Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1896)
- Date
- 1896-07-17
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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doch nicht; erlischt. Es steuerten gleichmäßig bei die Reichenvon Paris,' London, Frankfurt und Berlin. — Uebrigens fehlt es in Konstantinopel selbst auch nicht an unermüdlich wohlthätigen Personen. So hat die? Frau des Augenarztes Elias Pascha jüngst ein Geschenk von 1000 Franken: . für das vom Sultan gegründete Armenasyl gemacht. — Ueber die jüdische Bevölkerung von Aden bringen Konstantinopeler Blätter in Mittheilungen, aus Jemen einige interessante Nachrichten. Danach leben in Aden etwa dreihundert Juden, welche dieselben Sitten, Gewohnheiten und dieselbe Sprache haben, wie die Beduinen von Jemen: -Der einzige äußerliche Unterschied besteht darin, daß die Beduinen jener Gegend im Allgemeinen völlig nackt gehen, während die Juden vom Kopf bis zu den Füßen einen Burnus tragen und eine eigenartige Koiffüre besitzen. Als Distinktionszeichen haben sie an jeder Seite der Wange zwei lange Haarlocken. Die von ihnen am meisten ausgeübten Gewerbe und Handwerksarten sind die von Schneidern, Schmieden und Töpfern. Von der hebräischen Litteratur kennen sie blos die Bibel, den Schulchan Aruch, welche Rabbi Joseph Karo von Nicopolis im 15. Jahrhundert verfaßt hat, und endlich den sogenannten Ein-Iaakob, welchen der Konstantinopeler Rabbi Jakob ben Habib im 16. Jahrhundert geschrieben. Amerika. 8^ 8. New-York, im Juli. Die jüdische Litteraturgesellschaft Jewish Publication Society of America hielt am 14. Mai ihre zweijährige Generalversammlung in Philadelphia unter dem Vorsitze ihres Präsidentendes Herrn Morris Newburger ab. Die Einnahmen während der abgelaufenen Periode betrugen 29 875 Dollars; die Ausgaben 25122 Dollars. Die Mitgliederzahl ist, wenn auch nicht erheblich, gewachsen. Die Gesellschaft hat während ihres achtjährigen Bestandes 75 000 Bände ausgegeben. Ihre letzte Veröffentlichung ist ein Nachdruck der ursprünglich im Verlage von Maemillan und Comp, erschienenen Essays von S. Schechter, Lektor in Cambridge, unter dem Titel: Stuciies in Judaism. Gegenwärtig plant die Gesellschaft eine neue Uebersetzung der Bibel ins Englische, da die bisher gebräuchliche von Jsaac Leeser weder in exegetischer^ noch in sprachlicher Beziehung den Anforderungen genügt. Es fehlt je-, doch nicht an warnenden Stimmen, die darauf Hinweisen, daß es unmöglich ist, mit den ausgeworfenen Mitteln (10—12000 Dollars) und den zur Verfügung stehenden Kräften das Werk der englischen Pibel- Revisoren zu verbessern. Aus diesem Grunde haben die englischen Gelehrten die Betheiligung abgelehnt. Zur Zeit hat die Gesellschaft einen Preis von 1OOO Dollars für eine gute Jugendschrift ausgesetzt, weil es auch in Amerika gerade daran ani meisten fehlt. Endlich ist ein neuer, echter Saulus gefunden. Die reformirte Presbyterianer-Kirche, auch Covenanter Churck genannt, welche die legitime Nachfolgerin der schottischen Puritaner zu sein behauptet, hat einen Judenmissionär, Namens Louis Meyer, in ihren Sold genommen. Herr Meyer ist aus Mecklenburg gebürtig, sollnach glänzendem medizinischen Studium in Halle eine hervorragende Stelle als Schiffsarzt bekleidet haben, und aus Liebe zu dem Erlöser- . der für ihn am Kreuze starb, Vaterland, Familie und die glänzendsten //^materiellen Aussichten verlassen haben, um dem in Finsterniß sitzenden ^olke das große Licht zu bringen. Herr Meyer klagt bitter über die Reformjuden, welche zu ihren Propheten sprechen: Ihr habet Lügen verkündigt im Namen des Herrn, aber er hofft auf Erfolg unter der^ armen, russischen Juden. Er selbst kann zwar noch nicht hebräisch lesen, aber da er aus dem Seminar der Presbyterianer in Alleghany) Pennsylvania, studirt und von den dortigen Professoren auf Grund der Regeln der Kirche erwartet wird, daß sie hebräisch verstehen, wird Herij Meyer wohl in Kurzem „die Blindheit, welche Israel widerfahren, bis die Fülle der Heiden eingegangen ist", heilen. Kennen Sie das Chassis dim-Lied: „Oi, wie derlebt man schon does!" -- Das Hauptereigni^ der religiösen Saison ist die Konfirmationsfeier am Pfingstfestes Diese Feier ist ein wesentliches Ritual des Schabuothfestes geworden^ und auch streng konservative Gemeinden, haben sie adoptirt. In den v liberalen Gemeinden leiten die Konfirmanden den Gottesdienst, lesen auH der Thora, rezitiren ihre Sprüche, sprechen Gebete, welche für diese Ge< legenheit geschrieben sind, u. s. w. Bei dieser Feier herrscht, vollständigä , Gleichberechtigung beider Geschlechter. Leider hat die schöne Feier durchs Prunksucht manche.Beeinträchtigung erfahren, besonders anstößig ist dass allgemein gefeierte ,;Blumenopfer^d. i.