Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-28 · Heft 35 (28.8.1896) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228184--53071-3258729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

eines Jeden verausgabt wurden. Die Gesammtsumme beträgt 2000 Fres." > Und am 8 Juli heißt es: „Wie ich es in meinem letzten Brief sägte, warm die meisten Israeliten der geplünderten Ortschaft, namentlich die' Frauen und Kinder,, von den Plünderern entführt und erst gegen Löscgeld zürückgegeben worden; die Kaufsümmen wechselten für den Einzelnen zwischen 25 und 500 Frcs. Es war eine Freude, zu' konstatiren, wie bei diesen Gelegenheiten unsere Glaubensgenossen von Casablanca die Solidarität, welche alle Israeliten verbindet, und die ihre Kraft bildet bei den steten Verfolgungen, nicht außer Acht lassen." Amerika. C. ll. New-Dork, 8. August. Ein Bild.der durch die Einwanderung der letzten Jahre verursachtenNothlage geben die Berichte der Wohlthätigkeitsanstalten in den großen Städten. Der Monatsbericht der UnUeä Uebrew Cboritiss in New-Aork für den Monat Juni weist 3906 Hilfesuchende auf, wobei nur die Familienhäupter gezählt sind, deren Unterstützung einen Aufwand von 12 433 Dollars erforderte. Die Wohlthätigkeitsgesellschaft in Chicago hatte während der abgelaufenen drei 'Monate 316 Fälle zu behandeln, die einen Aufwand von 276 Z Dollars erforderten. — Die am 24. Juli in Chicago verstorbene Frau Henriette N o sen fe l d hinterließ in ihrem Testaments 42 000 Dollars für wohlthätige Zwecke, davon 15 000 Dollars deist jüdischen Hospital und beträchtliche Summen anderen jüdischen Wohch thätigkeitsanstalten in Chicago. Das Waisenhaus in Cleveland erhielt 5000. das Hebrew Union College in Cincinnati 1000 Dollars, -i Bei der Feier des hundertjährigen Bestehens der Stadt Cleveland wurde ein gemeinsamer Gottesdienst aller Konfessionen abgehalten, bdr welcher auch, der Rabbiner Moses I. Gries eine Predigt hielt. — Echt amerikanisch ist auch die folgende Nachricht: Der Rabbiner der Knesset?) Israel-Gemeinde in Philadelphia, I. Leonard Levy, hält in seines Sormnerfrische, in Trevose, Pennsylvania, an jedem Sonntag Abeds Gottesdienst. Zu einem der letzten lud er die Farmer der UmgegeH ein, denen er durch gedruckte Cirkulare anzeigte, da^ er über den m Rücksicht auf die bevorstehende Präsidentenwahl zeitgemäßen Text aüs Exodus 25, 3: Gold, Silber und Kupfer, predigen wolle. — RabbiM ' Dr. Emil G.. Hirsch in, Chicago hielt bei der Eröffnung des muH ' der Universität verbundenen orientalischen Museums die Festrede, in welcher er mit Zugrundelegung des Textes: Bon SonnenaufgangchA Sonnenuntergang ist gepriesen der Name des Herrn, die große Schuld darlegte, durch welche die abendländische Kultur den semitischen Völkern verpflichtet ist. Die meisterhafte Rede wurde mit athemloser Spannung) angehört. — Herr David Feuerlicht, Rabbiner in Owensboro, Kentucky, starb am 3. August plötzlich am Schlagstusse. Feuerlicht war 47 Jahre alt, ein geborener Ungar und hatte seines bescheidenen Wesens) und seines biederen Charakters wegen zahlreiche Freunde. Er hinter-) läßt eine Wittwe und fünf zumeist noch sehr jugendliche Kinder. —)'• Am 27. Juli starb in Reading, Pennsylvanien, der Rabbiner)' Morris Wertheimer, ein Mann, der einen recht merkwürdigen) Lebenslauf hinter sich hatte. Ehe er Rabbiner wurde, war er gemeines - Soldat in der französischen Armee und machte als solcher den Krimkriek) und einige Feldzüge in Algier mit. Non Nah und Fern. ) — Der Kaiser hat dem badischen Hofrath Dr. F. Hecht in Mannheim den Kronenorden dritter Klasse verliehen. — Der Stadt-s rath a. D. Kaspar Lachmann ist,.fast 67 Jahre alt, nach längerem. Leiden am 24. d. M. gestorben. — Pfarrer Witte will nun noch einmal gegen Stöcker Klage erheben wegen des bekannten Brieses) in dem dieser seinem Amtsbruder darüber Vorwürfe machte) daß er sich an einer Eingabe betheiligt habe, die für einen (be-) reits verstorbenen) jüdischen Kommerzienrath den Titel „Geheimen Kommerzienrath" erbeten hatte. — In der Berliner „Heirathszeitu ng"s findet sich u. A. folgende Annonce: „Rabbiner, vr. pdil., 30 Jahre altk mos, berühmter Kanzelreduer, litterarisch tbätig, hübsche Erscheinung) sucht hübsche Lebensgefährtin, Wittwe ohne Anhang nicht ansgeschlossevi im Alter von 20 bis 30 Jahren mit 100 000 Mark Vermögen." Schade) daß man den Namen dieses modernen Mannes'nicht erfahren kann. Das Reichsgericht verwarf die Revision des wegen Betrugs 8u zwxk Jahren Gefängifißverurtheilten Breslauer Antisemiten Fritz Sedlazek, — Der