Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 «Frankreich. s. Paris, 12. August. Ein hübsches Malheur ist unserem anti-' semitischen Bandensührer Monsieur Drumont bei.seiner neuesten Mt» hüllung: Marquis Morös — ein Opfer jüdischer -Rachsucht, passtrt. ' Diese Entdeckung hat Drumont, der Herausgeber der Libre Parole, gemachte In einem offenen Briefe zeigt nun der „Uiiivers Israelite“, was MonsiÄlr Drumont alles zu leisten im Stande ist. Der Brief lautet-: „Der Tod des Marquis Mores bietet Ihnen wiederum Gelegenheit, die Juden der niederträchtigsten Absichten zu beschuldigen. Die Juden , sollen Mores ermordet haben, wie sie einst den Oberst Flatters uno seine Begleiter ermordet haben (in dieser seiner Begleitung befand sich auch der Sergeant Demery, ein notorischer Jude). Aber das Gedächtniß ist eine schöne Sache.und die Logik gleichfalls. Ihnen fehlt beides, und unter diesen. Umständen ist es zum Theil schmeichelhaft für Sie, daß Ihr Judenhaß' Sie jede Erinnerung verlieren läßt für das, was Sie früher geschrieben haben. In „La France juive“, Band I Seite 42, schreiben Sie nämlich-: „Flatters war ein Jude von Geburt und er starb unzweifelhaft als Opfer einer religiösen Idee wie seiner eifrigen Hingabe an die Wissen-. schast!" Und heute ist Flatters ein „Opfer der Juden" geworden. Dieses Citat aus dem Evangelium des Boulevard Montmartre genügt, um an den Fingern herzählen zu können, welche Fortschritte Sie bereits geMatA haben. Man weiß wahrhaftig nicht, was man mehr bewundern soll: die Verblendung Hhrer Leser oder die Unverfrorenheit, mit der Sie denselben blauen Dunst vormachen." Amerika. G. H. Netv-Aork, 1. August. Die Ackerbau-Kolonie in Woodbine, New-Jersey, zwischen New-Jork und Philadelphia gelegen, wurde vorige Woche von den Kuratoren des Baron Hirsch- Fonds inspizirt und in sehr gutem Zustande befunden. Die dort befindliche Männerkleiderfabrik prosperirt und die Ackerbauschule ist gjtf besucht. — Der bekannte Klavierfabrikant William St ein way, eyr Christ, hat auf sein Gehalt als Mitglied einer Eisenbahn-Enquete- Kommission verzichtet und die ihm zugesprochenen 5000 Dollars ckn Wphlthätigkeitsgesellschaften vertheilt. Von jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaften erhielten die-Allgemeine Wohlthätigkeitsgesellschaft 500, das Mount-Sinai-Hospital und das Montefiore-Heim. für unheilbare Kranke je 260 Dollars. — Der jüdische Arbeiterführer Abraham Cahan hat unter dem Titel „Iekl" eine interessante Erzählung aus dem New-Iorker Ghetto veröffentlicht. — In der Hauptstadt von Mexiko soll sich eine Loge des Bene Berith-Ordens gebildet haben. Das wäre die erste jüdische Organisation in dem spanisch redenden Amerika, wo trotz der in den Verfassungen proklamirten Gewissensfreiheit die Juden noch nicht gewagt' haben, den Fanatismus der katholischen Bevölkerung durch eine Gemeindeorganisation zu reizen. — Höchst erfreulich ist das Gedeihen des jüngsten New - Iorker Wohlthätigkeits - Instituts, - des Hebrew Jnfant Asyl um, welches der Erziehung von elternlosen oder verlassenen Kindern gewidmet ist, die noch nicht das nöthige Alter für die Waisenhäuser haben. Das Institut trug bei einem Kostenaufwand von etwa 6000 Dollars für 42 Kinder Sorge. — Das von dem Bne-Brith-Orden gegründete Waisenhaus in Cleveland versendet seinen Jahresbericht. Es verpflegte etwa 500 Kinder bei einem Aufwands von 36 000 Dollars. Non Nah und Fern. . Dem Dirigenten des Philharmonischen Chors, Siegfried Ochs, ist vom Kaiser der Kronen-Orden vierter Klasse verliehest worden. — Dem Geh. Kommerzienrath Herz ist das Kommandeurkreuz des Ordens der italienischen Krone verliehen worden. — Seit Erlaß des Gesetzes vom 7. Juli 1891 sind in Preußen 2828 Rentengüter in evangelischer, 2182 in katholischer und 6 in israelitischer Hand begründet worden. —Die „Deutsche Tageszeitung" macht den Margarinefabrikantesi und uationalliberalen Reichstags-Abgeordneten Mo hr in Altona einsdch zum- Juden. Nach dem Parlaments - Almanach ist derselbe geborener Protestant.— Dem Askanischen Gymnasium ist der „Nat.