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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-28 · Heft 35 (28.8.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 60. Jahrgang. Ur. 35, Berlin, 28. August 1896. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements - Preis: Durch Buchhandel, P ost oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Red acte ur: Gustav 51 arp et es. Begründet, von Kabbiuer Dr. Ludwig PlhMppson-Konu Verlllgs-GrpeLit'wn: i3erlin, Lernlalemerftr. 48/49 Alle. Zusendungen fllr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der «Allgem. Zeitung des Judenthums-. Berlin Z'lV., Jerusalemer Strahe 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Masse, BerUn. Inhaik. Leitartikel: Noch einmal Argentinien. — Die Woche. — Protokoll der 32? Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. — Im Wendezeichen des Krebses. Von Prof. Dr. E. Deutsch.— Für unsere jungen Mädchen. Von Henriette Hirschoerg. — Feuilleton: Andere Zeiten. Eine Erzählung von Gotthard Deutsch. (Fortsetzung.) — Von der Reisen II. Von G. K. — Das Judenthum. Von Wilhelm Ginsberg. — Litterarische Mittheilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindcbote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg, Aus der Provinz Posen, Kottbus, Naugard, Düsseldorf, Aus der Pfalz, Aus Baden, Wien, London, Warschau, Casablanca, New-Pork. — Bon Nah und Fern. Asch einmal Argentinien. _ Berlin, 25. August. B^^or einigen Tagen ging durch die gesammte Presse'ein sehr abfälliger Bericht, den ein russisch-jüdisches Blatt aus" den Kolonien des seligen Barons Hirsch in Argentinien zuerst veröffentlicht hati Invielen Kreisen herrschte darübereine große Schadenfreude, in anderen herrschte Vesorgniß. Es erscheint, daher zweckmäßig, an der- Hand der vor Kurzein veröffentlichten offiziellen Dokumente die Resultate der argentinischen Kolonisation. zu prüfen, zumal da ja jetzt die Angelegenheit in den Händen eines Komitees .liegt.. Aber wir müssen uns dabei zunächst vor Augen halten, welche großen Erfolge man sich feiner Zeit von diesen Unternehmungen versprach. Durch alle Zeitungen ging damals mnvidersprochen die Nachricht,... daß Baron Hirsch, der großmüthige Wohlthäter, der so Ungeheuere Sunsmen für dies. Unternehmen spendete, mit der russischen Regierung einen Vertrag abgeschloffen, wonach er sich verpflichtet habe, jedes Jahr 25 000 russische Jnd.en nach Argentinien zu übersiedeln. Dort sollten sich die Auswanderer mit ber.Sanbroirtlil^aft beschäftigen, und man hoffe, auf. diese Weise dem größten Theile der russischen Juden aus dem Rayon den. Uebergang zum Ackerbau zu erleichtern wld eine sichere Zufluchtsstätte zu verschaffen. Indessen die Verhältnisse waren stärker als der Wille und die Begeisterung, ja auch stärker als die Geldkräfte des großen Philanthropen. Zwar wurden im ersten Jahr 8500 jüdische Seelen nach Argentinien über- ' siedelt, doch schon nach kurzer Zeit mußte die weitere Auswanderung eingestellt werden und die wirkliche Ansiedlung begegnete Schwierigkeiten, deren Grund zunächst der Mangel an geeigneten.Beamten . war. Außerdem machte sich auch die Abneigung der argentinischen' Bevölkerung gegen stärkere Einwanderung in unangenehmster Weise geltend. Die Direktoren des großen Unternehmens wechselten wieder- ' holentlich- und ein recht großer Bruchtheil der Einwanderer müßte nach kurzer Zeit? nach Nordamerika überführt' werden. HZ ist begreiflich, daß sich an diese Enttäuschungen., allerlei Gerüchte hefteten,' und je länger die erwarteten Erfolge auf sich warten ließen, um so wehr Glauben fanden' die Entstellungen der Wahrheit, die mißgünstige, oft auch sittlich anrüchige Elemente über die entfernte Kolonisation zu verbreiten bemüht waren, wie wir es ja eben wieder gesehen haben. ' . Der vor einigen Wochen erschienene Bericht der „Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft aber doch, daß bei Weitem nicht alle die schlimmen Ansstrcnungen den Glauben verdienen, den sie gefunden haben; freilich auch so bleibt-noch genug zurück, um die Situation des ganzen Unternehmens als eine nicht allzu glänzende zu charakterisiren. Wir wollen im Folgenden versuchen, die wichtigsten Thatsachen zusämmenzustellen, damit der Leser im Stande ist, sich selbst ein Urtheil zu bilden. 1891 wurden nach Argentinien überführt 8500 Inden; die dort hin geschickten Elemente entsprachen aber nach keiner Richtung hin den Wforderungen, obwohl bereits in den Hafenstädten eine Auswahl getroffen war. Die Verwaltung sah sich genöthigt, die ungeeigneten Kolonisten zu entfernen, und so schmolz die Zahl allmälig bis auf ca, <2000 Seelen in 769 Familien zusammen. Durch die im vorigen Jahre neuerdings nach Argentinien gesandten Auswanderer, im Ganzen 480 Familien, stieg die Zahl auf 1222 Familien. Die genaue Seelenzahl giebt der jetzige Bericht nicht an, doch läßt sich dieselbe auf ca. 4000 schätzen: Trotz aller Maßregeln der Verwaltung sind immer noch eine ganze Menge von ungeeigneten Elementen ukter den Kolonisten. (Sineder eifrigsten Bemühungen seitens der Verwaltung ist natürlich darauf gerichtet, diese lästigen Kolouisteu bald zu entfernen. Der Kolonisatiosts-Gesellschäft gehört im Ganzen ein Terrain von 189 023 Hektar gleich 472562 Acres, davon in der Provinz Entre. Rios 150786 Hektar gleich 376965 Acres, in der Provinz Santa Fee 13 237 Hektar gleich 33092 Acres, in der Provinz Buenos Ayres 25000 Hektar gleich 62 500 Acres. Die Kolonisten besitzen davon ungefähr die Hälfte, nämlich 90 000 Hektar, so daß auf jede einzelne Familie rund 75 Hektar gleich 300 Morgen fallen. Es ist über vvn/diesem Terrain. nur der fünfte Theil,- nämlich 18 200 Hektar im Betriebe, und zwar ist 14137% Hektar mit Weizen und 40 727% Hektar mit verschiedenen anderen Feldfrüchten " bestellt, so daß im Durchschnitt die Familie nur 15 Hektar bebaut. .. j Unter der allgemeinen Nothlage' der Landwirthschäft haben auch die argentinischen Kolonien außerordentlich zu leiden gehabt. Die Produktion'von Weizen hat sich sv wenig lohnend erwiesen, daß die Kolönisten nicht im Stande waren, den mit der Verwaltung geschloffenen Kontrakt auf allmälige Rückzahlung der geliehenen Gelder iune zu halten. Es mußte daher die Direktion sichzu wesentlichen Erleichterungen verstehen, gleichzeitig aber kam die Direktion zur Ansicht, daß die Kolonisation nicht ^mehr vom Weizenbau abhängig

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