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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-15 · Heft 20 (15.5.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 20 (15.5.1896)
Date
1896-05-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Zerschmettert den Kopf, zerbrechet die Knochen der jüdischen Schlangen^ > An den Galgen mit den Juden und den Judenfreunden, den Beschützern der Diebe, der Schufte und der Spitzbuben." — Es scheint uns, daß bicfd Stellen an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig lassen und die Sprache der deutschen antisemitischen Blätter an Schärfe weit übertreffen. — IN Algier hat man die Absicht, mehrere alte jüdische Friedhöfe zu zerstören,' darunter auch das Grab des berühmten Ribasch, welches allgemeine! Verehrung nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Muselmännern genießt. Der Oberrabbiner von Algier ist dagegen beim französischen! Ministerium vorstellig geworden, und wie wir hören hat dieser Einspruch Aussicht darauf, anerkannt zu werden, so daß bie Ruhe der Todten ungestört bleiben wird. Großbritannien. /V London, 8. Mai. Der Tod des Baron Hirsch macht einige Veränderungen im Vorstand der Jewish Colonisation Association nothwendig, die sich wie folgt vollzogen haben. S. H. Goldschmidt, der Präsident der Alliance, ist Präsident geworden, Mitglieder des verwaltenden Council sind: Nareisse Leven, Salomon Reinach und Herbert G. Lousada. Von diesem ist der Erste Vizepräsident der Alliance und Präsident des Palästinakomitees, der Zweite Direktor der Museen in Paris und Central-Komiteemitglied der Alliance Und der Dritte Vertreter der Angio Jewish Association. — Am 3. d. M. fand die Monatsversammlung der Angio Jewish- Association unter dem Vorsitz des Präsidenten Claude G. Montefiore statt, in der dieser zunächst des verstorbenenen Baron Hirsch gedachte und die Absendung eines Kondolenzschreibens an die Baronin Clara von Hirsch anregte. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen und der Vorsitzende mit der Absendung beauftragt. Aus den Schulen im Osten lagen die folgenden Nachrichten vor.' Die Mädchenschule in Ädrianopel hat 170 zahlende und 303 Freischülerinnen und bittet um Erneuerung der Bewilligung von 400 Mst, welches Gesuch gewährt wird. Für die Schule in Fez, welche 80 Freischüler und 553 zahlende Schüler zählt, wird eine neue Bewilligung von 1000 Mk. nachgesucht und ausgesprochen, um mit Hilfe einer Vergrößerung des Lehrpersonals die Schülerzahl vergrößern zu können. Das Käufgeld für die neuen Gebäude der Evelina Rothschild-Schule soll dem lateinischen Patriarchen, als Verkäufer, auf seinen Wunsch schyp jetzt ausgezahlt werden, ohne die Ausfertigung des Kaufbriefes äO zuwarten. In Salonichi sind zwei Schulen, die Knabenschule mit 448 Schülern, wovon nur 82 zahlen, und die Mädchenschule mit 29Ö, wovon 145 zahlen, außerdem ein Kindergarten mit 226 kleinen Kindern, wovon nur 31 Schulgeld erstatten. Für alle.3 Institute zusammen: bewilligt die Angio Jewish Association 3000 Mk. Endlich werden noch 2000 Mk. für die Knabenschule in Smyrna gewährt, welche Mr. Ariö leitet. Da der in die vorigen Sitzung beschlossene Adresse an den Schah von Persien durch dessen Ermordung gegenstandlos geworden ist, soll eine Neue Adresse an seinen Nachfolger gerichtet werden, in der zugleich mit dem Ausdrucke des Beileides und dem Glückwunsch zur Thronbesteigung gebeten werden wird, die Juden mehr als bisher in Schutz zu nehmen. — Der Fahnen-Sergeant Joel Hart von den zweiten Tower Hamlet Riste Volunteers, der nach 25 Jahren Dienstes jetzt .seine Entlassung genommen hat, erhielt eine schöne tragbare Uhr mit Musikwerk zum Zeichen der Anerkennung für seine treuen Dienste. MajH Stokes, unter dem Sergeant Hart diente, hob bei der Ueberreichunst noch einmal die treue Pflichterfüllung hervor, die jederzeit den Jubilar ausgezeichnet habe. i Kon Nah und Fern.! — Am 11. d. M. starb hier nach längerer Krankheit der Stadtrath a. D. und Stadtälteste Dr. jur. Max Samter, 67 Jahre alt. — Die Einweihung des neuen Gebäudes für das Lehrlingsheim in Pankow findet am 17. Mai statt. — Die „Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus" enthalten eine dankenswerthe Liste antisemitischer Bäder: Durch und durch antisemitisch sind: Borkuri, Zingst, Gehlsberger Mühle bei Oberhof in Thüringen, Juist, Zinnowitz. Einzelne Beschwerden liegen vor über: Saßnitz und Binz. Kaum glaublich! — Der große Antisemit Carl Paasch hat bei dem Verlagsmagazin I. Schabelitz, in Zürich