Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-29 · Heft 22 (29.5.1896) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228171--52848-3258493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

von Rossini aus. Mit einer Ansprache des Großrabbiners von Besantzon Auscher und einem Gebet unseres Rabbiners fand die Feier einen würdigen Abschluß. Am Abend fand ein Bankett statt, an dem 350 Personen Theil nahmen ' und bei dem es an geistreichen Toasten und künstlerischen Aufführungen nicht fehlte. Unsere Gemeinde darf auf diese Tage mit Stolz zurückblicken; sie werden.all Denen, welche sie miterlebt haben, unvergessen in der Erinnerung fortleben. Frankreich. Paris, 24. Mai. Die Beerdigung des Professor Germain Söe fand am 17. dss. unter allgemeiner Betheiligung statt. Am Grabe sprach der Großrabbiner von Frankreich Zadoe Cahn und hob besonders hervor, wie der Verstorbene stets allen Angriffen und Verleumdungen des Judenthums entschieden entgegengetreten sei. Sicher ist noch in Aller Erinnerung, wie scharf er vor einigen Jahren in der medizinischen Gesellschaft dem Dr. Javal entgegengetreten, weil dieser behauptet hatte, die Juden glaubten nicht an die Unsterblichkeit der Seele. — Auch noch ein anderer hervorragender Glaubensgenosse ist in dieser Woche gestorben, der General Aime Lambert. Derselbe wurde 1825 als Sohn einer armen Familie in Nancy geboren und trat als einfacher Soldat am 1. Juli 1848 in die französische Armee ein. 1853 wurde er Sekondelieutenant, 1858 Kapitän, 1867 Bataillonsches, 1870 Oberstlieutenant, 1872 Oberst, 1877 Brigade-General, 1883 Divisions-General, seit 1894 in Reserve. Sein Begräbniß war ein sehr einfaches; er hatte sich selbst alle Blumen und Kränze verbeten. — Am 13. d. Mts. ist hier auch noch ein drittes, früher sehr angesehenes Mitglied unserer Gemeinde Abraham Crehange im Alter von 77 Jahren gestorben. Er war einer der Begründer und ersten Komiteemitglieder der Alliance, gehörte länge dem Pariser Konsistorium und vielen Wohlthätigkeitsanstalten an. Erst später zog er sich in Folge trauriger persönlicher Verhältnisse von allen öffentlichen Angelegenheiten zurück. Sein braver Charakter und sein tiefes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten werden allgemein gerühmt. 'Friede seiner Asche! Uo« Nah und Fern. — Der bekannte christlich-soziale und antisemitische Pastor Rauh ist wegen Veruntreuung von Kirchengeldern im Betrage von 35 000 Mark verhaftet worden. „Hier liegt wieder ein Fall vor — bemerkt das „Volk" —, der zeigt, wie alle Schichten und Parteien unter der Zu-' nähme der Pflichtvergessenheit und Unredlichkeit zu leiden haben." Nur schade, daß das Stöckersche Organ bei seiner Judenhetze sich dieser Erwägung verschließt. — Herr Julius Jsaac ist an Stelle des Geheimraths Professor Bastian in den Ausschuß des unter der Leitung von Professor Virchow stehenden „Vereins für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes" gewählt worden. Dem Ausschuß dieses Vereins gehören bereits an Syndikus Dr. G. Minden und Generalkonsul W. Schönlank hier und I. Nordheime^r M Hamburg. —. Nach einer Annahme in antisemitischen Kreisen soll durch die bereits gemeldete Maßregel des Polizeipräsidiums, nach welcher alle antisemitischen Vereine aufgefordert wurden, eine neue, ganz genaue Mitgliederliste einzureichen, aussindig gemacht werdest, welche königliche Beamte innerhalb der antisemitischen Bewegung und . in den Vereinen sich befinden und welche besonders eine hervorragende Stellung einnehmen. Man befürchtet in antisemitischen Kreisen zaHreiche Maßregelungen. — In ^an^iQ ist Herr Rabbiner Sp. Blumeuthal aus Frankfurt a. O. einstimmig zum Rabbiner gewWt worden. — Aus Dresden wird geschrieben:- Am Donnerstag Vormittag .kamen in der Versteigerungshalle des hiesigen königlichen Amtsgerichts vier Aktien der hier erscheinenden antisemitischen Tageszeitung „Deutsche Wacht" über je 200 Mark zur öffentlichen zwangsweisrn Versteigerung. Bei der Ausbietung der vier Aktien zusammen, wurden insgesammt 82 Mark — sage und schreibe 8^ Mark Hr^.SMMark^^ geboten. Dann wurden die Aktien einzeln ausgeboten, und in diesem Falle wurden Preise von 32-37 Mark -pro Aktie erzielt. Aus "diesen Geboten. kann man einen Schluß darauf, ziehen,, wie die Aktien i>|r „Deutschen Wacht" stehen. — Die Strafkammer > in Da rmstadtH^t den früheren Schriftführer des antisemitischenVereins>jiv ejbinc^.feiner früheren Hochburg des Antisemitismus in Starkenburg — Namens M ee s, wegen Urkundenfälschung und anderer