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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-09-04 · Heft 36 (4.9.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Auch von anderen Städten sollen diesbezügliche Eingaben bald folgend Aus den Ausgang dieser Bemühungen darf man mit Recht einigermaßen gespannt sein. — Türkei. . - ) Konstantinopel, im August. Sicher dürfte es für viele Ihrer, Leser von Interesse sein, zu erfahren, daß. die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem das alleinige Werk eines Glaubensgenossen, eines Sohnes der heiligen Stadt, ist. Herr Joussouph Navon hat es verstanden, sich zu der Stellung eines allgemein geachteten Mannes und einer bedeutenden Persönlichkeit emporzuschivirigem; Getragen von seinem erstaunlichen Unternehmungsgeiste,, hat. er keine. Mühe gescheut^ um die Erlaubniß zum Bau jenes Schienenweges zu erhalten. Nachdem er das kaiserliche Jradö (Dekret) in Händen hatte, suchte, er im Auslande Leute von Kapital für dieses Unternehmen zu gewinnen.. Sein^ Werk .ist vorzüglich, gelungen. Seitdem haben seine Fähigkeiten auch die verdiente Anerkennung gefunden, der Sultan hat ihm Orden unÄ^ Titel verliehen, und Joussouph Bey Navon genießt jetzt hohes Ansehen im Lande. Kürzlich wurde er vom König von Portugal mit dem Großkordon des Erlöser-Ordens ausgezeichnet. Augenblicklich beschäftigt/ sich Herr Navon Bey mit zwei großartigen Angelegenheiten. Er strebt nämlich bei der Regierung die Gewährung an, Jaffa mit Gas beleuchten und Jerusalem endlich mit einer Wasserleitung versehen zu dürfen. Beide Werke werden für die Städte Jaffa und Jerusalem von hoher Bedeutung, ja im buchstäblichen Sinne des Wortes die Lösung einer Lebensfrage, sein. Hoffentlich gelingt es Herrn Navon Bey, sein Werk glücklich zu Ende zu führen! Aon Nah und Fern. ----- Wegen Beleidigung des Oberhofmeisters Freiherrn v Mirbach ist gegen den Herausgeber des „Deutschen General - Anzeigers", Karl Sedlatzeck, ein Strafverfahren eingeleitet. Beanstandet ist ein Artikel in Nr. 42 des genannten Blattes mit der Überschrift: „Der Juden-> geldsammler für die Berliner Kirchepbauten". Sedlatzeck, der zur Zeit eine .ihm wegen Majestätsbeleidigung zudiktirte Festungsstrafe in, Weichselmünde bei Danzig verbüßt, wurde in letzterem Orte verantwortlich vernommen. — Der „Volkskämpfer", ein im Frühjahr^ unter Mitwirkung des Abgeordneten Dr. Böckel vom Berliners „deutsch - wirthschaftlichen Verband" gegründetes Wochenblatt für die Interessen des kleinen Handwerkers, hat, nachdem er kümmerlich seine'' Existenz gefristet, nunmehr ausgekämpft.. Anfang dieses Monats sind die Büreauräume durch den Gerichtsvollzieher versiegelt worden. Der ' Unternehmer, ein Herr Möbius, soll bei der Zeitung 5000 Mark ein-. gebüßt haben. — Während ein Theil der antisemitischen Presse das ' „Berliner Tageblatt" wegen der gegen den Gouverneur von Kamerun, v. Puttkamer, erhobenen Anklagen heftig angreift, berichtet der' antisemitische „Bad. Volksbote", der (antisemitische) Heidelberger Rechts-, schutzverein habe im Jahre 1884 an das Auswärtige Amt eine Ein-H gäbe gerichtet, um gegen die Verwendung des Herrn v. Puttkamer im Kolonialdienste mit Rücksicht auf gewisse.Vorkommnisse aus seiner Vergangenheit Einspruch zu erheben. Auf diese Eingabe sei keine Antwort? erfolgt. — Die antisemitische „Hannoversche Post" meldet, daß der antisemitische. Abgeordnete Jskraut von Mitgliedern der kirchlichen Gemeindevertretung der Sophiengemeinde zu Berlin aüsgefordert: worden ist, sich für die dein nächst zu besetzende dritte Pfarrstelle dieser Gemeinde zur Wahl zu stellen. Jskraut habe dieser Aufforderung Folge, gegeben und werde am 6. September im Vormittagsgottesdienst eine Probepredigt und Katechisation in der genannten Kirche halten. — Professor Rudolf Virchow, der Präsident des deutschen Reichskomitees für den nächstjährigen internationalen medizinischen Kongreß in Moskaus hat aus Petersburg folgende Mittheilnng an die Berliner Klinische' Wochenschrift gesandt: „Die russischen Konsuln sind autorisirt, di^ Pässe aller — christlichen oder israelitischen — Aerzte zu visiren, welche sich im Jahre 1897 zu dem internationalen Kongreß nach Moskau begeben wollen." Damit ist also die Paßfrage nach den Wünschen deH,^ deutschen Reichskomitees geordnet. — Der Rechtsanwalt Dr. Holdheim/ in Frankfurt a. M., hat den Titel Justizrath erhalten. — Herr'' Rabbiner Dr. Breuer hat dem eifrigen