ein an die deutschen.Antisemiten-ge- Äch^etes Flugblatt gegen den Reichstagsabgeordneten Liebermann von Sonnenberg veröffentlicht, in dem er ein keineswegs schmeichelhaftes Porträt dieses Antifemitenführers entwirft. — Der bisherige außerordentliche.Professor Dr. GradeNwitz in Königsberg ist zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät ernannt: worden. — Das Landgericht Breslau verurtheilte die Redakteure Dr. Schottky und Dr. Fleischer von der „Schlesischen Zeitung" wegen .Beleidigung des Breslauer. Magistrats zu 200, beziehungsweise 100 Mark. Geldstrafe. Die Beleidigung . wurde in dem Passus eines Artikels über den viel erörterten Änkauf.des Rittergutes Weidenhof durch die Stadlgemeinde gefunden. Die inkriminirte Stelle lautet: „Daß diese Affäre (nämlich der Ankauf) in den weitesten Kreisen den Eindruck der Solidarität der jüdisch-freisinnigen Interessen hinterlassen hat, ist zweifellos." — Die Liegnitzer Strafkammer verurtheilte die als antisemitische Größen bekannten Kaufleute Walter Zenkominierski aus^Berlin und Alfred Zenkominierski (Brüder) aus Dresden wegen großartiger Betrügereien im Handel mit Sportpferden, die sie an aktiven Offizieren begangen hatten. Ersterer erhielt vier Jahre Gefängniß und fünf Jahre Ehrverlust. Letzterer drei Jahre Gefängniß und vier Jahre Ehrverlust zuerkannt. — Das „Westdeutsche Missionsblatt für Israel" in Köln berichtet freudig: „Mehrere Söhne und Töchter Israels wurden in der heiligen Eharwoche in unsere theuere evangelische Kirche ausgenommen, zunächst ein seit September v. I. unterrichteter junger Kaufmann R., der zugleich mit seiner Schwester in Düsseldorf von Pastor F. getauft werden konnte. Desgleichen wurde in Elberfeld von Pastor L. ein jüdisches Ehepaar mit drei Kindern getauft." Was diese fünf Personen wohl zusammen gekostet haben? — Bei dem Friedensseste in Frankfurt a. M. haben folgende Herren kaiserliche Auszeichnungen' empfangen: Bankier Theodor Stern den Kronenorden 3 Klaffe; Bankier Spey er den Kronenorden 4. Klasse. Professor Dr. Weigert den Titel: Geheimer Sanitätsrath. — Bon dem Schöffengericht Bamberg wurde der Kommissionär Rudolph Wunderlich. wegen Betruges und Unterschlagung zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt. Er ist derselbe Herr, der dort die antisemitische Bewegung hervorgerufen und den Vorsitz in antisemitischen Versammlungen geführt hat! — Der Lehrer, und Sekretair des Bürgermeisteramtes in Schirrhofen Joseph Levi hat anläßlich seiner Pensionirung das allgemeine Ehrenzeichen erhalten. — Der Versuch, in drei Bezirken bei den Pariser Munizipalwahlen Antisemiten durchzubringen, ist kläglich gescheitert.. Im neunten Arrondissement (Montmartre) fielen der republikanische Antisemit Teissoniere mit 544 und der bonapartistische Antisemit Lobten mit 454 gegen den gewählten Juden Paul Strauß, welcher 2500 Stimmen erhielt, durch. Im elften Arrondissement erhielt der Antisemit von 8500 blos 600 Stimmen, im neunzehnten Arrondissement erhielt der antisemitische Sozialist von 2500 Stimmen nicht mehr als 300. — Die Einwohnerzahl von Dänemark beträgt 2304000, darunter 4080 Juden. — Der jüngst verstorbene Kardinal Galimberti war ein offener Gegner des Antisemitismus. Bei einem Interview kam die Rede auf den Antisemitismus in Oesterreich, wobei der Kardinal meinte, die Bewegung habe, da sie fast nur auf Wien konzentrirt sei, keine besondere Bedeutung. — Auf dem nationalen Journalisten-Kongreß in Ro m wurden zwei Marmorbüsten enthüllt, von denen die eine einen hervorragenden jüdischen Journalisten und Politiker, dem längst verstorbenen Jaques Dina gewidmet war, der vom Rabbinatskandidaten in Turin zu einem der hervorragendsten Publizisten und Vorkämpfer der nationalen Einheit Italiens sich entwickelte. — Monsieur Ahlwardt, der im Deutschen Reichstage das Verbot der Judeneinwanderung unter dem Jubel der junkerlichen und bürgerlichen Antisemiten beantragte, plaidirt jetztauch in Amerika für das Verbot der Juden-Einwanderung. — In der letzten Jahressitzung der Sinai-Gemeinde in Chicago wählte dieselbe einstimmig Dr. Emil G. Hirsch wieder zu ihrem Rabbiner für 10 Jahre mit einem Gehalte von 12 000 Dollars. — Unter den' von dem Obergericht in Pretoria zu 2 Jahren Gefängniß, MC^strl. Geldstrafe und zu einer dreijährigen Verbannung verurtheilten EWn^es^Johannesburger Aufstandes befinden sich Fritz Mosenthal und der türkische Konsul H. Bettelheim. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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