^dys/Niederlegen von Blumeni sträußen an der Bundeslade, ein geradezu heidnischer Ritus. - Auch bei dem' Konfirmandenunterricht kommt es zu viel auf die-Dressur für die Schaustellung, Deklamation und Toiletten an,' als daß ein nachhaltiger Effekt erwartet werden könnte. .Die Besuche und Geschenke nehmen auch einen solchen Umfang an, daß die Gefahr einer Reaktion vorliegt, die nicht , den Luxus, sondern die ganze Institution treffen dürfte. Nicht selten werden auch die Kinder in einem, so frühen Alter konsirmirt, daß die Konfirmation durch frühzeitige Entziehung der Kinder von dem - Religionsunterrichte Schaden stiftet. rnk. Cincinnati, 25. Juni. Die jährliche Generalversammlung des Kuratoriums unseres Rabbinerseminars, des Hebrew Union College, fand am 2. Juni statt, wobei der Jahresbericht des ehrwürdigen Präsidenten des Seminars, Dr. I. Wise, zur Verlesung-gelangte. Die älteren Mitglieder des Lehrerkollegiums und ebenso der erst seit einem Jahre in seiner Stellung wirkende Professor Caspar-Levias wurden sämmtlich wiedergewählt. Die Seminarbibliothek erhielt im letzten Jahre reiche Geschenke, u. A. von der „Gesellschaft für 'jüdische Geschichte" durch ihren Sekretär Dr. Cyrus Adler, von Dr. G. Deutsch und von Dr. Max Margolis seine „Anmerkungen zu Jeremias". Für die Samuel Adler-Bibliothek hat ein Anerbieten einer Firma aus Berlin im Sinne des Testators stattgefunden, es betrifft 39 Bände des „Litterarischen Centralblatt", für den Ankauf derselben hat der Vorstand 200 Mark bewilligt. Non Nah und Fern. — Bei der diesjährigen Verkeilung der Preise für wissenschaftliche Arbeiten an der landwirthschaftlichen Hochschule erhielt der Student der Landwirtschaft Samuel Roisenblit aus Akermann in Rußland einen Preis für eine Arbeit aus dem Gebiet des landwirthschaftlichen Betriebes. — Die Beerdigung des in den Alpen abgestürzten Dr. phil. Kaufmann, des Herausgebers der „Zeitschrift für immanente Philosophie", hat am Mittwoch auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee stattgefunden. — Herr M. Schidorowski ist von der Synagogen- Gemeinde in Tilsit zum ersten Kantor gewählt worden. — In Rostock fand am Sonnabend, den 4.d. Mts., die Einsegnung von drei Knaben und vier Mädchen statt. — In Fritzlar fand am 10. d. Mts. die Grundsteinlegung für die neue Synagoge statt. Ein Schulhaus steht bereits im Rohbau fertig. — Die Hinterlassenschaft des verstorbenen 'Baron Hirsch beziffert sich, soweit das bewegliche Vermögen^in Betracht kommt, auf rund 114 Millionen Fraucs. Die Summe ist als Resultat der Verlassenschaftsverhandlung sestgestellt worden, welche vor dem Brünn er Landgericht nunmehr zum Abschluß gekommen ist.. Davon sind Depots bei Warschauer u. Co. in Berlin 24»/^ Millionen, bei der Baierischen VerkehrDbank zu München 22/^ Millionen Francs. Das Haus Lange u. Teutsch in Paris hat gegen Faustpfand einen Vorschuß von rund 19*/io Millionen erhalten. Die Guthaben bei verschiedenen anderen Banken betragen 97j10 Millionen. Das Gericht setzte die verwittwete Baronin Hirsch als Universalerbin ein. — Zu dem vom Kultusminister Dr. Bosse in Karlsbad gegebenen Abschiedsesfen war auch unser Mitarbeiter Julius Stettenheim geladen. — Unter den Ausstellern in den Pariser Salons befinden sich Madame Arsöne Darmesteter, Maria Moeotta, Lucy Nathan, Joseph und^Catberine M. Cohen. — Leopold Bernstein, der bekannte russische Bildhauer, sandte Büsten von Brisson, dem Präsidenten der Deputirten-Kammer, und dem verstorbenen Kompositeur Ambroise Thomas ein. — Eine seltene Auszeichnung wurde, einer jüdischen Lehrerin zu Theil. Frau Mathilde Salomon^"Directrice am College Sevignö, wurde zum Mitglieds des Oberrathes für öffentlichen Unterricht ernannt. — Von großer Tragweite für die Juden in Polen und in den westlichen Gouvernements ist der jüngste, kaiserliche Ukas, modern die Erzeugung und der Handel mit spirituösen Getränken dem Privatverkehr entzogen und in ein Sdaatsmonopok umgewandelt wird. Da in unterrichteten Kreisenverlautet, der , Grund/für ,diese Maßregel wäre lediglich die Beseitigung der sich in , den Schnapsschenken ausbreitenden sozialdemokratischen. Propaganda,..'fo richtet die Einführung des Monopols ihre > Spitze nicht gegen/die. Juden, kann denselben indeß geschäftlich großen Schaden zufügen.. Druck, und Verlag pön R udo l,f Mos sein. Berlin.? Verantwortlich für die Redaktion-Max Bauchwitz in Berlin.