Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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60. Iahrzgans.;13r BO. Kerlin, 24. I«U 1896. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements. Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedaeteur: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner 21*- Ludwig Phittppson-Konn Verlags-Expedition: Lerlin, Lerufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Berlag der .Allgem. Zeitung des Judenthums', Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Leitartikel: Praktische Resultate. II. — Die Wocbe — Protokoll der Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer m Schlesien und Posen und deren Unterstützungskasse. — Bitderschmuck in der Synagoge. Von Dr. Leopold Goldschmied. — Sützkind von Trimberg. Von Dr. Richard M. Meyer. — Friedrich Hebbel und die Inden. V. Aon Dr. Adolph Biack. —Feuilleton; Andere Zeiten. Eine Erzählung von Gotthard Deutsch. (Forts.) — Litterarische Mittheilungcn. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Tborn, Hannover. Köln. Stuttgart. Strahbnrg i. E.. Wien. Paris, London. Jassy. Petersburg. New-Iork. — Bon Nah und Fern. — MiSccllen. Praktische Kesultatr. n. _ Berlin, 21. Juli. haben schon in unserem ersten Artikel gesagt, daß der letzte Gemeindetag außer der Entscheidung über den allgemeinen Religionsunterricht auch noch eine andere wichtige Frage znr Erörterung und hoffentlich auch zur Lösung gebracht hat. Cs ist dies die Begründung von Bezirks-Gemeinde- Verbänden. Wir halten, diese Institution für eine sehr segensreiche, und wie die Debatten ergeben haben, hoffen auch die Delegirten der verschiedenen Provinzen auf eine gedeihliche Wirkung dieser Verbände, durch welche endlich die von allen Seiten gewünschte Decentralisation der Arbeiten des Gemeindebundes herbeigeführt werden würde. Zweck dieser Verbände soll die wirksame . und einheitliche Förderung gemeinsamer Interessen der israelitischen Kultusgemeinden, ganz besonders aber die Einrichtung und Erhaltung eines würdigen und sachgemäßen Religionsunterrichtes für alle jüdischen Kinder Deutschlands sein. Zu diesem Zwecke müßten die größeren und zahlungsfähigeren Gemeinden den kleineren und schwächeren zu Hilfe kommen, und zwar entweder durch Subventionirung ständiger Religionslehrer oder durch Bestellung von Wanderlehrern, und endlich durch Regelung der Inspektion des israelitischen Rellgionspnterrichtes. S3efanutlt(^ egiftitren solche Verbände schon in Westfalen, Schlesien, Ostpreußen und Baiern. Es. kämen nun noch hinzu erstens in Preußen jede Provinz, jedoch mit der Maßgabe. daß, wo räumliche Ausdehnung und Bewohnerzahl, die Bildung mehrerer Verbünde' in einer Provinz wünschenswerth erscheinen lassen, solche eintreten kann; zweitens in den größeren und mittleren Bundesgebieten jeder Staat.. Zu den Kosten ihres Verbandes müßte jede Gemeinde natürlich einen bestimmten j[a^rlid;en IBeitrag leiften. - Es ist selbstverständlich, daß der Ausschuß des Deutschisraelitischen Gemeindebundes immer die Centralstelle für särnmttiche Landes- und Provinzialverbände bilden würde. Die Aufgaben dieser Ceutralstelle werden aber folgende sein: a) solche Fragen zu begutachten, die die Interessen und Bedürfnisse sämmtlicher Verbände betreffen, und überhaupt jedem Verbände auf Wunsch sachgemäßen Rath zu ertheilen; b) die Beziehungen und das Einvernehmen zwischen den einzelnen Verbänden zu fördern; c) solchen Verbänden, die sich für ihre Aufgaben materiell zu schwach erweisen, mit Geldmitteln nach Maßgabe der vorhandenen Fonds zu Hilfe zu kommen. Schon der sechste Gemeindetag hat die Frage der Bezirksverbände angeregt, und' der Ausschuß hat sich inzwischen redlich bemüht, diesen Beschluß zur Ausführung zu bringen. In der That ist es unmöglich, von Berlin aus die Bedürfnisse der zahlreichen kleinen Gemeinden und Gruppen, die über das ganze deutsche Vaterland verstreut sind, zu erkennen und zu beurtheilen. Es fehlt dem Ausschuß auch au Organen und Geldmitteln, um diesen Bedürfnissen überall in geeigneter und ausreichender Weise Genüge zu thum Wir erinnern nur an die überaus schwierige Aufgabe der Organisirung und Jnspizirung eines guten und wirksamen Religionsunterrichtes in den. kleineren und finanziell schwachen Gemeinden. Hier, wie für viele Gesammtinteressen, können nur lokale Organisationerl in annähernd erschöpfender Weise aushelfen. Es handelte sich aber nicht darum, auf die zu bildenden Verbände irgend einen Zwang auszuüben, sondern nur darum, eine Art Musterstatut, Leitsätze aufzustellen, die der Genreindetag znr Befolgung empfohlen hat. Auf Grund der so gestalteten Leitsätze und Mit erneuter Sanktion der Vertreter der ganzen deutschen Judenheit ausgerüstet, wird nun der Ausschuß mit allen zweckdienlichen Mitteln die Organisirung der Bezirksverbände anregen — hoffentlich mit dem Erfolge, den die Angelegenheit verdient. Hat sich ja gerade in den letztverflossenen Jahren das Bewußtsein der Notwendigkeit zumal für den Religionsunterricht der. kleineren israelitischen Gemeinden., bessere .Fürsorge zu treffen, aller Welt aufgedrängt. Als Vereinigungspunkt für die verschiedenen Bezirksverbände ist, wie gesagt, eine Centralstelle dringend erforderlich. Sie muß den Einzelinteressen gegenüber die Gesammtinteressen der deutschen Judenheit vertreten, aus Wunsch Rath nnd Auskunft ertheilen, den Mittelpunkt der ganzen einschlägigen Statistik bilden, auch im Stande sein, 'finanziell schwächeren Verbänden zu Hilfe'zu kommen. Die Centralstelle muß hierfür mit Geldmitteln ausgestattet werden. Sie .soll durchaus nicht herrschen und befehlen, sondern Dienerin und Vermittlerin für die Bezirksverbände sein. Dieses Bedürfnis ist von den verschiedenstell Seitenanerkannt worden. In der Generalversammlung des „Rheinischen Rabbmerverbandes" vom 19. April d<J.: gewann sogar die Ansicht Geltung, daß eine endgiltige befriedigende Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes an den höheren