinsen von. 800 000 Mark zur Unterstützung milder Stiftungen und nothleidender Personen aller Konfessionen und die Zinsen von 200000 Mark zur Ausbildung begabter Knaben und Jünglinge in Wissenschaft, Kunst und Gewerbe, bestimmt sind. — Der Bischof Wilhelm von Hildes heim, bei dem aus Anlaß seines Doppeljubiläums, wie in der jüngsten Nummer dieses Blattes berichtet worden, eine Deputation der dortigen Synagogen-Gemeinde erschienen war, stattete dem Führer derselben, dem Landräbbiner Dr. Lewinsky, bereits in voriger Woche einen Dankbesuch ab. — In Sachsen sind von 1891-1895 im Ganzen 138 oder 10,84 vom Hundert Juden zur - Landeskirche übergetreten. Dagegen sind 130 Lutheraner in derselben Zeit zum Judenthum übergetreten. — Der ordentliche Professor der Physiologie an der Universität zu Genf, Dr. Moritz Schiff, ist gestorben. Derselbe war einer der hervorragendsten Physiologen der Gegenwart. — In London soll ein ständiges jüdisches Theater ins Leben gerufen werden nach dem Muster der in New-Iork bereits bestehenden. Dort existiren nicht weniger als drei große Theater, deren jedes mehr als 100 000 M. an Miethe pro Jahr zahlt.' Der . Unternehmer ist ein Herr Siegmund Fineman, selbst ein Schauspieler von Begabung, der eine gute Truppe zusammengestellt hat. Die Stücke werden im Liltauer Jargon vorgetragen und das Repertoir erstreckt sich von den klassischen Stücken Shakespeares und Schillers bis zu den modernsten Operetten. — Die jüdische Gemeinde in Perayaslaw hatte um die Bewilligung einer Summe von 16 000 Rubel aus dem jüdischen Fleischsieuerfonds petitionirt, um damit zum Andenken an die Krönung ein Alterversorgungshaus zu erbauen. Diese Petition wurde abgelehnt, dagegen aus demselben Fonds, zu dem doch nur Juden beisteuern, 16000 Rubel für Errichtung eines Mädchengymnasiums in Odessa bewilligt, zu deM Jüdinnen nur in ganz beschränkter Zahl zugelassen werden. — unterrichteten russischen Kreisen verlautet, daß die vor einigen Jahren erlassene Verfügung, wonach die Zahl der jüdischen Studenten auf den Hochschulen das Verhältniß von fünf Prozent der Gesammtzahl der Studirenden nicht überschreiten dürfe, demnächst aufgehoben werden soll! — Aus Konstantinopel schreibt man: Die spanische Judengemeinde von Haskioi richtete an den Sultan eine Eingabe, in der sie feststellt, daß sie von der türkischen Polizei unter Todesdrohungen gezwungen worden sei, an den Plünderungen theilzunehmen. Wie verlautet, wurde der Ortschaft Haskioi deshalb eine Kontribution von 3500 Pfund, in acht Tagen zahlbar, auferlegt. — Der Sultan hat Herrn Frank, dem Inspektor der Ansiedelungen in Syrien, und Herrn Ossametzky, dem Direktor der Kolonie Rosch-Pniah, den Medjidijö-Orden IV. Klasse verliehen. — Für den Hospitalbau in Jerusalem interessiren sich immer weitere Kreise. Ein besonders erfreuliches Zeichen ist, daß die Sammellisten bereits jetzt über 100 000 Mark an solchen Spenden aufweisen, deren kleinste Einzelgabe 500 Mark beträgt. Auch haben verschiedene Wohlthäter den Betrag für eine Bettstiftung oder den für eine Gedenktafel im neuen Hospital, einige auf den eigenen Namen, andere auf den theurer Heimgegangener gespendet. Es ist anzunehmen, daß in wenigen Wochen bereits das zum Bau (derselbe schreitet rüstig voran) erforderliche Kapital vorhanden sein wird. Hoffen wir, daß der an. den verschiedensten Orten entwickelte Eifer für dieses wahrhaft jüdisch philantropische Werk anhält und immer größere Fortschritte macht, so wird auchin nicht allzu langer Zeit .das für den dauernden Betrieb des Hospitals ausreichende Kapital durch die Wohlthätigkeit aller Judep aufgebracht sein. — Herr Sasson Effendi, politischer Direktor und Dolmetscher des Vilajet von Bagdad, hat vom Schah von Persien den Orden zum Löwen und zur Sonne erhalten. — Seit Jahren hat die Insel Rhodos einen Juden zum politischen Direktor. Jetzt ist auch der Präsident des Gemeinderathes der Stadt ein Glaubensgenosse; denn Herr L o as Effendi Menasse, der einer der ältesten Familien von Rhodos angehört, ist neulich zu diesem ehrenvollem Amte , ernannt worden. — Der König von Siam besuchte kürzlich Solrabaya und bei dieser Gelegenheit die großen Diamantengruben von W olf. Zum Dank für den Empfang, der ihm bereitet wurde, hat der König Herrn Wolf eine goldene Uhrkette zum Geschenk gemacht. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. ■

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