-Ztg." zufolge von Herrn Gustav Levinstein ein Kapital von 21000 Mark.geschenkt worden.' Von den Zinsen dieses Kapitals soll vom 1. April 1897 ab . einem Schüler dieses. Gymnasiums , der sich einem.Universitätsstudium widmet, ein Stipendium gewährt werden. Die Stiftung hat die landesherrliche Genehmigung bereits gefunden., — Der Kaufmann Simon Spiro in Ostromo istvon dem Stadtverordnetenkollegium daselbst zum Magistratsmitgliede gewählt worden. — Der Lehrer der Zahnheilkunde an dem provisorischen zahnärztlichen Institut'der Universität Breslau, Zahnarzt Dr. Wilhelm Sachs, hat den Titel „Professor" erhalten. — Der Oberkantor der Storch - Synagoge zu Breslau, A. B. Spiro, feiert am 22 .August sein 2Zjähriges Amtsjubiläum. Derselbe ist 63 Jahre alt, trotzdem ist seine Stimme noch voll und wohlklingend. Spiro ist streng fromm, wohlthätig und allgemein bebelicht. — Die in der letzten Nummer enthaltene Notiz über das Breslauer Wettschwimmen muß dahin berichtigt werden,-das. allerdings Herr Paul Neumann, der'ja von den olympischen Spielen als Meisterschaftsschwimmer rühmlichst bekannt ist, vortreffliche Chancen hatte, einen der ersten Preise zu erringen, doch gerieth er leider, da er mit den dortigen Stromverhältnisseu nicht vertraut ist, aus eine Buhne, weshalb er auf die weitere Theilnahme an der für ihn so aussichtsreichen Konkurrenz verzichten mußte. - Der Privat-Dozent der Chemie Dr. Ed inger ist zum außerordentlichen Professor an der Universität Freiburg i. B. ernannt worden. — In Brezany (Galizien) befindet sich ein Obelisk zum Andenken der im Kriegsjahre 1866 gefallenen Kr ieg er.aus dem 55. Infanterie-Regiment. Von den 68 namhaft gemachten, auf dem Felde der Ehre gebliebenen Soldaten sind 22 Juden. Sämmtliche den Heldentod Gestorbenen sind auf demObelisk, nach dem Alphabet geordnet, verzeichnet. — Nach der Zeitung, „Wolga" giebt es in der Provinz Wolhynien allein 2142 Juden und 2111 Jüdinnen, die ausschließlich dem Ackerbau obliegen. Und dennoch! — Im großen Saale des Dogenpalastes zu Venedig, dem ^italienischen Pantheon, wurde dem Geschichtsschreiber Samuel Romanin ein - Denkmal errichtet. — Professor Dr. Bernheim in Nancy ist einstimmig zum Präsidenten des dort tagenden medizinischen Kongresses ■ gewählt worden. —. Die Minister des Krieges und der Marine in Frankreich haben bereits Ordres erläfsen, daß den jüdischen'Soldaten vöm 7. bis 10. September,' vom 16. September- Abends bis zum , 18. Abends freigezeben werde. — Der Sultan hat dem Dr. S. Schwarz in'Konstantinopel den Medjidje-Orden III. Klasse verliehen. Ferner hat die Gemahlin des Leibarztes der Sultans, Dr. Eliias-Pascha, den Großkordon des Schefakat-Ordens erhalten und Dr. Jacques Bey Nissim, der Operateur des dritten Armeekorps in Salonich, ist in Anerkennung seiner hohen Verdienste um den Staat zum Brigadegeneral befördert worden. — Mr. F. D. Mocatta hat dem Jews College in London ein kostbares Geschenk gemacht. Er hat aus der Hinterlassenschaft des verstorbenen Baron Julian Goldsmid, seines. Schwagers, das berühmte historische Gemälde von S. A. -Hart erstanden, das die Konferenz zwischen Menasseh ben Israel und Cbomrvell behufs Wiederzulassung der Juden in England zum Gegenstände hat. — Baron v. Hirsch hat vor seinem Tode angeordnet, daß jedem Kolonisten in Argentinien 25pCt. von seinen an die Administration für das Land, Haus u. s. w. zu zahlenden Beträgen geschenkt sei. Das macht für den geringsten Kolonisten 2000 Pesas. — Die Kolonisten beschlössen, alle Knaben, die im Trauerjahre geboren werden, Moses Hirsch zu nennen. — In Italien ist eine Subskription zu dem Zwecke eröffnet worden, . einen jüdischen Prediger nach der italienischen Kolonie Erythrea zu senden. Im Falle des Gelingens dieses Projektes wird es nicht schwer sein, sich mit den noch lebenden Falashas (den eingeborenen abeffynischen Juden) in Verbindung zu setzen, um Näheres über diese interessante Sekte zu erfahren. — In St. Mary (Amerika) ist A. Urbansky zum Bürgermeister gewählt worden. — In Milwaukee ist der frühere Rabbiner E. Gerechter zum Professor für Deutsche Litteratur und Hebräisch an der Lawrence Universität' in Appleton ernannt worden.Fräulein Matilda Cohen hat dje Würde eines Baecalaureus der Künste von der Universität zu Calcutta erhalten-;. Fräulein Rachel C o hen hat das Examen, für Medizin Und Chirurgie an derselben Universität bestanden und 'das Recht/ihre Praxis in allen englischen Staaten auszuüben/erhalten. Druck und Verlag von.Rudolf Mofse in Berlin.' Verantwortlich für die Redaktion/Max'Bauchwitz in Berlin.