antisemitische Schneidemüller Andreas Lang aus Seibelsdorf wurde wegen Urkundenfälschung bei. der letzen Wahl zum'Reichstag 4893 von^der Strafkämmer zu G i eßen zu fünf Monaten Gefänguiß yerurtheist,— Wie, aus Oldenburg geschrieben wird, hat die Hauptversammlung des dort tagenden Allgemeinen deutschen Sprachvereins in die Vereinsleitung alle bisherigen Vertreter wiedergewählt, mit alleiniger. Ausnahme von Professor Dr. Daniel Sanders, auf den blos 24 Stimmen entfielen, an dessen Stelle Eitzen (Hamburg) trat. Der Vorstand des Sprachvereins ist hiermit „judenrein" geworden. Also Daniel Sanders, der anerkannt eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete n der deutschen Sprachforschung ist, darf nicht in die Vereinsleitung des deutschen Sprachvereins gewählt werden! — In Ausführung der Legate der Eheleute Michel Weil hat das israelitische Konsistorium des Unter-Elsaß beschlossen, nachstehende fünf Tugendpreise auszutheilen: 200 Mark an Frau Wittwe Jakob Strauß zu Weitersweiler; 200 Mark an Herrn Salomon Mod), Vorsänger zu MerzrMler; 200 Mark an Herrn Benjamin Wolf, Vorsitzender der Loeiete mntuelle zu Mülhausen; 100 Mark an Frau Wittwe Marchand -zu Metz; 100 Mark an Frau Wittwe Jablonska zu Schalbach. — Der bisherige Bezirksrabbiner von Floridsdorf, Dr. Reich, folgt einer-Berufung des Tempelvereins für Wieden-Margarethen in Wien. Dadurch ist die bereits vorher annöncirte Stelle erst wirklich frei geworden. — Bei dem internationalen Wettschwimmen in Triest gewann Paul Neumann vom Ersten Wiener Aingteur-Schwimmklub die Meisterschaft auf der Adria. — Ueber den bekannten christlich-sozialen Pater Stojalowski in Lemberg, der auch antisemitische Agitation treibt, hat der Papst die höchste kirchliche Strafe, den großen Bann, verhängt. — In Seraj ewo hat die Generalversammlung der österreichisch-ungarischen Gemeinde Dr. Samuel Funk, auf drei Jahre als Rabbiner gewählt. Herr Funk wird somit der erste deutsche Rabbiner sein, der in Bosnien-Herzegowina sungirt. — Auf seinem ständigen Sommer - Aufenthaltsorte Sch uw al o wo> in der Nähe der russischen Residenzstadt, ist am 5. d. Mts.) der Rabbiner 8er jüdischen Gemeinde zu Petersburg, Jsaac Ol sch wanger, gestorbm — Ein Erlaß des russischen Unterrichtsministers vom 10. Juni Untersagt den Universitäten, jüdischen Studenten zeitweilige Aufenthaltsscheine ftir Moskau auszusteüen. — Der ' Messager des Gouvernement publizirt die Statuten der neuen Ingenieurschule für Wegebauten, die - im Jahre 1897 in Moskau eröffnet werden soll. Einer der ' Artikel dieser Statuten untersagt die Aufnahme von jüdischen Zöglingen. — Die „Neue Freie Presse" bringt ein Telegramm aus Petersburg, daß das dortige argentinische Komitee von den Erben des Barons Hirsch aufgelöst worden sei. Die Nachricht beruht aber wohl auf einem Jrrthum. — In Odessa starb jüngst eine arme jüdische Frau im Alter von 112 Jahren. Sie hinterließ zwei Söhne, von denen der eine 90, der andere 65 Jahre alt ist. Beide sind Lastträgerl — — Es verlautet wieder einmal, daß der Minister für Ackerbau und Do- Manen in Rußland einen Spezialkommissar nach Süd-Rußland entsenden will. Um die wirklichen Zustände auf den jüdischen Äcker b aukvlonien dort zu prüfen. Von den vielen bisher eingegangenen und sich widersprechenden Berichten ist es nicht möglich, sich ein erschöpfendes Bild von dem gegenwärtigen Zustande dieser Schöpfungen früherer hpmanerer Regierungen zu machen. — In Jassy ist am 7. d. Mts. der Primararzt des israelitischen Hospitals, Dr. Bernhard Jaussig, im 60. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängniß fand unter allgemeiner Theilnahme der jüdischen und christlichen Bevölkerung, bei welcher der Verstorbene sehr beliebt war, statt. — Frau Baronin Hirsch hat dem Board of Guardians 2000 L.-St. für die jüdischen Armen in London übergeben. Außerdem hat dieselbe 1M0 L.-St. für das Jewish Convalescent Hoine gespendet — In dem> Blanbuch, welches . das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten dem Parlament in Washington vorgelegt, finden sich energische Proteste des. Staatssekretärs der auswärtigen Angelegenheiten, Olney, iprd des Gesandten der Vereinigten Staaten in Petersburg gegen das Verfahren der russischen Konsuln, die sich weigern, die Pässe amerikanischer Bürger mit dem Visum zur Reise nach Rußland zu versehen, weil diese Juden sind. Von einem Protest anderer Mächte hat man bis jetzt nicht gehört. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz rn Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.