ehrenrühriger Handlungen zu 15 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurtheilt. — Ihren 102. Geburtstag feierte am vergangenen Samstag die Wittwe Bosmann Meyer in Gemünd. Die dortige israelitische Gemeinde chatte aus diesem Anlasse eine kleine Feier veraustaltet und das Haus der hochbetagten Greisin in sinniger Weise geschmückt. Das körperliche und geistige Befinden derselben ist vortrefflich. — Der Onkel des Fürsten Alois Lichtenstein war ein Jude! Man schreibt darübkx .der „Oesterreichischen Wochenschrift": „Er war ein Jude Namens Breisach, der aus einer alten, frommen Judenfamilie , stammte und in Wien es zu Geld, Ansehen und vornehmer Verwandtschaft brachte. Dieser letzteren brachte Breisach das Opfer der Taufe. Aber daß er sich hierdurch dem Judenthum nicht entfremdet fühlte, weiß ich genau, und ich bin in der Lage, hierfür ganz interessante Thatsachen anführen zu können." — Die Akademie der Medizin in Paris hat Professor M. Mofse von der medizinischen Fakultät in Toulouse zum korrespondirenden Mitglieds erwählt. — Rabbiner Dr. Emänuel Lenke wurde in Beszterczebängo in sein Amt feierlichst eingesührt. — Die ungarische Vorbereitungskommission für den in Moskau abzuhaltenden Aerztekongreß hielt eine Sitzung, in welcher Professor Wilhelm Göldzieher seiner Entrüstung darüber Ausdruck gab, daß Rußland es den jüdischen Aerzten unmöglich mache, an den: Kongresse theilzünehmen. Es wurde beschlossen, die Aufhebung/ dieser Maßregel zu veranlassen. — Ignaz Farkas in Krapina wurde durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. — Die Kisfalsidy - 'Gesellschaft hat das Oberhausmitglied Heinrich Lävay zum Mitglied der Büchereditionskommission gewählt, — Die französische Akademie hat den Monthyon-Preis Herrn Leon Cahun, Bibliothekar, für sein Werk „Einleitung in die Geschichte Asiens" gegeben. — Renä Worms ist an Stelle von Leon Say zum korrespondirenden Mitgliede der k, Akademie in Madrid gewählt worden. — Unter dem Sütel „Notes Africaihes“ ist soeben ein Reisewerk über Algier und Tunis von Baron Henri v. Rothschild in Paris erschienen. — Die Nordd. Allg.Ztg. schreibt: „Am Freitag fand die Jahresversammlung der britischen „Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums unter den Juden" in London statt. Der Verein hätte im letzten Jahre eine Einnahme von 6648 Lstr. und eine Ausgabe von 7096 Lstr. ' 26 Missionare und viele freiwillige Mitarbeiter suchen die Ziele der Gesellschaft in England, Deutschland, Oesterreich, Rußland und der Türkei zu erreichen. Zwei Heime bestehen für alte Israeliten." — Unter den Juden in Süd ruß lanv ist eine merkwürdige Bewegung entstanden, welche einer Bekehrung zum Christenthum ähnelt. Das ist die Sekte des Herrn Rabbinovitz, der aber auch schon ausgespielt hat. — Der letzte jüdische Richter in Rußland, Herr Dillon, ist kürzlich als beeidigter Rechtsanwalt in Petersburg zugelassen worden. Derselbe hat die Moskauer Universität im Jahre 1887 beendigt, war schon im Jahre 1872 Ober-Sekretär im Senat, wurde 1874 zum Mitgliede des Kreis geeichtes, zuerst in Perm, zuletzt in Kasan, wo er bis Februar 1896 funktionirte, ernannt, ist wirklicher Staatsrath und Besitzer mehrerer Orden. — Den jüdischen Ackerbaukolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw sind anläßlich der Krönungsfeier uv A. verschiedene Rückstände erlassen worden. — Beider Krönung am 26. d. Mts. in Moskau haben hie Herren .Rabbiner Dr. Drabkin aus Petersburg, Mafe aus Moskau und Segal aus Warschau das russische Judenthum offiziell vertreten.. Sie erhielten ihre Plätze neben der Geistlichkeit der nicht-christlichen Bekenytstsjse Angewiesen. — Ahlwardt behauptet irr Amerika in seiner dort erschienenen. Schxift, die Parteien d^s Reichstags hätten sich stets vereinbart, — aus Furcht vor feinen Enthüllungen — ihn nicht reden zu lassen. Auch, seine früheren Fraktionsgenossen Zimmer mann rc. seien nur noch? zum Schein Antisemiten, thatsächlich aber von den Juden gekauft. — Die Juden im Staate Massachusetts machen alle Anstalten, durch die Legislatur ein Gesetz durchzubringen, daß allen Denen, /die entsprechend ihrer religiösen Vorschrift den. Sabbath feiern und das Geschäft "an .diesem Tage geschlvssen halten, das Recht zustehen soll,, am Sonntag frei verkaufen zu können. Diese Bestrebungen werden vom Publikum und fast von der gesammten Preffe lebhaft unterstützt. * - . . Drück und Verlag von Rudolf Moff^in Berlin. " v Verantwortlich für die Redaktion..Mar Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.