Zureden seiner Freunde nach-r gegeben und sich noch in letzter Stunde entschlossen/ das Rabb.inat ■ der Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. weiter zu verwalten. Inzwischen waren schon die Einladungskarten zur Antrittspredigt in Wien ausgegeben worden. Seltsam, sehr seltsam. — - Oberkäntor. Rosenhaupt in Nürnberg hat dem Großherzog von Baden aus Anlaß des bevorstehenden 70 jährigen Geburtsfestes desselben eine von ihm gedichtete und komponirte Hymne „Gruß dem deutschen Liede" gewidmet. welche von dem Großherzog sreundlichst angenommen wurde, wie aus einem von der Geheimkanzlei dem Komponisten zugegangenen Schreiben hervorgeht. Dem Schreiben war ausdrücklich „zum' Andenken" eine Brillant-Busennadel beigesügt. — Darf ein Rabbiner — Trichinen haben? Diese inhaltsschwere Frage hat vor einigen Tagen der Censurbehörde in Wien Vorgelegen und ist von dieser Instanz verneinend entschieden worden. In dem vom Theater an der Wien zur Aufführung bestimmten Ausstattungsstücke „Der Hungerleider" behandelt eine Koupletstrophe den Eingangs erwähnten Gegenstand. Dre Censur fand jedoch daran keinen Gefallen und strich die betreffende Strophe. — Den Schilderungen der Gemächer der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in ihrem Tusculum in Lainz, welches anläßlich des Besuches des russischen Kaiserpäares zu besonderer Bedeutung gelangt, ist zu entnehmen, daß der Salon der Kaiserin mit der Büste Hein es geschmückt ist. — Die ungarische Regierung hat das Spielen des Lueger-Marsches in den Wirthshäusern des Mattersdorfer Komitates, das fast durchgängig von Deutschen bewohnt wird, aufs Strengste verboten.; Ein Stuhlrichter ging, moch um einen Schritt weiter und setzte eine Strafe von 30 bis l6o fl. für Jeden, der diesen Marsch spielt, aus. — Der Belgrader Bankier Baruch wurde auf der Straße von"Obrenovatz nach Valjevo von sieben Räubern überfallen und nach Abnahme seiner Barschaft von 40 000 Francs wieder freigegeben. — Zur freiwilligen jüdischen Feuerwehr in Lechowitsch (Bezirk Minsk, Rußland) zählen 140 Mitglieder; der Rabbiner Isaak Gedaljah Goldberg ist Vorsteher der Feuerwehr und versieht alle schriftlichen Arbeiten. — Unter 12 485 Aerzten in Rußland befinden' sich 1622 jüdische. — Der ehemalige Präfekt Eugene See und der Oberlieutenant Frebourg in Paris sind zu Offizieren der Ehrenlegion ernannt worden. — Das ehemalige Mitglied der Devutirtenkcunmer, M. Ferdinand Drei)fuß, und M. FinkelHaus, der Herausgeber der „Revue des Revues", sind zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden. Der Inspektor des öffentlichen Unterrichts, zugleich Mitglied des Centralkomitees der ^„Alliance Israölite Universelle“, Eugöne Manuel, ist zum Comthur der Ehrenlegion ernannt worden. Sylvain Lövy und Jules Opvert, beide Professoren an dem College de France, sind zu Schulräthen ernannt worden. — Nach einer Erklärung des Grand Rabbin Zadoc Kahn werden die Pariser Juden sich an den Feierlichkeiten für den Zaren, wie alle anderen Kulten, betheiligen. Die Illumination und Beflaggung der Synagoge als eines öffentlichen Gebäudes bleibt .aber ' der Stadt überlassen. — Zwei junge Leute, die dabei überrascht wurden, als sie Zettel mit der Inschrift: „Kauft nichts von Juden" in den Straßen aufklebten, wurden in Rheims bestraft, desgleichen der Drucker, dessen Name auf den Plakaten ersichtlich war. — Die Neuwahlen des französischen Central-Konsiftoriums finden am 11. Oktober statt. Es scheiden diesmal aus die Herren: Bedarrides, Ehrenpräsident des Kassationshofes und Delegirter für Marseille, Divisionsgeneral Söe, Delegirter für Paris, Eugene Manuel, Generalinspektor des öffentlichen Unterrichts, Delegirter für. Lyon, Dr. Worms für Besan^on, Professor Maurice Levy, vom Institut für Algier, General Abraham für Constantiye. Abermals sind 71 Juden, welche auf dem Rückwege von Argentinien sich befinden, in Konstantinopel eingetroffen und nicht im Stande, ihre Reise fortzusetzen. ' Die russischen Kapitäne nehmen sie nicht an Bord, denn sie haben durch die Auswanderung ihr Aufenthaltsrecht in Rußland und ihre Eigenschaft als russische Staatsbürger verloren. In Saloniki, wo man sie aufnehmen wollte, möchten sie nicht gerne bleiben, vielmehr nach Rußland zurückgehen, es ist aber sehr zweifelhaft, ob sie es erreichen können. . Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max. Bauchwitz in Berlin.

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