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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-06-19 · Heft 25 (19.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr 25. M ÜAAtH MMO S-rtin. 19. Inm 1896. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 60. Jahrgang. Ur 25. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Postoder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner Dr Ludwig Philippson-Konn. Verlags-Expedition: Gerlin, Jerufalemerftr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und l Expedition sind an die Adresse: Verlag der! „Allgem. Zeitung deS Judenthums*, Berlin I Jerusalemer Straße 48/49 zu richten, i Verlag von Rudolf Masse, Berlin. I Inhalt. Leitartikel: Zum siebenten Gemeindctcige. — Tie Woche. — Jahresversammlung deS Vereins israelitischer Lehrer von Rheinland und Westfalen. - Armenpflege. Von Regina Neisser. - Schulzucht. V. Von Max- Golde. — Die soziale Frage und das jüdische Aliertbum. Von Tr. He irr r ich Levv. — Feuilleton: Jüdische Märchen: Der seltsame Orach. (Fortsetzung.) — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Cnlm. Aus Oberschlesien. Hannover. Karlsruhe. Gießen. Wien. Warschau. - Bon Nah und Fern. Aum siebenten Grmemdetage. Berlin, 16. Juni. m nächsten Sonntag wird hier der siebente Gemeindetag stattfinden. Wir freuen uns dessen aufrichtig und begrüßen . die Delegirten der jüdischen Gemeinden Deutschlands ans das Herzlichste. Mit dem gedeihlichen Wachsthlim des Gemeindebundes, das wir aufmerksam verfolgt lind registrirt haben, wächst auch die Bedeutung des Gemeindetages, der allen Mitgliedern des Blindes die Gelegenheit bietet, ihre Wünsche, Bitten, Mahllungen und Warnungen an der rechten Stelle auszusprechen. Das Votum des Gemeindetages ist von prinzipieller Bedeutung, und diese Bedeutung steigt in dem Maße, wie die Zahl der Gemeinden sich mehrt, die durch Delegirte auf dem Gemeindetage vertreten sind. An anderer Stelle veröffentlichen wir die Tagesordnung. Schon eine flüchtige Uebersicht läßt erkennen, daß auch diesmal die Frage des obligatorischen Unterrichts den Mittelpunkt der Debatten bilden wird. Nicht weniger als vier Anträge beschäftigen sich mit dieser Frage, hinter der alle anderen Anträge an Bedeutung selbstverständlich weit zurückstehen. Auch der sechste Gemeindetag, der am 27. März 1892 hier stattgeflmden, beschäftigte sich hauptsächlich mit dieser Frage. Im Verlailf der zum Theil sehr erregten Debatten stellte sich eine eigenthümliche Konstellation heraus: Anhänger und Gegner des obligatorischen Religionsunterrichtes scheiden sich nämlich durchaus nicht nach den religiösen Anschauungen. In der That hat die Frage auch wirklich nichts mit Orthodoxie oder Reform zll thun. . Sie ist heute fast nur noch eine Frage der Opportunität! Der sechste Geuieindetag nahm damals folgende vermittelnde Resolution an: „Der. sechste Gemeindetag erklärt.die Einfügung des obligatorischen Religionsunterrichtes^ in den. Lehrplan der höheren Schulen für eine unerläßliche Forderung und beauftragt dem Ausschuß, die Frage, in welcher Weise dieser Anspruch wirksam zu verfolgen ist, zu prüfen und über die Ergebnisse demnächsten Gemeinde-; tage zu berichten." Wir haben also diesmal den Bericht des Ausschusses und dessen prinzipielle Erklärungen über diese das gesammte deutsche Judenthum bewegende Frage zu erwarten. Wir können natürlich nicht wissen, welchen Antrag der Ausschuß den Religionsunterricht betreffend einbringen wird, da der Wortlaut desselben in der Tagesordnung nicht verzeichnet ist; nur dieses Eine können wir schon heute erklären, daß die Anträge 13 und 15 der Tagesordnung, daß der jüdische Religionsunterricht unter staatliche Aufsicht gestellt werden möge und daß derselbe in höheren wie in niederen Schulen als obligatorisch einzuführen sei, daß endlich der Gemeindebund bei-den Staatsbehörden wegen Uebernahme der Kosten vorstellig werden möge, einer lebhaften Opposition begegnen werden. Die Frage ist spruchreif, sie kann nur noch durch Majoritäten . entschieden werden, denn Freunde und Gegner stehen sich schroff -. gegenüber. Aber es giebt auch in dieser Frage einen Mittelweg, auf dem sich Freunde und Gegner des obligatorischen Unterrichts bei einigermaßen gutem Willen und angesichts der drohenden Gefahren wohl zusammenfinden können. Wir haben schon im Jahre 1894 (Nummer 42), als diese Frage in Berlin zum Schibolet der Gemeindewahlen gemacht wurde, und seither noch öfter den folgenden Vorschlag gemacht, den wir auch heute wieder der sorgsamen Erwägung aller betheiligten Kreise anheimstellen: „Man petitionire bei der Regierung darum, daß an öffentlichem Lehranstalten der Religionsunterricht ertheilt werden müsse, und zwar womöglich in denselben Stunden, welche im Lehrplan für den christlichen Religionsunterricht angesetzt worden sind. An diesem Religionsunterricht theilzuuehmen, soll aber kein Kind gezwungen werden. Um jedoch lässige oder gar schlechte Eltern an ihre Pflicht zu mahnen und andererseits jeden Gewissenszwang zu vermeiden, sollte seitens der Schule von jedem Kinde, das an dem Religionsunterricht nicht Theil nimmt, der Nachweis über anderweitig. emipfangenen Religionsunterricht verlangt werden." (1894 S. 494.) So schrieben wir damals, und dies ist auch heute noch unjere Ansicht. Ja, heute noch mehr als damals, nachdem wir-gesehen haben, welchen Erfolg der fakultative Unterricht an einzelnen höheren Lehranstalten in Berlin im letzten Jahre gehabt hat. Soll das Jndenthum aus den Stürmen dieser Zeit unversehrt ,hervorgehen, so müssen wir unseren Kindern einen Religionsunterricht geben, der sie stark und muthig macht allen.Gefahren gegenüber, der -sie für den Glauben Israels und seine Sendung begeistert. Darüber sind wir alle einig, und an diesem Punkte muß der Hebel eingesetzt werden, der die schlummernden Kräfte in Bewegung bringt.' Aber es sind, auch noch andere wichtige Fragen, die den De- Mejndetag beschäftigen werden. Wir können uns auf das Meritorische -dieser Fragen heute nicht näher einlaffen. Aber in Bezug auf di

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